Nutzlose Schalter: Markus Mühl beklagt viele Mängel an seinem Haus. Foto: Gehre

Verhandlung

Mängel an neuem Haus vor Gericht

Spät abends duscht Markus Mühl derzeit gar nicht – zu groß sei der Lärm und damit das Risiko, dass der dreijährige Sohn im danebenliegenden Kinderzimmer aufwacht. 

Olching – Den Krach verursacht laut Mühl eine sogenannte Hebeanlage im Badezimmer. Das Abwasser wird, bevor es abfließt, erst einmal auf eine höhere Ebene gepumpt. „Die Anlage wurde vom Bauträger eingebaut – jedoch ohne, dass das so vereinbart war“, sagt Mühl. Und das ist aus Sicht des 41-Jährigen nicht der einzige Mangel, der aus seinem im November 2015 für über 700 000 Euro erworbenen Olchinger Traumhaus bislang eher ein „Albtraumhaus“ mache.

„Noch immer sind wesentliche Mängel am Haus vom Bauträger nicht beseitigt worden“, sagt Mühl. Er weigert sich deshalb, eine Forderung des Bauträgers über mehrere Zehntausend Euro zu begleichen – nun beschäftigt sich das Landgericht München mit dem Fall.

Eigentlich war mit dem Bauträger vereinbart worden, dass die dreiköpfige Familie die rund 150 Quadratmeter Wohnfläche im Schwaigfeld Ende Juni 2016 beziehen kann. „Der Bauträger hat immer wieder gesagt, dass er das schafft“, erinnert sich Mühl. Doch der Termin platzte. „Dummerweise hatten wir jedoch im Vertrauen auf die Zusage der Firma bereits unsere Wohnung in Gilching verkauft.“ Die Familie musste zwischenzeitlich ins Hotel.

Im Dezember 2016 konnte sie dann in ihr neues Zuhause einziehen. „Ein von uns mitgebrachter Architekt riet zwar ab, das Haus im damaligen Zustand abzunehmen – wir hatten aber mangels Wohnraum keine Wahl“, sagt Mühl. Bis heute seien viele Mängel vom Bauträger nicht beseitigt worden, sagte er vor Gericht.

Mühl hat die aus seiner Sicht bestehenden Mängel dokumentiert. Ein Foto etwa zeigt einen Riss in der Wand – der sei „sogar noch schlimmer geworden“. Zudem fehlten mehrere nach seiner Aussage vereinbarte Außen-Jalousien. „Mit den Innen-Jalousien ist es im Sommer zu heiß, und im Winter muss man mehr heizen – da geht es auch um die Energiebilanz.“

Der Bauträger entschuldigte sich vor Gericht zwar für die Verzögerung. Dafür habe man den Mühls aber Nachlässe gegeben, so der Anwalt der Firma. Der Bauträger bestritt vor Gericht jedoch, dass es derzeit noch Mängel gebe. Auch habe das Unternehmen das Recht gehabt, eine Hebeanlage einzubauen. Die Familie sei verpflichtet, die ausstehende Summe zu bezahlen. 86 000 Euro sind noch immer fällig – diese Summe wollte der Bauträger vor dem Landgericht einklagen.

Am ersten Verhandlungstag eruierte die Richterin, wie hoch die Chancen auf einen Vergleich sind. Der Anwalt der Firma, die sich gegenüber unserer Zeitung nicht äußern wollte, war bereit, auf 76 000 Euro herunterzugehen. Die Mühls wollen jedoch keinen weiteren Cent bezahlen. „Die Mängel sind erheblich, und deren Beseitigung wird uns viel Geld kosten.“ Das Vertrauen, dass der Bauträger die Mängel beseitige, habe man verloren. Mehrere Wände seien von Handwerkern beschädigt worden.

Die Richterin machte allerdings klar, dass sie in fehlenden Außen-Jalousien generell zwar einen Mangel, aber wohl „keinen wesentlichen Mangel“ sehe. Der müsse aber vorliegen, damit eine Zahlungsverpflichtung ausgesetzt werden könne.

Die Mühls hoffen nun auf den vom Gericht zu bestellenden Sachverständigen. Das Verfahren wird wohl frühestens in einigen Wochen fortgesetzt.

Das Badezimmer neben dem Kinderzimmer nutze man einstweilen kaum noch, sagt Markus Mühl. „Aus dem Abfluss stinkt es nämlich auch.“ Ein Nachbar, dessen Haus vom selben Bauträger errichtet wurde, berichtete gegenüber unserer Zeitung ebenfalls von Problemen mit der Hebeanlage im Badezimmer. „Das stinkt extrem.“ Für eine Stellungnahme war der Bauträger jedoch nicht erreichbar. (Tobias Lill)

Auch interessant

Mehr zum Thema

Meistgelesene Artikel

Die S-Bahn in der Region Fürstenfeldbruck: Ihr Problem ist ihr Erfolg
Drei S-Bahn-Linien durchziehen den Landkreis Fürstenfeldbruck. Neben Bus und Auto stellt die S-Bahn das wichtigste Verkehrsmittel in der Region dar. Tausende Pendler und …
Die S-Bahn in der Region Fürstenfeldbruck: Ihr Problem ist ihr Erfolg
15-Jährige in Puchheim von zwei Männern sexuell belästigt
Eine 15-Jährige ist am frühen Montagmorgen auf dem Aubinger Weg zu ihrer Arbeit gelaufen und dabei sexuell belästigt worden.
15-Jährige in Puchheim von zwei Männern sexuell belästigt
Läufer bringen in Puchheim Höchstleistung trotz Hitze
Es waren extrem heiße Temperaturen  für einen Frühlingslauf: 160 Läufer starteten in Puchheim. Nicht jeder wusste, mit dem Tropenklima umzugehen.
Läufer bringen in Puchheim Höchstleistung trotz Hitze
„Das Wichtigste ist die Liebe, der Rest kommt von ganz allein“
„Ich lese diese Geschichten über Diamanthochzeiten ja auch immer“, gibt Margarete Meßner zu und legt Bürgermeister Erwin Frauenhofer ein Paar Weißwürste auf den Teller. …
„Das Wichtigste ist die Liebe, der Rest kommt von ganz allein“

Kommentare