Freut sich über ein gestiegenes Interesse am Gärtnern: Klaus Jurczek von den Gartenfreunden.
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Freut sich über ein gestiegenes Interesse am Gärtnern: Klaus Jurczek von den Gartenfreunden.

Olching

Kleingärtner kommen groß raus

  • Ulrike Osman
    vonUlrike Osman
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Gepflegte Wege, Jägerzäune, Kopfsalat in akkuraten Reihen und überall bunte Blüten – dieses Idyll liegt als grüne Oase im Gewerbegebiet zwischen Münchner und Roggensteiner Straße in Olching. Hier betreiben die Garten- und Blumenfreunde Olching seit fast 40 Jahren ihre Kleingartenanlage.

  • Die Kleingartenanlage in Olching besteht seit 40 Jahren
  • Nachwuchssorgen gibt es keine
  • Die Corona-Krise hat auch hier Auswirkungen

Olching – Während andere Vereine überaltern, fühlen sich vom Gärtnern zunehmend junge Leute angezogen. „Der Generationswechsel hat seinen Höhepunkt erreicht“, sagt Klaus Jurczek, Öffentlichkeitsbeauftragter des Vereins. 13 der 69 Parzellen haben in diesem Jahr den Besitzer gewechselt, viele sind an junge Familien mit Kindern gegangen. 15 weitere Interessenten stehen auf der Warteliste und müssen sich noch gedulden, bis sie eines der im Durchschnitt 300 Quadratmeter großen Paradiese in Besitz nehmen können.

Das kostet ein Garten mit Häuschen

Jurczek ist überzeugt, dass das wachsende Interesse nicht nur damit zu tun hat, dass die Leute coronabedingt Urlaub daheim machen. Dazu wäre die Investition auch zu hoch. Ein Garten samt Häuschen kostet je nach Ausführung und Zustand um die 5500 Euro. Hinzu kommen rund 300 Euro Betriebskosten im Jahr für Wasser, Versicherungen und Brandschutz. Außerdem muss man reichlich Zeit und Arbeit investieren, denn nur als Liegewiese und Standplatz für den Grill darf die Parzelle nicht dienen.

Das Bundeskleingartengesetz schreibt eine gärtnerische Nutzung ausdrücklich vor. Der Bundesgerichtshof bestätigte in einem Urteil von 2004, dass auf mindestens einem Drittel der Fläche Gartenbauerzeugnisse für den Eigenbedarf angebaut werden müssen.

Das deckt sich mit den Interessen der Olchinger Vereinsmitglieder. Der Wunsch, gesunde Lebensmittel selber zu erzeugen, ist einer der Gründe, warum sich junge Familien in die Anlage einkaufen, hat Jurczek bei einer Umfrage unter den neuen Mitgliedern festgestellt. Das hat den 79-Jährigen gefreut. „Wenn das Gärtnern als Alternative zum unbegrenzten Reisen und dem Verbrauchen von Ressourcen erkannt wird, ist das doch eine schöne Perspektive. Selbstgezogene Tomaten schmecken auch besser.“

Eine Rolle spielt für viele auch der Wunsch nach einem Refugium im Grünen unweit der eigenen vier Wände. Hier kann man die Kinder unbesorgt im Freien herumtoben lassen und ihnen spielerisch das Gärtnern näherbringen. Vereinsvorsitzender Peter Edmeier glaubt, dass die zunehmend verdichtete Bebauung die Olchinger hinaustreibt. „Viele haben ja nur einen winzigen Reihenhausgarten oder einen Balkon aus Beton – und wenn der nach Norden geht, das ganze Jahr über keine Sonne.“

Neulinge mit Erfahrung

Die meisten Neulinge bringen bereits Erfahrung mit – oder zumindest Erinnerungen an eine Kindheit auf dem Land oder Besuche im Garten der Großeltern. Manche nehmen erst nach Ende des Berufslebens das Gärtnern wieder auf. Es kommt auch vor, dass erwachsene Kinder für ihre vor der Rente stehenden Eltern eine Parzelle suchen, um die viele bevorstehende Freizeit sinnvoll zu füllen. Wer sich vor einem Umzug nach Olching bereits um einen Garten bewerben will, hat allerdings Pech. Die Parzellen dürfen nur an Ortsansässige vergeben werden.

Die Aktivitäten in der Kleingartenanlage beschränken sich nicht auf Säen, Pflege und Ernten. Handwerklich Begabte bauen sich selber Gartenmöbel, Hochbeete oder Pergolas. Viele finden auch im Winter so viel zu tun, dass sie täglich herkommen. Normalerweise herrscht das ganze Jahr über ein reges Vereinsleben mit diversen Aktionen und Festen.

Dass coronabedingt die Termine dieses Jahr alle abgesagt werden mussten, bedeutet nicht nur Abstriche für die Geselligkeit, sondern auch Mindereinnahmen für die Vereinskasse aus Getränke- und Essensverkauf.

Ebensowenig konnte das Vereinsheim für private Feiern an Mitglieder vermietet werden. „Wir hoffen im nächsten Jahr wieder auf normale Verhältnisse“, sagt Peter Edmeier. Der 72-Jährige wünscht sich, dass sich die erfreuliche Nachwuchssituation dann auch im Vereinsvorstand bemerkbar macht. Er will nach sechs Jahren als Vorsitzender nicht mehr kandidieren. „Die nächste Generation darf sich ausdrücklich angesprochen fühlen.“

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