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Das derzeit wichtigste Hilfmittel von Gutachter Hermann Schneider: Der Dellenreflektor macht Einschläge von Hagelkörnern sichtbar.

Sammeltermin in Olching

Nach dem verheerenden Unwetter: Dellen-Detektive spüren Hagelschäden auf

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Nach dem schweren Unwetter am Pfingstmontag gleichen viele Autodächer einer Mondlandschaft. Sie sind überzogen mit Dellen der Hagelkörner. Für die Versicherer bedeutet das Hochbetrieb. Um der Schadensmeldungen Herr zu werden, gibt es Sammeltermine. Wer dorthin fährt, hat einiges erlebt – und viel zu erzählen.

Olching – Das Pfingstunwetter hat die Versicherungen kalt erwischt. Gerade jetzt, wo viele Sachverständige im Pfingsturlaub weilen, sind sie mit einer Vielzahl von Schadensmeldungen konfrontiert. Um dennoch alle alle Anfragen nach Gutachten bearbeiten zu können, haben einige von ihnen Sammelstellen eingerichtet. Die der Allianz steht auf dem Gelände des Busunternehmens Unholzer in Olching.

Zwei Gutachter schauen sich die Hagel-Schäden an

Ein Auto mit Dellen, kaputten Scheiben oder von den golfballgroßen Hagelkörnern abgesprengten Plastikteilen nach dem anderen nehmen die zwei Gutachter – regelrechte Dellen-Detektive – unter die Lupe. „Mehr Leute konnten wir nicht mobilisieren“, erklärt Robert Übler, Bereichsleiter des Schadenaußendienstes. Zur kommenden Woche soll aufgestockt werden. Dann stehen fünf Sachverständige in Olching zur Verfügung. Dazu gibt es dann noch eine zusätzliche Sammelstelle in Germering. „Der Bedarf ist auf jeden Fall riesig“, sagt Übler.

Donjeta Recica (27) aus Germering hat schon am ersten Begutachtungstag in Olching einen Termin bekommen für ihrem grauen Citroën. Sie war zuhause, als das Unwetter die Stadt mit voller Wucht traf. „Eigentlich wollte ich an dem Abend wegfahren, aber als ich gesehen habe, dass es zuzieht, bin ich doch daheim geblieben.“ Verhindern, dass ihr Auto dem Hagel zum Opfer fiel, konnte sie trotzdem nicht. „Das Unwetter fing so plötzlich an. Dann noch nach draußen zu gehen, wäre lebensgefährlich gewesen.“ Das hätte außerdem bedeutet, ihre zweijährige Tochter bei dem Gewitterlärm alleine im Haus zu lassen.

Fassade im Hagelsturm durchlöchert

Als Hagel, Sturm und Starkregen soweit abgeklungen waren, dass sich Donjeta Recica wieder nach draußen wagte, traf sie dort ihre Nachbarn. Jeder schaute, was bei ihm kaputt gegangen war. „So etwas habe ich noch nie erlebt“, erzählt die 27-Jährige. „Ich bin nur froh, dass bei mir alle Fenster heil geblieben sind.“ Die Fassade ihres Hauses hatte nicht so viel Glück. Sie wurde regelrecht durchlöchert.

Die Schäden variieren von Straßenzug zu Straßenzug stark. Das hat Robert Übler beobachtet. Für die Versicherungen sei es deshalb wichtig, möglichst früh über das Ausmaß Bescheid zu wissen. „Schon eine Stunde nach dem Unwetter sind erste Kundschafter unterwegs, die sich ein Bild von der Lage machen.“ Nach deren Einschätzung wird dann die Organisation zur Einrichtung von Sammelstellen in die Wege geleitet. „Das Problem ist, dass solche Gewitter nicht planbar sind. Wenn sie dann passieren, müssen wir schnell darauf reagieren“, sagt Übler.

Um den Kunden Wartezeiten zu ersparen, gibt es Termine nur mit vorheriger Anmeldung. Eine halbe Stunde braucht ein Sachverständiger pro Auto. An manchen Standorten wird zudem ein mobiler Hagelscanner genutzt. Doch dessen Einsatz hat Grenzen. „Wenn so viele große Dellen auf dem Dach sind, dass sie ineinander übergehen, kann der Scanner diese nicht abtasten“, erklärt Hermann Schneider, einer der Sachverständigen vor Ort. „Dann hilft nur noch das menschliche Auge.“

Wirtschaftlicher Totalschaden nach Hagel-Sturm

Und mit dem musste er schon viele wirtschaftliche Totalschäden feststellen – unter anderem am Mazda von Razvan Schmid (45) aus Aubing. Große Dellen ziehen sich über das gesamte Dach des Wagens sowie über dessen Fahrerseite. Die Heckscheibe und ein Außenspiegel werden nur noch durch Klebestreifen zusammengehalten. „Das Auto von meiner Frau hat es sogar noch schlimmer erwischt“, erzählt Schmid. Der 45-Jährige war mit dem Hund spazieren, als das Gewitter aufzog. „Ich habe es gerade noch rechtzeitig nach Hause geschafft.“

Zeit die Familienautos in die Garage zu fahren, blieb nicht mehr. „Bei so riesigen Hagelkörnern gehe ich sicher nicht mehr raus“, sagt der Aubinger und zeigt auf eine große Delle auf der Seite des Mazdas. „Wenn mich das am Kopf trifft, wird es finster. Und das Auto ist bedeutend einfacher zu reparieren, als mein Kopf.“ Was er mit seinem Mazda machen will, weiß er noch nicht. Robert Übler selbst rät bei einem solchen Schaden zum Verkauf und zur Auszahlung der Schadensprämie. „Aber diese Entscheidung muss natürlich jeder für sich selbst treffen.“

Ein Überblick über die Folgen des Unwetters findet sich hier.

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