Jetzt reißt’s euch aber mal ’zam: Die Buckel-Walli (Monika Popovits) packt den Pfarrer (Andi Fischer) und den Lorenz (Michi Popovits) an den Ohrwaschln, weil die eine ganz unchristliche Rauferei angefangen haben. 	Fotos: weber
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Jetzt reißt’s euch aber mal ’zam: Die Buckel-Walli (Monika Popovits) packt den Pfarrer (Andi Fischer) und den Lorenz (Michi Popovits) an den Ohrwaschln, weil die eine ganz unchristliche Rauferei angefangen haben.

Olching

Open-Air-Premiere im Gut Graßlfing: Die Hexe hat alle im Griff

  • Kathrin Böhmer
    VonKathrin Böhmer
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Hexenkessel Gut Graßlfing möchte man fast sagen: Zum ersten Mal hob sich im Hof der Vorhang für ein Freilufttheater - und das mit großem Erfolg.

Olching – Die Volksbühne Olching meldete sich mit dem Stück „Verhexte Hex“ zurück und hielt ihr Versprechen: Nach der Corona-Zwangspause war auf der Bühne geballte Leidenschaft zu spüren. Rund 200 Besucher kamen in den Genuss von Darstellern – und Ambiente.

Es ist schon so eine Sache, wenn man als braver, katholischer Ort ausgerechnet eine Hexe im Wald hocken hat. Die Bewohner benehmen sich ganz schön scheinheilig. Da wären zum Beispiel die blitzsaubere Bichlbäuerin (Petra Huber), die furchtbar ängstliche Kauerin (Edith Dierl) und die schrecklich neugierige Moserin (Ulli Schinabeck). Sie statten der ungeliebten Buckel-Walli (Monika Popovits) nämlich sehr regelmäßig einen Besuch ab, heimlich natürlich – für die Schönheit.

Die Bichlbäuerin schwört drauf: „Jedes Mittel von der Walli hat bisher geholfen.“ Das wollen die anderen Damen genauer wissen: „Was denn genau?“ Die Bichlbäuerin: „A Mittel gegen Falten.“ Kurzer kritischer Blick in das Gesicht der Freundin und schon frotzelt die Moserin: „Aber herg’nommen hast es no ned, oder?“

Der Schreiberling ist selbst im Publikum

Es sind Szenen wie diese, die das Publikum bei der Premiere von „Verhexte Hex“ zum Lachen bringen. Die Volksbühne hat sich für ihr Comeback nach der Corona-Pause den Drei-Akter von Ralph Wallner vorgenommen. „Der Schreiberling“ selbst wollte das auf keinen Fall verpassen und war ebenso vor Ort wie Bürgermeister Andreas Magg und Pfarrer Josef Steindlmüller.

Der erteilte der Freiluftbühne gleich zu Beginn einen Segen – vor allem bat er um gutes Wetter. Für Freitag klappte das. Bis in die tiefen Abendstunden hinein saßen die rund 200 Besucher bei Kerzenlicht an den Tischen (mit Abstand), umringt von den Gebäuden vom Gut Graßlfing, und genossen das Schauspiel. „Mit einer Leidenschaft wie noch nie werden wir spielen“, hatte Regisseurin Ingrid Schediwy zu Beginn versprochen. „Wir freuen uns narrisch, wieder spielen zu dürfen“, rief außerdem Andreas Popovits. Und das war zu spüren.

Jedes Detail auf der selbst gebauten Bühne saß. Wenn die Buckel-Walli für ihren Zaubertrank gegen die Hämorrhoiden vom „Oid Moser“ Wasser aus dem Brunnen kurbelt, dann ist da wirklich Wasser drin. Wenn der Trank angerührt wird, mit Eiern und Tomaten, dann fängt der Kessel natürlich zum Dampfen an. Und, was fehlt noch? „Ah ja, die Fingernägel einer Jungfrau.“ Auch die fliegen im hohen Bogen in den Kessel.

Es ist ein Fest, der Walli zuzuschauen, wie sie ihre Augen unter den strubbeligen grauen Strähnen aufreißt und den Mund vorschiebt. Leicht narrisch halt. Wie sie gebogen wie ein C, mit vorgestreckten Armen und gesenktem Kopf versucht zu zaubern. Die Stimme mit Hall unterlegt, wenn „Potzblitz“ der Zauberspruch über das Publikum donnert. So viel sei verraten: Wirklich hexen kann die Walli nicht.

Diese Bombe platzt, als sie dem frisch verliebten Paar Burgel und Lorenz helfen will, die wie Romeo und Julia um ihre Liebe kämpfen (Burgel wird wunderbar naiv gespielt von Martina Winkler, und Michi Popovits überzeugt als „Bussl-Bazi-von Fensterlhausen“ mit weichem Kern.) Die Eltern des Paares sind gegen die Verbindung. Lorenz ist der Sohn vom Bürgermeister Bichlbauer (Rolf Dressel) und Burgel die Zieh-Tochter vom armen Kartoffelbauern Kilian (Pauli Held, der auch mit Regie geführt hat).

Wie erklärt man Hochwürden Viagra?

Auch die Walli ist dem Dorfoberen ein Dorn im Auge, genauso wie dem Pfarrer (Andi Fischer). Die beiden wollen die Gemeinde nämlich touristisch voranbringen und einen Wallfahrtsort daraus machen. Der „Herr-Ober-Bischof-Kardinals-Ministrant“, wie die Hex ihn nennt, musste schon etliche Archive durchwälzen. Irgendwo muss doch mal ein Heiliger erschienen sein. Bislang ist aber keiner in Sicht. Dafür verbünden sich Walli, Lorenz und Burgel und haben eine Idee, wie allen geholfen wird.

Theatervergnügen unter freiem Himmel, im Hof von Gut Graßlfing: Rund 200 Zuschauer waren bei der Premiere von „Verhexte Hex“.

Ob das Wunder passiert, das können sich die Zuschauer selbst anschauen. Und auch, ob es dem Bürgermeister gelingt, dem Pfarrer zu erklären, welche Mittel die Walli so für Männer parat hat. Stichwort: Männerkraut, das Viagra der Natur. Gar nicht so leicht, wenn man Hochwürden und seinem Zölibat nicht zu nahe treten will. Der Dorfchef versucht es mit dieser schon fast päpstlichen Metapher: „Des braucht man, wenn die Glocken länger sind als der Strick.“

Vorstellungen

sind am kommenden Freitag und Samstag (Einlass und Abendkasse ab 17 Uhr, Beginn um 20 Uhr) sowie Sonntag, Einlass ab 16 Uhr, Beginn um 19 Uhr. Karten

können nur telefonisch reserviert werden unter (0151) 56 38 96 16 und (0176) 69 66 81 75 (Montag bis Donnerstag von 18 bis 20 Uhr). Ausweichtermine sind Freitag/Samstag, 6./7. August. Wichtiger Hinweis der Volksbühne: Bei einer Absage müssen die Karten neu reserviert werden.

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