Helene Sebald ist mit 92 Jahren friedlicheingeschlafen. Repro: ak

Nachruf

Die gute Seele des Olchinger Pfarrbüros ist gegangen

 Ein bewegtes und langes Leben ist zu Ende gegangen: Die ehemalige Pfarrsekretärin Helene Sebald ist im Alter von 92 Jahren im Eichenauer Seniorenheim nach längerer Krankheit friedlich eingeschlafen. 

Olching–Um sie trauern die Töchter Helene Baumeister und Brigitte Schwaninger mit Familien.

Die gebürtige Sudetendeutsche kam 1948 nach Bayern und fand ihre neue Heimat in Olching. Wegen der Kriegswirren konnte sie ihre Ausbildung zur Saatzuchtassistentin nicht abschließen. „Meine Mutter kam unter abenteuerlichen Umständen nach Westdeutschland: Sie floh auf einem offenen Güterzug, der mit Eisenträgern beladen war“, erzählt Tochter Helene Baumeister. Im Haushalt des Olchinger Arztes Schwegler in der Jahnstraße fand sie schließlich eine Stellung als „Mädchen für alles“ – die Ehefrau des Arztes brachte ihr das Schneidern bei. „Daran hatte sie viel Freude und sie hat viel für uns Kinder und später auch für ihre vier Enkel geschneidert.“ Hier lernte sie ihren zukünftigen Ehemann Ludwig kennen, der nur zwei Häuser entfernt wohnte. Die beiden heirateten 1956. Mit der Hochzeit wurde sie Mitglied im Katholischen Frauenbund. „Traupriester Pfarrer Handwerker hatte die Gewohnheit, den Frauen beim Brautgespräch das Aufnahmeformular zu überreichen, darum war ihr Hochzeitsdatum auch gleichzeitig das Eintrittsdatum im Frauenbund“, erzählt die Tochter. Im Frühjahr 1978 wurde Helene Sebald in den Vorstand gewählt, von 1983 bis 1993 war sie Vorsitzende. Während ihrer zehnjährigen Amtszeit wurden in der Vereinigung die ersten Mutter-Kind-Gruppen gegründet – die noch heute bestehen. 2007 wurde Sebald schließlich zum Ehrenmitglied ernannt.

Im Alter von 55 Jahren nahm sie ihre Arbeit im Pfarrbüro Olching auf. Diese übte sie über zehn Jahre bis zum Ruhestand im Jahr 1990 aus. Danach stand sie noch weitere fünf Jahre als Urlaubsvertretung zur Verfügung. „Die vielfältigen Begegnungen und Erlebnisse, ob im Pfarrbüro oder im Katholischen Frauenbund, bezeichnete unsere Mutter immer als eine der schönsten Zeiten in ihrem Leben.

Ansonsten war ihr Alltag als Ehefrau und Hausfrau, zweifache Mutter und vierfache Oma mehr als ausgefüllt, erzählt die Tochter. Für ihre Kinder und später auch für die Enkel war Helene Sebald stets die zentrale Anlaufstelle, die eine liebevolle und herzliche Beziehung zu ihren Liebsten pflegte. „Sie strahlte heitere Gelassenheit, große Zuversicht, Gottvertrauen und bemerkenswerte Zufriedenheit aus. Sie hatte die Gabe, sich auch an unscheinbaren Dingen zu erfreuen und kleine Glücksmomente als etwas Besonderes zu betrachten“, weiß die Tochter.

Ihre letzten Lebensjahre verbrachte Helene Sebald im Pflegeheim Eichenau und auch dort war sie weit mehr als nur passive Bewohnerin: Sie wurde in den Heimbeirat gewählt und nahm an zahlreichen Aktivitäten teil. Unter großer Anteilnahme fand sie jetzt im alten Olchinger Friedhof ihre letzte Ruhestätte.

Angi Kiener

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