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Parkende Autos und Schlaglöcher machen die Fürstenfeldbrucker Straße zum Problemfall. Noch ist von der Lösung, der Südwestumfahrung, weit und breit nichts zu sehen.

Olching

Hier warten alle auf die Umgehungsstraße

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Die Menschen und der Verkehr im Landkreis nehmen immer mehr zu. Das bekommen besonders die Anwohner an Olchings Einfallstraßen zu spüren. Darunter befindet sich auch CSU-Vize-Bürgermeisterin Maria Hartl (59). Sie kämpft seit Jahren für eine Umgehung. Jetzt ist das Ziel zum Greifen nah.

Olching – Wenn man bei Maria Hartl im Wintergarten sitzt, dröhnt es einem schon nach kurzer Zeit in den Ohren. Ein Auto nach dem anderen rast wenige Meter an ihrem Haus vorbei. Dazwischen immer wieder 40-Tonner und Busse, die auf der buckeligen Straße noch lauter klappern. Das geht fast 24 Stunden am Tag und fast schon ihr ganzes Leben lang so. Doch die Rettung, die sich wortwörtlich am Horizont abzeichnet, die Olchinger Südwest-Umfahrung, bekommt immer wieder heftigen Gegenwind. Damals, heute, einfach ständig. Das Gesetzespaket zum Artenschutz motiviert die Gegner des Straßenbauprojekts, jetzt wieder von Neuem anzugreifen. Um die Befürworter war es im Vergleich dazu in letzter Zeit eher leise.

Seit 30 Jahren Kampf für die Südwest-Umgehung

Olchings Vize-Bürgermeisterin Maria Hartl (CSU) ist das Gesicht der Verfechter der Umgehung. Schon seit fast 30 Jahren kämpft sie dafür, ihre Straße vor allem sicherer zu machen. „Es gab hier schon viele Unfälle in der Vergangenheit“, weiß Hartl. Immer wieder kommt es zu Auffahrunfällen wegen geparkten Autos oder Anhängern am Straßenrand. Denn an den beiden Staatsstraßen 2069 und 2345 (die innerorts Fürstenfeldbrucker und Roggensteiner Straße heißen) gibt es kein Parkverbot.

Auch Personen wurden schon häufiger angefahren, berichtet Hartl. Kein Wunder bei durchschnittlich über 16 000 Fahrzeugen am Tag und nur wenigen Querungshilfen. „Als Kind konnte ich noch ohne nach rechts und links zu schauen gegenüber zum Bäcker gehen“, erzählt Hartl. Aber die Zeiten sind lange vorbei und kommen auch nicht wieder, das ist der 59-Jährigen klar.

Der Verkehr wird nicht weniger

Doch ihr geht es darum, die Lebensqualität der Anwohner zu verbessern, die immerhin an einer der am stärksten befahrenen Straßen im Stadtgebiet leben. Das Verkehrsaufkommen in der näheren Umgebung wird wohl nicht weniger werden, meint Hartl und bezieht sich auf die Neugestaltung des Fliegerhorstgeländes sowie auf die Gewerbegebietspläne von Eichenau und Emmering.

Schon jetzt ist der Landkreis der dichtbesiedelste mit den meistbefahrensten Staatsstraßen in Oberbayern, so Hartl. Und laut Prognosen seien etwa 9200 Fahrzeuge, die jetzt die beiden Einfallstraßen nutzen, kein Ziel- und Quellverkehr. So viele Gefährte würden also potenziell die Umgehung am Tag nutzen. Damit wäre die Verkehrsbelastung mehr als halbiert. Sollte die Umfahrung kommen, sollen die kaputten Straßen auch saniert werden. Auch darauf warten die Anwohner geduldig.

Weinflaschen aufs Haus geworfen - anonyme Drohanrufe

Maria Hartl

Hartls Kampfgeist ist ungebrochen – auch nach so langer Zeit. „Mich haben Leute schon dumm angesprochen, Weinflaschen ans Haus geworfen und anonyme Drohanrufe gemacht. Aber Psychopharmaka muss ich noch keine nehmen“, sagt die 59-Jährige scherzhaft. Sie ist es auch nicht leid, gebetsmühlenartig die Vorteile der Umgehung jedem zu erklären, der sie hören will. Aber ihr unermüdliches Anrennen wird bald ein Ende haben, da ist sich Olchings Zweite Bürgermeisterin sicher. „Wir haben höchstrichterliches Baurecht vom Verwaltungsgericht in Leipzig.“ Auch wenn wegen der geänderten Hochwasserschutzbestimmungen und der damit verbundenen erneuten Überprüfung der Umgehungsstraße eine Ehrenrunde von zwei Jahren gedreht werden musste. Hartl erzählt: „Sogar einer meiner größten Konkurrenten, Ewald Zachmann, Stadtrat der Freien Wähler, hat zu mir gesagt, Frau Hartl die Straße kommt, dass ist so sicher wie das Amen in der Kirche.“

Anwohner der Straßen wollen auch saubere Luft

Und ihren Widersachern, die mit Gründen des Naturschutzes argumentieren, setzt sie entgegen: „Haben die Bewohner der beiden Straßen kein Recht auf saubere Luft und auf Erholung?“ Sie wolle auch nicht alles zubetonieren, doch dafür gebe es ja Ausgleichsflächen. Außerdem gehen Hartl Menschen gegen den Strich, die laut für den Umweltschutz skandieren, aber sich in ihrem persönlichen Alltag in nichts einschränken wollen.

Wenn dann voraussichtlich 2023 die Umgehungsstraße fertiggestellt ist, wird sich Maria Hartl in ihren Wintergarten setzen, die Ruhe genießen und dann wieder anpacken. „Ich hab noch einiges vor, deshalb kandidiere ich auch wieder für den Stadtrat“, sagt sie. Sie sei ein Menschenfreund, und sich für ihre Mitmenschen einzusetzen ist ihre Leidenschaft.

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