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Der Messe(r)-Macher tritt ab

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Schärfetest: Erwin Schneller an der Schleifmaschine in seinem Keller. Für sein berühmtes Parmesan-Messer braucht er etwa vier Stunden – hat aber auch schon an Messern gearbeitet, die 60 Stunden Arbeitszeit einnahmen. © Peter Weber

Die Messertage in Olching sind längst über die Landkreisgrenzen hinaus bekannt. Ein Name ist mit dem Erfolg untrennbar verbunden: Erwin Schneller. Doch dieses Kapitel ist bald beendet. Der 80-Jährige gibt die Organisation der Messe ab. Die Leidenschaft für eines der ältesten Werkzeuge der Menschheit bleibt aber.

Olching – Erwin Schneller steht in seiner Werkstatt im Keller und hält sein berühmtes Parmesan-Messer in der Hand. Der 80-Jährige streicht über den hellen Griff. „Das ist Olivenholz“, erklärt er. Passt gut zum Mediterranen, wie er findet. Und jedes Detail zählt. Die Klinge besteht aus schwedischem Chirurgenstahl, der eine besonders lange Lebensdauer aufweist und extrem flexibel ist, ist recht kurz und bewusst nicht besonders scharf. Schneller zeigt das, indem er den Zeigefinger mit etwas Druck darüber gleiten lässt. Das Parmesan-Messer ist so etwas wie sein Markenzeichen. Dabei diente es ursprünglich einem völlig anderen Zweck.

Die Anekdote dazu erzählt der Olchinger Messermacher gerne. Jäger hatten ihn darum gebeten, ein Messer zum Abschwarten von Wildschweinen zu entwickeln. Er tat dies und fertigte dafür das kompakte Modell, allerdings mit sehr scharfer Klinge an. Die Jäger meldeten sich nach einiger Zeit und baten um Nachschub. Schneller erinnert sich, wie er sich freute und fragte: „Sind die Messer denn gleich so gut?“ Die Jäger stimmten schon zu. Nur war das nicht der einzige Grund: „Die haben zufällig festgestellt, dass man damit nicht nur Wildschweinen die Haut abziehen, sondern auch ganz hervorragend Parmesan schneiden kann.“ Bei dieser Pointe muss Schneller schmunzeln, seine Augen strahlen. Man merkt ihm an, wie sehr er sein Hobby liebt.

Für sich entdeckt hat er es allerdings erst spät, vor etwa 20 Jahren. Das hätte schon früher sein können, findet er. Zwar hat er sich als Kind schon für Taschenmesser begeistert, trotzdem dauerte es, bis er zum Messermachen kam. Erst kurz bevor der Ingenieur für Luft- und Klimatechnik in den Ruhestand ging, flammte die Leidenschaft für eines der ältesten Werkzeuge der Menschheit richtig auf. Ein Bausatz eines japanischen Herstellers war quasi die Initialzündung.

Schneller tüftelt mit viel Ehrgeiz – damals wie heute. Er entwirft eigene Messer, zeichnet sie, sägt erst ein Exemplar aus Holz aus, das er einige Tage immer wieder probeweise in der Hand hält.

„Um zu sehen, ob es angenehm ist.“ Für die Griffe besorgt er sich edle Holzsorten, zum Beispiel Mooreiche, Wüsteneisenholz oder auch Mammut-Elfenbein. Er bildet sich weiter und will immer besser werden.

Für Gelegenheiten, seine Werke zu zeigen, sorgte er zusammen mit zwei Gleichgesinnten 2002 auch selber. Es war die Geburtsstunde des Messerarbeitskreises München (heute Olching), der 25 aktive Mitglieder hat, und der Messertage, die Teilnehmer aus ganz Deutschland und Europa anlocken. Insgesamt sind es 50 Aussteller. „Wir hatten sogar schon Anfragen aus Kanada und Alaska“, berichtet Schneller stolz.

Sein Geheimrezept: Qualität. „Es werden nur Leute eingeladen, die bessere Messer machen als ich.“ Daran habe er sich stets gehalten. Natürlich habe das auch seinen Preis. Der Trend gehe ganz klar zu sehr teuren Messern, ab 500 Euro. „Es ist ein wenig wie in der gesamten Gesellschaft. Der Mittelstand bricht weg.“ Auf die Vielfalt hat das keinen Einfluss. Jagdmesser, Küchenmesser oder eben Parmesan-Messer, es gibt Gebrauchsmesser aller Art, aber auch Stücke für Sammler.

Interessante Beobachtungen hat der Olchinger auf der Messe gemacht: So würden die Frauen die Messer ganz genau anschauen und Details bewundern wie Verzierungen und Holz. Die Männer würden hingegen die Messer nehmen, über die Klinge streifen und im besten Falle feststellen: „Oh scharf. Gut!“

Für den Senior werden die Messertage, die am Wochenende stattfinden, eine Abschiedsveranstaltung. Er wird die Organisation an jemand anderen übertragen. Das war von Anfang an der Plan: „Mit 80 wollte ich aufhören.“

Die Messertage

des Messerarbeitskreises Olching finden am kommenden Wochenende in der Kulturwerkstatt am Olchinger Mühlbach (KOM) in der Hauptstraße 68 statt. Am Samstag, 20. Oktober, geht die Ausstellung von 10 bis 17 Uhr, am Sonntag von 10 bis 16 Uhr. Der Eintritt kostet pro Tag fünf Euro, Kinder bis 14 Jahre sind frei. Neben den Ständen mit Messern, Zubehör, Magazinen und Büchern gibt es auch Vorführungen: Mehrere Schmiede zeigen im Freigelände ihr Handwerk, auch Messerschärfen auf dem nassen Stein wird zu sehen sein. An beiden Tagen werden Messer verlost, als Los gilt die Eintrittskarte des jeweiligen Tages. Für Erfrischungen sorgt das Sirtl-Team im Bistro Rossstall.

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