+
Ohne Perspektive: Viele Flüchtlinge, auch die angenommenen, blicken in eine völlig unsichere Zukunft. 

Asylbewerber in Olching

Immer mehr Frust in Flüchtlingsheimen

  • schließen

Immer mehr Flüchtlinge in Olchinger Sammelunterkünften sind frustriert. Sie haben keine Arbeit, keine Wohnung, keine Perspektive. Außerdem leben sie auf engstem Raum mit fremden Menschen zusammen. Und der Platz könnte noch knapper werden.

Olching – Die Olchinger Sozialberaterin Sabine Probst hat dem zuständigen Ausschuss der Stadt über die aktuelle Lage in den örtlichen Asylunterkünften berichtet. Laut Landratsamt leben aktuell insgesamt 253 Geflüchtete in Olching, davon haben 135 Bleiberecht, 99 wurden abgelehnt und 19 befinden sich noch im Asylverfahren. Die Flüchtlinge halten sich in drei kleinen Unterkünften auf und in drei großen, eines an der Hermann-Böcker-Straße und zwei an der Johann-G.-Gutenberg-Straße. Soweit die nüchternen Zahlen. Probst war es aber auch ein Anliegen, eine persönliche Einschätzung abzugeben: Sie beobachtet, dass das Konfliktpotenzial zunimmt. „Die Frustrationstoleranz ist nicht mehr hoch“, so Probst. Dabei würden sich zwei Problemherde herauskristallisieren.

Viele Flüchtlinge kommen aus Nigeria

Die angenommenen Asylbewerber, die eigentlich aus der Unterkunft heraus dürften und auch müssten, würden keine Wohnung finden. Sie müssten weiter mit zum Teil acht fremden Personen auf engstem Raum leben, so Probst. Wie lange, das ist noch völlig unklar. „Das würde auch jedem Deutschen irgendwann zu viel werden“, sagte Probst.

Die abgelehnten Asylbewerber befänden sich in einer völlig aussichtslosen Lage. Sie gehörten weder nach Deutschland, noch seien sie wieder in ihrer Heimat. Das Verfahren ziehe sich teilweise monatelang hin, weil die wenigsten einen Pass besitzen, manche würden nicht einmal ihre Identität preisgeben. Keine Perspektive, keine Arbeit oder Beschäftigung, viele gefrustete Menschen auf engstem Raum – da sei Ärger vorprogrammiert.

Die Polizei vermerkt eine steigende Zahl von Einsätzen wegen Körperverletzung und gefährlicher Körperverletzung. Allerdings: Die Gesamtzahl der Polizeieinsätze in den Olchinger Asylunterkünften sei eher rückläufig.

Auch Andreas Buchner, Asyl-Koordinator des Landratsamtes Fürstenfeldbruck, beobachtet, dass die Stimmung schlechter wird. Er besucht die Unterkünfte in Olching regelmäßig selbst oder lässt sich berichten, was dort vorgeht. „In der letzten Zeit sind sehr viele negative Bescheide herausgegangen“, erklärt er. Das liege auch daran, dass sich die Flüchtlingsströme verändert haben. Viele Menschen würden aus Nigeria kommen, die Bleibe-Chance liegt hier nur bei zehn Prozent, so Buchner. Um die Sicherheit zu gewährleisten, wurden bereits einige Maßnahmen umgesetzt. Es gibt vier Objektbetreuer vom Landratsamt.

Babyboom in den Unterkünften

Diese sind 40 Stunden in der Woche vor Ort. Manche immer in der gleichen Unterkunft, andere abwechselnd in mehreren. Tag für Tag werden Personen- und Zimmerkontrollen durchgeführt, auch nachts, um zu gewährleisten, dass sich nur gemeldete Bewohner und keine Fremden in der Unterkunft aufhalten. „Und dass kein Schabernack getrieben wird“, wie es Asyl-Koordinator Buchner bezeichnet, nicht ohne anzumerken, dass das etwas verharmlost ausgedrückt ist. Zudem hängt eine Hausordnung aus. Auf Deutsch. Damit die Betreuer den Text verstehen – und als Integrationsmaßnahme. Olchings Sozialberaterin Sabine Probst wünscht sich noch eine bessere Beleuchtung vor den Unterkünften, absperrbare Spinde, Gemeinschaftsräume und Schutzräume für Familien und alleinerziehende Mütter, damit diese einen Rückzugsort haben.

In den vergangenen Jahren seien sehr, sehr viele Kinder zur Welt gekommen und es gibt viele Schwangere, erzählen die Betreuer. Auch das bedeutet wieder eine Herausforderung: Der Platz wird weniger und die werdenden Mütter brauchen eine besondere Betreuung. „Das ist ein ganz aktuelles Thema“, berichtet Asyl-Koordinator Buchner.

Um der Lage Herr zu werden, sind die Ehrenamtlichen nicht wegzudenken. In Olching gibt es noch 50 Helfer, früher waren es mal 200, so Sozialberaterin Sabine Probst. Die Männer und Frauen helfen bei den Hausaufgaben, erteilen Erwachsenen Nachhilfe oder sprechen einfach Deutsch mit ihnen. Und einige Aktionen sind besonders kreativ: Neulich haben Betreuer und Bewohner Wände einer Unterkunft Pink angestrichen – eine Farbe für die gute Laune.

Auch interessant

Mehr zum Thema

Meistgelesene Artikel

Auf Restaurantparkplatz lauert fiese Abschleppfalle - obwohl Lokal dauerhaft geschlossen ist
Eine Stunde stand Monika K. auf einem Privatparkplatz eines langfristig geschlossenen Restaurants in Puchheim – dann wurde ihr Auto abgeschleppt. Zum Auslösen ihres …
Auf Restaurantparkplatz lauert fiese Abschleppfalle - obwohl Lokal dauerhaft geschlossen ist
Polizei steht vor einem Rätsel: Nackter rennt über Schulgelände
Die Brucker Polizei hat am Dienstagnachmittag einen Mann aufgegriffen, der nackt über das Gelände des Schulzentrums am Fürstenfeldbrucker Tulpenfeld gerannt ist. Der …
Polizei steht vor einem Rätsel: Nackter rennt über Schulgelände
„Ein Schritt in die Zukunft“: Maisachs Südumgehung ist eröffnet
Die Südumgehung von Maisach entlastet die Bürger des Ortes vom Durchgangsverkehr. Doch die Trasse ist viel mehr als nur eine neue Straße: Sie steht als Symbol für die …
„Ein Schritt in die Zukunft“: Maisachs Südumgehung ist eröffnet
Landratsamt: Stadt gibt grünes Licht für Erweiterung
Im zweiten Anlauf hat der Bauausschuss grünes Licht für die Erweiterungspläne des Landratsamts gegeben. Doch dafür musste Landrat Thomas Karmasin mächtig kämpfen – und …
Landratsamt: Stadt gibt grünes Licht für Erweiterung

Kommentare