Unbestechlicher Würfel: Vor der Veranstaltung konnten die Kandidaten (v.l.) Andreas Teichmann (FDP), Gabriel Sailer (ÖDP), Andreas Magg (SPD, amtierender Bürgermeister), Maximilian Gigl (CSU), Stefan Eibl (FWO) und Michael Maier (Grüne) ihren Sitzplatz auslosen. Dann übernahm den Würfel Tagblatt-Moderatorin Kathrin Böhmer.
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Unbestechlicher Würfel: Vor der Veranstaltung konnten die Kandidaten (v.l.) Andreas Teichmann (FDP), Gabriel Sailer (ÖDP), Andreas Magg (SPD, amtierender Bürgermeister), Maximilian Gigl (CSU), Stefan Eibl (FWO) und Michael Maier (Grüne) ihren Sitzplatz auslosen. Dann übernahm den Würfel Tagblatt-Moderatorin Kathrin Böhmer.

Kommunalwahl 2020

Von Kultur bis Kita: Das sagen die Kandidaten

Die Volkshochschule Olching hat genau drei Wochen vor der Kommunalwahl zur Podiumsdiskussion eingeladen. Sechs Bürgermeisterkandidaten diskutierten – eigentlich über die Themen Bildung und Kultur. Als Brennpunkt kristallisierten sich jedoch Schulen, deren Kosten und die Kinderbetreuung heraus. Die Bürger bewegten aber ganz andere Dinge.

Olching – Während an vielen Orten der Fasching tobte, ging es in der Turnhalle der Martinschule um Kommunalpolitik. Der Fokus der Podiumsdiskussion lag darauf, welche Rolle Bildungs- und Kultureinrichtungen in Zeiten akuter Probleme wie Wohnungsnot für die Stadtentwicklung spielen. Das sind auch die Kernthemen des Veranstalters – der VHS. Rund 250 Besucher lauschten über zwei Stunden lang der Debatte.

Bildung

Einigkeit herrschte zumindest darüber, dass Bildung und Kultur wichtig für die Stadt sind. Stefan Eibl (Freie Wähler Olching) betonte: „Bildung ist der Schlüssel zu allem.“ Maximilian Gigl (CSU), aktuell Schulreferent, forderte: „Wir müssen die Schulen und unsere Einrichtungen bestmöglich ausstatten.“ Der amtierende Rathaus–Chef Andreas Magg (SPD) wünschte sich für Olching neben den Grundschulen, der Mittelschule und dem Gymnasium eine Möglichkeit, den mittleren Abschluss machen zu können, also eine Realschule oder den M-Zweig.

Ziemlich harsche Kritik äußerte Magg am Zustand des Gymnasiums, für das der Landkreis zuständig ist. „Seit ich dort 1998 Abitur gemacht habe, hat sich nichts getan.“ Das Gebäude, das in den Siebziger Jahren gebaut wurde, sei den Schülern nicht mehr zuzumuten. Der Kreis prüft derzeit einen Neubau.

Kinderbetreuung

Beim Thema Kinderbetreuung monierte Stefan Eibl (FWO), dass über Plätze, aber nicht über Inhalte geredet werde. Er forderte: „Ich will eine sehr gute Betreuung und nicht, dass Kinder nur geparkt werden.“ Außerdem sollte man nicht erst Runde Tische mit Eltern und Bürgern veranstalten, wenn es schon brenne, sondern um gemeinsam Visionen zu verwirklichen.

Magg warf seinem Kontrahenten vor, beim Thema Kinderbetreuung „Märchen“ zu verbreiten. Die Stadt erfülle ihre vorgeschriebenen Aufgaben, die Zahlen würden für sich sprechen. Auch die Mittagsbetreuung für die vierten Klassen wurde inzwischen geregelt.

VHS in alter Schule?

Völlig unterschiedliche Vorstellungen hatte das Sextett davon, wo man den Kulturschaffenden, Kulturinteressierten und Kreativen in Olching mehr Raum (als nur das KOM) geben könnte.

Respekt für alle Engagierten: VHS-Vorsitzende Hélène Sajons (r.) und Anke Velasquez.

Grünen-Kandidat Michael Maier brachte, wie auch Andreas Teichmann (FDP), die frühere Hauptschule an der Heckenstraße ins Spiel, die seit Jahren leer steht. Maier könnte sich vorstellen, hier mit wenig Geldaufwand zum Beispiel eine Bücherei unterzubringen.

Magg entgegnete: „Dafür muss kräftig investiert werden.“ Für Gigl steht sogar fest: „Die gehört abgerissen.“ Gigl (und Teichmann) konnten sich dort stattdessen seniorengerechtes Wohnen vorstellen. Gabriel Sailer (ÖDP) schlug das Areal als einen neuen Standort für die VHS vor.

Künstlerquartier

Für FDP-Stadtrat Teichmann ist klar: „Kultur gehört in die Paulusgrube.“ Auch Eibl hält das neu geplante Bahnhofsviertel für ein Kultur- und Bildungszentrum geeignet. Magg dagegen will Kultur da, wo sie bereits ist: beim KOM, besser gesagt auf dem nahegelegenen brach liegenden Platz. „Der teuerste Parkplatz der Stadt.“ Da stimmte ihm der Grünen-Kandidat zu. Maier könnte sich sogar ein Künstlerquartier vorstellen. Sailer von der ÖDP störte aber eine profane Sache: „Wo sollen denn dann die Autos parken?“

Verkehr

Am Thema Verkehr kam man dann doch nicht vorbei. Das Publikum fand kreative Ansätze. Frei nach dem Motto: Auch zum Konzert muss man ja mit dem Auto oder Rad fahren. Magg erklärte, dass er sich an der Hauptstraße eine gemeinsame Fläche für alle Verkehrsteilnehmer vorstelle. Maier wünscht sich, dass die Straße fahrradtauglich wird, und Sailer will dort nichts, was Verkehr anzieht. Gigl schweben Parkplätze in der Paulusgrube und am Volksfestplatz vor und ein kostenloser Shuttle in die Hauptstraße – langfristig sogar fahrerlos.

Heftige Kritik

Aus dem Publikum meldete sich auch Josef Glas, Vorsitzender der Sepia-Künstlergruppe. Er übte heftige Kritik. Zum einen beklagte er die Gebühren, die Künstler für die Nutzung des KOM bezahlen müssten. Magg bezeichnete diese aber als moderat. Glas monierte außerdem, dass die Politik nicht langfristig plane.

Ein bisschen Spaß muss sein: Die Laune auf dem Podium war gut, trotzdem schenkten sich die Kandidaten nix.

So sei die erst vor wenigen Jahren sanierte Aula der Grundschule Graßlfing jetzt schon wieder abgerissen worden. CSU-Schulreferent Gigl entgegnete, dass sich der Betreuungsbedarf verändert habe.

Andreas Teichmann (FDP) monierte in dem Zusammenhang, dass der Um- und Ausbau der Schule in Graßlfing zunächst auf zwölf Millionen Euro veranschlagt worden sei, jetzt aber stünden 25 Millionen Euro im Haushalt. „Hätte man diese Zahl damals gewusst, hätte man vielleicht anders entschieden.“ Magg korrigierte: 20 Millionen Euro stünden im Haushalt und im Projektbeschluss. Die Kosten für die Verschwenkung der Schulstraße laufen extra.

von Susanne Schwind

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