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Äußerste Vorsicht ist geboten: Nur mit Schutzkleidung sollte man die riesige Staude entfernen. Denn sie verursacht auf der Haut Verätzungen und Verbrennungen.

Kampf der Herkulesstaude

Riesen-Bärenklau breitet sich in Olching aus

Die Herkulesstaude, auch Riesen-Bärenklau genannt, ist schön anzuschauen, verursacht aber Verbrennungen auf der Haut. In Olching hat sich die Pflanze rasant ausgebreitet.

Olching – Der Riesen-Bärenklau ist vor allem für Kinder gefährlich. Denn die Kleinen sehen die dekorative Pflanze, fassen sie an oder wollen sie pflücken, zumal sich ihre hohlen Stängel zum Basteln anbieten. Und schon ist es geschehen: an den Händen bilden sich schmerzhafte Quaddeln. Häufig entstehen auch Verbrennungen und Verätzungen, die nur schwer verheilen.

Hier wächst schon wieder einer: Ingrid Jaschke (l.) und Ariane Zuber zeigen einen Sprössling.

Das hat Ariane Zuber am eigenen Leib erfahren müssen. Die Vorsitzende des Bund Naturschutz Gröbenzell weiß, wie gefährlich die Herkulesstaude – auch Riesenbärenklau genannt – ist, und hat sich deshalb entsprechend mit Schutzkleidung und Handschuhen ausgerüstet und einige Pflanzen entfernt. Doch in einem unaufmerksamen Moment fasste sie sich an die Nase, was sie schwer büßen musste. „Vier Wochen hat es gedauert bis die Verletzung wieder verheilt war“, erzählt sie.

Ausbreitung der Staude „die logische Folge, da sie nicht bekämpft wurde“

Dass die Pflanze sich in Olching so ausbreiten konnte, ist für Ingrid Jaschke, Stadträtin der Grünen und stellvertretende Vorsitzende des Bund Naturschutz Olching, kein Zufall, sondern „die logische Folge, da sie nicht bekämpft wurde“. Um eine weitere Ausbreitung der Staude zu verhindern, sollte sie entfernt werden, und dies möglichst im Frühjahr, fordern Ariane Zuber und Ingrid Jaschke. Denn dann ist die Pflanze klein. Dabei soll sie aber nicht nur abgeschnitten, sondern ihre Wurzel mit ausgegraben werden. Wobei eine rund zehn Zentimeter unter der Erde befindliche Brutknospe mit entfernt werden muss, betont Jaschke.

Im Sommer hilft es dann nur noch die Blüte zu entfernen und so das Ausbreiten des Samens zu verhindern, denn eine Pflanze kann laut Ariane Zuber bis zu 5000 Samen verbreiten. Die Saat überlebt auch im Wasser. Daher sei die Gefahr durch die am Zitzstaudengraben stehenden Stauden groß. Der Samen kann sich durch das Wasser im Graben kilometerweit verbreiten.

Wie effektiv es sein kann, den Riesenbärenklau zu bekämpfen, weiß Ariane Zuber aus Erfahrung. Denn Barbara Chandani Sittl, ebenfalls Mitglied im Bund Naturschutz Gröbenzell, hat es an einer Stelle des Zitzstaudengrabens geschafft, die Pflanze zu dezimieren. Fünf Jahre lang hat sie regelmäßig Pflanzen sachgemäß entfernt und so den Bestand von 200 auf zwei verringert. Diese konsequente Bekämpfung wünschen sich Ariane Zuber und Ingrid Jaschke auch von der Stadt Olching und dem Landkreis.

Entfernte Pflanzen müssen zu weit entfernten Stellen geschleppt werden

Sie selbst haben ihre eigenen Bemühungen zur Bekämpfung des Riesenbärenklaus mittlerweile eingestellt, sie fühlen sich von der Stadt zu wenig unterstützt. Denn sie mussten Säcke, die mit entfernten Pflanzen gefüllt waren, zu weit entfernten Stellen schleppen. Erst da wurden sie vom Bauhof abgeholt. Zudem mussten die Rodungsaktionen dem Bauhof eine Woche im Voraus mitgeteilt werden.

Ingrid Jaschke wünscht sich mehr Unterstützung von der Stadt Olching und auch vom Landratsamt. Die Kreisbehörde warnte zwar Ende Juni in einer Presseerklärung vor der Pflanze und gab Tipps, wie diese zu entfernen sei, wurde aber selbst nicht aktiv.

„Dazu fehlt das Personal“, erläutert Petra Heber von der Unteren Naturschutzbehörde. Würde aber bekannt, dass etwa entlang von Radwegen, auf Bahngrund oder entlang von Straßen Herkulesstauden stehen, würde die Behörde Kommunen, Bahn oder Privatleute darum bitten, diese zu entfernen. „Eine Vollzugsanordnung kann ich aber nicht aussprechen“, so Petra Heber.

Auf Privatgrund müssen Eigentümer den Riesen-Bärenklau bekämpfen

Die Stadt Olching entfernt zwar die Stauden in öffentlichen Grünanlagen, sagt Rathaussprecherin Julia Henderichs. Auf privatem Grund sei dafür aber der Grundeigentümer verantwortlich. Dafür hat Ingrid Jaschke kein Verständnis: „Das mag rechtlich korrekt sein, lässt aber jeglichen Weitblick und eine durchaus gegebene Verantwortlichkeit missen.“ Sie fordert: „Ich will, dass nächstes Frühjahr etwas passiert.“ Die Stadt solle selbst die Stauden entfernen oder jemanden beauftragen. Zudem soll sie Grundeigentümer auffordern, die Pflanze zu entfernen und die Bürger über die Notwendigkeit der Bekämpfung aufklären.

Mit Grundeigentümern entlang des Zitzstaudengrabens habe die Stadt zwar bereits Kontakt aufgenommen, so Julia Henderichs. Die Art und Weise, wie dort die Herkulesstauden bekämpft wurden, sei aber kontraproduktiv gewesen. Tausende Pflanzen seien geschnitten und teils gehäckselt, teils im Ganzen am Boden liegen gelassen worden. Der Boden ist daher übersät mit den Samen der Staude und deren Sprösslinge sprießen bereits wieder.

Riesen-Bärenklau: ein Einwanderer aus dem Kaukasus

Die Herkulesstaude, auch Riesenbärenklau, Bärenkralle oder Herkuleskraut genannt, gehört zur Familie der Doldenblütler und stammt ursprünglich aus dem Kaukasus. Innerhalb weniger Wochen kann sie mehrere Meter hoch werden. Die Stängel erreichen einen Durchmesser von bis zu zehn Zentimetern, die Blüten können bis zu 50 Zentimeter Durchmesser erreichen. In Europa konnte sich die Pflanze ausbreiten, da sie Imkern als Bienenweide empfohlen wurde. Doch die Staude wird als invasiver Neophyt eingestuft, wo er wächst haben heimische Gewächse kaum eine Chance zu überleben. Ihr Samen wird durch Wind und Wasser verbreitet und kann bis zu sieben Jahre überleben

von Susanne Schwind

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