+
Jahrelang fuhren die Sextls beim Olchinger Festzug mit. Das Bild zeigt Franz Sextl mit Tochter Xenia und Enkelin Hanna.

Einzug mit Gespannen von auswärts

Kutscher boykottieren Olchinger Volksfest

  • schließen

Schön geschmückte Kutschen gehören zu jedem Volkfest-Einzug dazu. In Olching fuhren heuer aber nur drei statt vier Wagen – und alle stammten nicht aus dem Landkreis Fürstenfeldbruck. Denn die hiesigen Kutscher boykottieren den Festzug.

Olching Franz Sextl hat die Schnauze voll. „In Olching fahre ich nicht mehr“, sagt der 63-jährige Hufschmied aus dem Graßlfinger Moos. Über 35 Jahre war er mit seiner Kutsche beim Festzug dabei. Vor ihm fuhr schon sein Vater mit. Doch nun ist Schluss. Denn im vergangenen Jahr hat es Zoff mit der Stadt und den Sicherheitskräften gegeben. Konkret ging es dabei um Absperrungen, welche der Kutscher durchbrochen haben soll.

Aus Sicherheitsgründen müssen die Kutschen, die den Festzug anführen, in der Toni-März-Straße warten, bis alle anderen Zugteilnehmer und Besucher auf dem Volksfestplatz sind. Erst wenn die Neu-Estinger-Straße zwischen Festplatz und Nöscherkreisel von der Feuerwehr wieder freigegeben ist, dürfen sie sich auf dem Heimweg machen, erklärt Herbert Kanz, stellvertretender Leiter der Olchinger Polizeiinspektion. Franz Sextl habe sich daran nicht gehalten, so Kanz weiter. „Deshalb wurde er auch mit einem Verwarngeld belegt.“

Sextl und der Emmeringer Kutscher Franz Göttler, der ebenfalls seit Jahren in Olching mitfuhr, erzählen den Vorfall aber etwas anders. Ein Feuerwehrmann habe ihnen gesagt, dass sie – wie immer – warten sollen, bis keine Leute mehr auf der Straße sind. Dann könnten sie die Pylone an der Toni-März entfernen und fahren, berichtet der 63-jährige Graßlfinger. „Genau das habe ich gemacht.“

Am Nöscherkreisel habe allerdings ein Feuerwehrmann versucht, ihn aufzuhalten. Er habe geschrien, dass er die Absperrung durchbrochen habe, so Sextl. „Ich bin dann auf dem Gehweg weitergefahren.“

Kaum zurück auf seinem Hof im Moos, tauchte eine Polizeistreife bei Sextl auf. Gegen ihn war Anzeige erstattet worden. Zudem musste er einen Alkoholtest machen. „Das ist eine bodenlose Frechheit“, schimpft der 63-jährige Kutscher. Seit Jahren fahre er schon bei der Wiesn, dem Dachauer und Brucker Volksfest sowie beim Augsburger Plärrer mit, doch „so etwas hat es noch nie gegeben“.

Die anderen drei Kutscher – Göttler, Manfred Kaliberzuk und Paul Meier aus Esting – haben sich solidarisch mit Sextl erklärt. Zumal sie stets gemeinsam bei den Festzügen in der Region unterwegs sind, und es vor ein paar Jahren schon einmal Ärger wegen weggestellter Pylonen gegeben hat, so Sextl. „Es ist einfach traurig“, sagt Göttler. „So etwas gibt es sonst nirgendwo.“ Auch das Aufstellen vor dem Umzug laufe in Olching für Kutschen und Pferde nicht ideal. Es sei wenig Platz, der nötige Abstand zwischen Gespannen und Autos nicht immer gegeben.

Damals habe aber noch ein Gespräch zwischen Vertretern der Stadt und der Feuerwehr stattgefunden. Das sei dieses Mal nicht der Fall gewesen, so Sextl.

Vize-Bürgermeister Robert Meier bestätigt auf Nachfrage, dass es Querelen mit den Kutschern gegeben hat. Die zuständige Sachbearbeiterin im Rathaus habe sehr lange gebraucht, bis sie überhaupt drei Kutscher aufgetrieben habe, die mitfahren wollten. „Die kennen sich natürlich alle und haben sich solidarisch erklärt“, so Meier.

Auch, wenn Sextl nicht mit seiner Kutsche dabei war, angeschaut hat er sich den Volksfest-Einzug trotzdem. „Ich war schon neugierig, wer mitfährt“, sagt er. Es seien Kutschen aus Parsberg gewesen.

Ein offizielle Stellungnahme der Olchinger Stadtverwaltung lag bis Redaktionsschluss nicht vor.

 (es)

Auch interessant

Mehr zum Thema

Meistgelesene Artikel

Stromausfall in Maisach und Gernlinden
Rund 900 Haushalte in Maisach und im Ortsteil Gernlinden waren am Mittwoch ab 14.32 Uhr ohne Strom. Bei Erdarbeiten war ein Kabel beschädigt worden.
Stromausfall in Maisach und Gernlinden
Olchings ältester Verein vor dem Aus
Seit über 140 Jahren kümmert sich der Olchinger Veteranen- und Kameradschaftsverein um Brauchtum und Geselligkeit im Ort. Doch das könnte bald vorbei sein: Olchings …
Olchings ältester Verein vor dem Aus
„Shoppen“ ist zum Schießen
Zehn Großstadt-Singles werden beim Speed-Dating aufeinander losgelassen – große Egos mit hohen Ansprüchen, für welche die Suche nach Liebe so ist wie „Shoppen“. Die …
„Shoppen“ ist zum Schießen
Stadt will alte Militär-Flugzeuge kaufen
Kampfflugzeuge im Besitz der Stadt? Freilich will Fürstenfeldbruck kein Jagdgeschwader aufstellen: Die CSU stellt sich vor, einigeausrangierte Flugzeuge in Fursty zu …
Stadt will alte Militär-Flugzeuge kaufen

Kommentare