+
Gruppenreisen sind für Albert Bittl ein lukratives Geschäft. Jetzt hofft er, dass Vereine wieder Ausflüge buchen.

Corona

Nach Lockerungen: Noch fährt die Angst vor dem Virus im Bus mit

  • Andreas Daschner
    vonAndreas Daschner
    schließen

Die Corona-Pandemie hat auch die Reisebusse monatelang lahmgelegt. Nun wurde das Verbot wieder aufgehoben – die Bus-Unternehmer im Landkreis sind dennoch alles andere als optimistisch.

Landkreis Nicht jedes Busunternehmen war durch das Verbot gleichermaßen betroffen. Albert Bittl aus Olching konnte sich über die staatlich verordnete Reiseflaute zum Beispiel mit seinem Werks- und Linienverkehr retten. „Den konnten wir durchgehend betreiben“, sagt er. Auch die Schulbusse gehen nun wieder vermehrt in Betrieb. Dabei hätten sich die Kommunen großzügig gezeigt, sagt Bittl. „Sie haben die Lohnkosten für die Busfahrer weiterbezahlt als die Schulbusse nicht fuhren.“

Zwei Busse, die Bittl für Gruppenreisen einsetzt, seien bis Montag hingegen komplett still gestanden. Jetzt dürfen sie wieder fahren, was Bittl im Zuge der Gleichberechtigung begrüßt. „Dass Individualreisen erlaubt waren, Gruppenreisen aber nicht, war nicht sinnvoll.“ Allerdings müssen die Busunternehmen Auflagen einhalten, die sich am Linienverkehr orientieren. Im Klartext heißt das: Zwar dürfen alle Plätze im Bus besetzt werden. Für die Fahrgäste besteht aber Mundschutzpflicht.

Unklar, ob die Kunden die Hygienevorschriften annehmen

Hauptkunden bei Gruppenreisen sind Vereine oder soziale Organisationen. Ob die bereit sind, die Hygiene-Auflagen zu akzeptieren, muss sich zeigen. „Ich glaube schon, dass der eine oder andere Verein die Lockerung jetzt nutzt“, sagt der Unternehmer. Dass das Geschäft so läuft wie vor Corona, denkt er aber nicht. „Vor nächstem Jahr wird wohl kein normales Leben möglich sein.“

Ein erstes, aber noch verhaltenes Aufatmen gibt es bei Thomas Unholzer. Dessen ebenfalls in Olching angesiedeltes Busunternehmen konnte nicht auf Einnahmen aus dem Linienverkehr bauen. Auch das Geld aus Schulausflügen geht ihm heuer verloren: Das Kultusministerium habe alle Fahrten abgesagt. Nun setzt Unholzer auf Kunden, die die Lockerungen annehmen und wieder Gruppenreisen buchen. Die Hoffnung ist aber noch gedämpft: „Es wird wohl noch eine Zeit lang dauern, bis das Geschäft wieder läuft.“

Fällt auch noch die Maskenpflicht?

Am wichtigsten sei es, die Angst aus den Köpfen der Reisenden zu bekommen. Unholzer hofft deshalb, dass weitere Lockerungen kommen: „Es ist vielleicht ja möglich, dass die Reisenden die Maske nur beim Ein- und Aussteigen tragen müssen.“ Nicht verständlich war für den Olchinger, dass Flugzeuge schon länger wieder voll besetzt fliegen, Busse aber nicht fahren durften.

Dass die Nachfrage für Gruppenreisen sofort wieder da ist, bezweifelt auch Siegfried Neumeyr aus Moorenweis: „Es ist fraglich, ob die Leute mit Mund-Nasen-Schutz fahren wollen.“ Deshalb müsse man bei den Vereinsfahrten abwarten, wie sich das Geschäft entwickelt. Neumeyr musste drei Reisebusse während der Corona-Beschränkungen abmelden. Er konnte sich aber ebenso wie Bittl durch den Linienverkehr über Wasser halten. „Dadurch war es für uns nicht ganz so tragisch.“

Soforthilfe nur ein Tropfen auf dem heißen Stein

Thomas Unholzer kann das von sich nicht behaupten: „Corona war eine Katastrophe. Aber wir kämpfen so lange wir können.“ Auch die Soforthilfe konnte nicht verhindern, dass das Olchinger Busunternehmen finanziell in Bedrängnis kam. „Dass es das Geld überhaupt gab, war zwar schön“, sagt der Unternehmer. „15.000 Euro für drei Monate Geschäftsausfall sind aber ein Tropfen auf den heißen Stein.“

Weitere Nachrichten aus dem Landkreis Fürstenfeldbruck finden Sie hier.

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Software-Spezialist auf Wachstumskurs
Vor einem Jahr hat der japanische Tech-Konzern Ricoh das Germeringer Softwareunternehmen DocuWare gekauft. DocuWare blieb als 100-prozentige Tochtergesellschaft …
Software-Spezialist auf Wachstumskurs
Nina aus Fürstenfeldbruck
Maxi Knobling und Carina Krois aus Fürstenfeldbruck sind erstmals Eltern geworden. Ihre Tochter Nina kam im Brucker Klinikum zur Welt. Das kleine Mädchen wog 3045 Gramm …
Nina aus Fürstenfeldbruck
Neuer Hundesport feiert in Harthaus Bayern-Premiere
Der Gebrauchshundeverein (GHV) war Veranstalter des ersten offiziellen Turniers der noch jungen Hundesportart Hoopers. Ähnlich wie beim bewährten Agility müssen die …
Neuer Hundesport feiert in Harthaus Bayern-Premiere
Seit 150 Jahren im Dienst: Die zweitälteste Feuerwehr im Landkreis
Die Feuerwehr aus Puchheim-Ort gibt es bereits seit dem Jahr 1870. Auch sie trifft die Corona-Pandemie besonders hart: Die Ortler hätten nämlich heuer 150. Geburtstag …
Seit 150 Jahren im Dienst: Die zweitälteste Feuerwehr im Landkreis

Kommentare