Die Internetleitung, die in dem grauen Kasten – dem sogenannten Kabelverzweiger – ankommt, ist derzeit voll belegt. Katja Beyer hofft, dass sich das rasch ändert.
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Die Internetleitung, die in dem grauen Kasten – dem sogenannten Kabelverzweiger – ankommt, ist derzeit voll belegt. Katja Beyer hofft, dass sich das rasch ändert.

Alle Leitungen belegt

„Es ist ein Unding“: Kein Homeoffice wegen zu langsamem Internet

  • Andreas Schwarzbauer
    vonAndreas Schwarzbauer
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In Corona-Zeiten gehört Homeoffice zum wesentlichen Bestandteil des Arbeitslebens. Für eine Frau aus dem bayerischen Olching ist das allerdings nicht möglich – die Verbindung ist einfach viel zu langsam. Und momentan lässt sich das nicht ändern, weil alle Leitungen schon belegt sind.

Olching – Vor kurzem wollte die Olchingerin Katja Beyer ihren Internetanschluss auf eine schnellere Leitung umstellen lassen. Doch das gestaltete sich schwierig. „Ich habe einen uralten Vertrag von 2013 mit einer Geschwindigkeit von sechs oder 16 Megabit pro Sekunde (Mbit/s). Das ist mir eigentlich zu langsam“, sagt Beyer. Vor allem, wenn sie und ihr Partner gleichzeitig surfen, gebe es Probleme. „Es kann zehn bis 15 Sekunden dauern, bis sich eine Seite öffnet.“

Corona in Olching: Internet-Verbindung zu langsam - Frau kann kein Homeoffice machen

Auch Homeoffice sei schwierig. Ihr Lebensgefährte nutzt dafür das Mobilfunknetz. Das funktioniere besser. „Es ist ein Unding“, sagt Beyer. Sie selbst hat bisher nicht zu Hause gearbeitet, hätte aber gerne wenigstens die Möglichkeit. Doch dafür sei eine schnellere Verbindung dringend notwendig. Wenn mehrere Personen gleichzeitig im Homeoffice sind, wird nämlich ein Anschluss mit 50 Mbit/s empfohlen.

Deshalb wollte Beyer bei ihrem Anbieter 1&1 den Internetanschluss umstellen lassen. Die überraschende Antwort: Das sei aus technischen Gründen nicht möglich. Beyer konnte sich das nicht vorstellen, kündigte den Vertrag und schloss einen neuen bei Vodafone ab. Doch das Unternehmen stornierte den Vertrag kurz darauf. Der Grund: Vodafone könnte der Olchingerin keinen Internetanschluss anbieten, weil alle „Ports“ belegt seien.

Zu langsames Internet in Olching: Homeoffice funktioniert nicht - Kein neuer Anschluss möglich

Ein Port überträgt das DSL-Signal an den Kunden. Die Anzahl ist begrenzt. „Ich war sprachlos“, sagt Beyer. „Ich wohne ja nicht irgendwo außerhalb, sondern mitten in Olching an der Hauptstraße.“ Und hier sollte sie keinen Internetanschluss bekommen?

Zuständig für die technische Infrastruktur in diesem Gebiet ist die Telekom. Die anderen Internetanbieter mieten die Leitungen. Telekom-Sprecher Markus Jodl teilte mit: „Leider ist das Verbindungskabel voll beschaltet, sodass kein neuer Internetanschluss realisiert werden kann.“ Das Unternehmen plane aber das Kabel zu ersetzen, um mehr Kapazitäten zu schaffen. Aber: „Damit müssen eine Tiefbaufirma beauftragt und Genehmigungen eingeholt werden. Die Arbeiten sollen bis Anfang Juli abgeschlossen sein“, so Jodl.

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Schnelleres Internet in Olching: LTE-Anschluss als Zwischenlösung

Für die Wartezeit will sich Beyer nun einen LTE-Anschluss für zu Hause anschaffen. Damit surft sie über das Mobilfunknetz im Internet. Der Nachteil: Beyer hat dann kein Festnetz. Doch darauf will die Olchingerin grundsätzlich nicht verzichten. Zudem ist der Handyempfang in ihrer Wohnung nicht besonders gut. Daher ist der LTE-Anschluss für zuhause für Beyer wirklich nur eine Zwischenlösung.

Das Homeoffice gilt als wichtiges Werkzeug in der Corona-Bekämpfung. Behörden und Unternehmen haben sich erstaunlich schnell darauf eingestellt. Und auch nach der Pandemie werden wohl viele Arbeitnehmer daheim ihre Brötchen verdienen. Übrigens: Alles aus der Region gibt‘s jetzt auch in unserem neuen, regelmäßigen FFB-Newsletter.

(Von Andreas Schwarzbauer)

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