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Leseempfehlung: So ergeht es einer Pflegerin fernab von Heimat und Familie

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Gabi Heinze arbeitet in der Stadtbücherei in Olching und gibt hier einen Lesetipp.
Gabi Heinze arbeitet in der Stadtbücherei in Olching und gibt hier einen Lesetipp. © Privat

Kaum jemand weiß besser, was sich zu lesen lohnt, als die Mitarbeiter in den Bibliotheken. Im Tagblatt geben sie ihre Tipps. Heute: Gabi Heinze aus Olching.

Olching - In den Regalen der Bücherei stehen nicht nur Bestseller aus allen Bereichen zur Ausleihe bereit. Auch nicht ganz so bekannte literarische Werke sowie neue Medien wie DVDs, Hörbücher oder Computerspiele lohnen den Gang in die Bücherei. Die Experten der Bibliothek geben deswegen hier ihren ganz persönlichen Medientipp. Heute empfiehlt Gabi Heinze von der Olchinger Bücherei einen besonderen Roman.

Marco Balzano ist zur Zeit einer der erfolgreichsten italienischen Autoren. Er ist 1978 geboren und lebt in Mailand. In seinem neuesten Buch „Wenn ich wiederkomme“ befasst er sich mit osteuropäischen Frauen, die als Pflegerinnen in Italien arbeiten.

Daniela Matei aus Radeni, einem rumänischen Dorf, verlässt heimlich ihre Familie, Sohn, Tochter und Ehemann und geht nach Mailand, um als Pflegerin zu arbeiten. Sie möchte ihren Kindern damit eine bessere Ausbildung und überhaupt ein besseres Leben ermöglichen.

Balzano beschreibt die Situation aus drei verschiedenen Perspektiven: des 12-jährigen Sohnes Manuel, der Mutter Daniela selber und zuletzt der älteren Tochter Angelica. Manuel fühlt sich im Stich gelassen ohne Mutter, er muss irgendwie mit Pubertät und Schule zurechtkommen. Der Vater ist meist abwesend – sein einziger Halt ist der Großvater.

Im zweiten Teil erfahren wir, wie Daniela die Situation erlebt: Sie will, dass es der Familie besser geht. Dafür nimmt sie vieles in Kauf: schwere körperliche Arbeit, schwierige Patienten, anspruchsvolle, oft unzufriedene Angehörige und die Trennung von der Familie an sich. Sie erlebt aber auch gelegentlich schöne, erfüllende Beziehungen – die Sehnsucht nach ihrem Zuhause und ihren Kindern ist allerdings immer präsent.

Zuletzt wird die Sicht von Angelica geschildert: Sie fühlt sich überfordert, denn sie muss die Stellung für die Familie halten und Verantwortung übernehmen. Auch sie entfremdet sich von der Mutter.

Ich finde Balzanos Roman lesenswert, weil er sehr realistisch und eindrucksvoll unterschiedliche Facetten und Probleme der osteuropäischen Migrantinnen zeigt, die zwischen familiärem Zusammenhalt und prekärer Situation zum Spagat bis hin zur Entfremdung oder dem Auseinanderbrechen der Familie gezwungen sind. Dieser Blickwinkel stimmt sehr nachdenklich, da er bei uns im wohlhabenden Westen kaum reflektiert wird. Zu finden ist das Buch in der Romanabteilung der Bücherei Olching mit der Kennzeichnung Balz.

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