Bei Einsätzen kam immer ein Bauer mit seinem Schlepper: Die Mannschaft der Geiselbullacher Feuerwehr fuhr hier mit oder aber auf eigenen Fahrrädern, was teilweise schneller ging. 	Fotos/repro: feuerwehr Geiselbullach/san
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Bei Einsätzen kam immer ein Bauer mit seinem Schlepper: Die Mannschaft der Geiselbullacher Feuerwehr fuhr hier mit oder aber auf eigenen Fahrrädern, was teilweise schneller ging.

Stadt Olching

Feuerwehr Geiselbullach feiert ihr 120-jähriges Bestehen

  • Andreas Schwarzbauer
    VonAndreas Schwarzbauer
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Die Feuerwehr Geiselbullach hat heuer ihr 120-jähriges Bestehen. In all den Jahren gab es schlimme Ereignisse – aber auch ganz besonders schöne. Es gab Zeiten, da war das Feuerhaus ein Schuppen, zur Alarmierung fuhr man mit Trompete durchs Dorf und zum Einsatz ging es per Bulldog. Solche Geschichten können zwei Urgesteine der Wehr erzählen.

Geiselbullach – Max Walser hat über die Hälfte der 120-jährigen Geschichte der Geiselbullacher Feuerwehr hautnah miterlebt. Er trat der Feuerwehr 1957 bei, war dort 40 Jahre aktiv und ist immer noch im Verein. Damit ist er das dienstälteste Mitglied.

„Als ich dazu gekommen bin, waren wir noch in einer Holzhütte an der heutigen Florianstraße und hatten nur einen Hänger für die Spritzen und Schläuche. Bei Einsätzen ist immer ein Bauer aus der Ortschaft mit seinem Schlepper gekommen.“ Einige Kameraden seien auf dem Bulldog mitgefahren, die meisten aber mit dem Fahrrad zu den Bränden gekommen. „Teilweise waren sie schneller vor Ort, weil der Schlepper nur 17 PS hatte.“

Alarmierung mit Moped und Trompete

Er selbst war für die Alarmierung zuständig und fuhr mit seinem Motorrad sowie einer Signaltrompete durchs Dorf. Erst 1972 erhielt die Feuerwehr mit dem LF 8 ihr erstes eigenes Löschfahrzeug. Damit war der Holzschuppen als Feuerwehrhaus nicht mehr ausreichend, und die Wehr zog zum Geiselbullacher Bauhof an der Gröbenzeller Straße. Doch dort waren die Verhältnisse beengt. „Zur Brotzeit saßen wir neben dem Fahrzeug und unter der Drehleiter am Biertisch. Das war unser Aufenthaltsraum“, erzählt Walser.

Das alte Feuerwehrhaus mit Fuhrpark: Die Einsätze wurden immer mehr, der Platz reichte bald nicht mehr. 

Als mit der Gebietsreform der Geiselbullacher Bauhof aufgelöst wurde, erhielt die Feuerwehr die gesamte Halle. Zwei Jahre später kam ein zweites Fahrzeug hinzu. In Eigenleistung wurde die Halle erweitert, es wurden eine Küche, ein Büro mit Funkzentrale und eine Damenumkleide eingebaut.

Kampf für ein neues Feuerwehrhaus

An diese Zeiten, als Geiselbullach so etwas wie eine normale Feuerwehr aus heutiger Sicht bekam, kann sich Alfred Pelzl noch gut erinnern. Er ist seit dem Jahr 1974 dabei, wurde 1983 Kommandant und prägte die Geschichte 20 Jahre lang maßgeblich. Fast während seiner gesamten Amtszeit kämpfte er für ein neues Feuerwehrhaus. „Ich bin bei der Gemeinde Sturm gelaufen, denn in unserer Halle gab es viele Provisorien und eigentlich hatten wir trotz Anbau immer zu wenig Platz.“

Das erste Feuerwehrauto und zwei Feuerwehr-Urgesteine: Max Walser (l.) und Alfred Pelzl.

Die Situation verschärfte sich: Zunächst kauften die Geiselbullacher Kameraden einen Tanklöschzug von der Feuerwehr Solingen. Kurz darauf mussten sie sich zudem wegen der Ansiedlung des Chemieunternehmens Elastogran eine Gefahrgut-Ausrüstung anschaffen, die sie selbst auf einem gebrauchten Hänger verbauten. Heute ist Geiselbullach Standort des „Gerätewagens Gefahrgut“ des Landkreises.

„Die Ausrüstung, die Einsätze und die Leute sind immer mehr geworden. Es war am Schluss nicht mehr tragbar. Deshalb haben wir gekämpft und gekämpft, bis wir eine neue Halle bekommen haben“, sagt Pelzl.

Von fünf Einsätzen auf 180 im Jahr

Im Jahr 2002 wurde das alte Feuerwehrhaus abgerissen und ein größerer Neubau errichtet. „Das war dann Sache der jungen Generation, die sich bei der Planung stark eingebracht hat“, sagt Pelzl, der 2002 den Kommandantenposten an seinen Sohn übergab. Dieser ist – mit kleiner Unterbrechung – bis heute Kommandant.

Schuppen statt Feuerwehrhaus: Erst nach der Gebietsreform 1978 zogen die Geiselbullacher in eine eigene Halle. 

Die Arbeit der Geiselbullacher Feuerwehr hatte sich im Laufe der Jahre sehr verändert. „Anfangs hatten wir vielleicht fünf Einsätze im Jahr. Heute sind es zwischen 160 und 180“, sagt der ehemalige Kommandant Pelzl. Sind heute viele Verkehrsunfälle dabei, standen früher fast nur Brände auf dem Einsatzplan.

Besonders im Gedächtnis geblieben ist Walser und Pelzl ein Feuer am ersten Weihnachtsfeiertag 1975: „Ein Schweinestall hat gebrannt. Die Tiere dort herauszukriegen, war nicht einfach. Außerdem war es extrem kalt“, erzählt Walser.

Ein Strauß Rosen vom Unfallopfer

Die Feuerwehrler mussten aufpassen, dass der Schlauch nicht einfror, und als Walser nach dem siebenstündigen Einsatz seine Jacke auszog, war diese komplett gefroren. Immer wieder musste die Feuerwehr Tiere retten. „Bei einem Feuer in einem Stall waren die Pferde teilweise ohnmächtig und wir haben sie mit Wasser wieder wachgespritzt“, berichtet Walser.

Ab 1973 fiel dann die Autobahn in das Einsatzgebiet der Geiselbullacher. „Die technischen Einsätze dort waren für mich am schlimmsten – vor allem, wenn Kleinkinder beteiligt waren“, sagt Pelzl.

Aber auch an ein schönes Erlebnis erinnern sich die beiden. Als sie einen Blumenverkäufer aus seinem auf dem Dach liegenden Porsche gerettet hatten, rief dieser zwei Mitarbeiter an, die den Feuerwehrleuten einen riesigen Strauß Rosen vorbeibrachten.

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