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Überzeugten auf der Bühne im KOM (v.r.): Katja Beese, Silke Klebert und Verena Schnellbach. Mit ihrem Stimmfarben verkörperten sie den Helden.

Resistenztheater im KOM

Lebensabgründe auf der Bühne

Olching - Drei Stühle, drei Frauen in Schwarz-Weiß, eine weltberühmte Geschichte in Auszügen – mehr braucht es nicht für die erste Hälfte der aktuellen Produktion des Resistenz-Theaters Germering. Sie stellt zwei Texte einander gegenüber, die sich mit der Spiegelung der eigenen Lebensgeschichte befassen.

Auf eine Lesung aus Oscar Wildes Roman „Das Bildnis des Dorian Gray“ folgt Samuel Becketts Einakter „Das letzte Band“. Schwer und düster wie der November sind die beiden Geschichten, die im intimen Rahmen des Gretl-Bauer-Saals in der Olchinger Kulturwerkstatt am Mühlbach (KOM) ihre eigentümliche Faszination entfalten. Wie ist rückblickend ein Leben zu ertragen, in dem man sich selbst und anderen nicht wiedergutzumachenden Schaden zugefügt und die eigene Seele vernichtet hat? Auf diese Frage finden weder Dorian Gray noch Becketts Protagonist Krapp eine Antwort. 

Katja Beese, Silke Klebert und Verena Schnellbach lassen in den Dorian-Gray-Auszügen die wesentlichen Stationen im Leben der Figur lebendig werden. Die Angst vor dem Altern und dem Verlust der Schönheit münden bekanntermaßen in den teuflischen Pakt mit dem Bildnis, das stellvertretend für Dorian Gray die Spuren seines Lebenswandels zeigt. Weil er keine Konsequenzen zu befürchten hat, wird der Held gleichgültig und grausam, kann aber letztlich dem Verderben nicht entgehen. 

Mit ihren drei unterschiedlichen Stimmfarben verkörpern Beese, Klebert und Schnellbach den Helden und die Figuren in seinem Orbit – die Schauspielerin Sibyl Vane, den Maler Basil Hallward und den manipulativen Lord Henry, für den die Not der anderen nicht mehr ist als ein Amusement. 

Nach der Pause schlägt die Stunde für René Prock. Sonst eher aus lustigen Rollen bekannt, ist er diesmal die tragische Figur in Becketts Ein-Mann-Stück, eine in jeder Hinsicht gescheiterte Existenz, die steifbeinig über die Bühne humpelt, sich immer mal wieder einen Schluck genehmigt und mit furchterregenden Hustenanfällen dafür bezahlt. 

Krapp – nicht zufällig aussprachegleich mit dem englischen „Crap“, zu deutsch „Scheiße“ – ist ein erfolgloser Schriftsteller und vereinsamter Zyniker. Er hat sein Leben auf Bändern dokumentiert, die er sich selbstquälerisch immer wieder vorspielt. Was im Originalstück Tonbänder sind, hat das Resistenz-Theater zu Videos modernisiert. Vor allem die Spule 5 aus Schachtel 7 lässt Krapp nicht los. Die Aufnahme ist 30 Jahre alt, damals hat er scheinbar ohne Not eine Beziehung beendet. Und mag der alte Mann von heute noch so sehr so tun, als sei ihm das egal – seine Mimik spricht eine andere Sprache. Denn offenbar kam nichts Besseres nach. 

Prock gelingt es glänzend, rund um den wenigen Text seine Gesichtszüge erzählen zu lassen. Das ist umso bemerkenswerter, als ihm das Falten-Make-up dick wie eine Lehmschicht auf der Haut klebt. 

Ein heiterer Abend ist es nicht, den das Resistenz-Theater seinem Publikum bereitet. Aber einer, aus dem man eine zentrale Erkenntnis mitnehmen kann. Angst vor der Zukunft und Suhlen in der Vergangenheit sind sinnlos. „Sei wieder!“, brüllt Krapp sich selbst an.

Weitere Aufführungen

sind am heutige Samstag um 20 Uhr sowie am Sonntag um 18 Uhr im KOM.

von Ulrike Osman

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