Autofreier Sonntag am Bodensee
+
Die Grünen würden Autos gerne aussperren- so wie hier in Ludwigshafen am Bodensee im Jahr 2002.

Olching

Autofreie Samstage nur in stark abgespeckter Version

  • Kathrin Böhmer
    vonKathrin Böhmer
    schließen

Angefangen hat alles mit einer Vision. Die Grünen wünschten sich, dass der Verkehr zumindest an zwei Samstagen aus der Innenstadt verbannt wird.

Olching –  Die Einkaufsmeile ohne Autos und Gefahr für Passanten, mehr Begegnungsort als Hauptverkehrsachse. „Olching als liebenswerte Stadt“, so Initiator Michael Kircher. Sein Traum vom autofreien Samstag ist jedoch geplatzt.

Es hagelte schon im Vorfeld Proteste gegen die Vollsperrung von diversen Seiten. Jetzt gab der zuständige Ausschuss, wenn auch knapp, lediglich grünes Licht für eine Soft-Variante. In den kommenden zwei Monaten wird jeweils an einem Samstag zwischen 9 und 16 Uhr Tempo 30 angeordnet – oder ein verkehrsberuhigter Geschäftsbereich. Das muss das Rathaus noch mit der Polizei klären. Außerdem sollen Parkplätze gesperrt werden.

Die Idee dahinter lehnt sich an den Parking Day an, wie es ihn schon in Fürstenfeldbruck gab. Die Verweilbereiche sollen über den Bürgersteig hinauswachsen. Auf den Plätzen könnten Blumen und Bänke stehen. Die Gastronomie könnte ihren Außenbereich ausdehnen. „Wir könnten Rikschas fahren lassen“, erklärt Bürgermeister Andreas Magg (SPD). Etwa als Shuttle zu den Parkplätzen am Volksfestplatz.

Autofreier Tag ist ein Feldversuch 

Das Ganze ist aber auch ein Feldversuch. Im besten Fall erhofft sich die Stadt Erkenntnisse für eine Weiterentwicklung der stark frequentierten Hauptstraße. Wie wirkt sich die Geschwindigkeitsbeschränkung aus? Wie der Wegfall von Parkplätzen auf die Geschäftswelt?

Doch es gab auch kritische Stimmen. Für Ewald Zachmann (FWO), von Anfang an gegen den autofreien Samstag, liegen die Antworten nämlich klar auf der Hand: „Das schafft keine nachhaltigen Erkenntnisse.“ Nicht zuletzt, weil sich mit dem geplanten Ausbau des Bahnhofsviertels sowieso alles wieder verändern könnte. Für die Geschäftswelt sei es außerdem eine Zumutung, nach den coronabedingten Ausfällen weitere Einnahmeeinbußen zu riskieren. Das Stadtmarketing hatte von vornherein abgelehnt, die Aktion dauerhaft einzuführen. CSU-Stadtrat Tomas Bauer schimpfte hingegen speziell über die Soft-Variante: „Das ist ein kastriertes Nichts.“ Im Gegensatz zu seiner Fraktion hatte er sich die Vollsperrung gewünscht – auch um zu testen, wie sich diese auswirke.

Für die Grünen zählte im Übrigen das Argument der Umsatzverluste nicht. Ingrid Jaschke erklärte: „Das Verhalten der Menschen hat sich verändert. Sie legen mehr Wert auf Lebensqualität als auf Bequemlichkeit.“ Oder in diesem Fall: eben den Parkplatz direkt vor dem Laden. KATHRIN BÖHMER

Auch interessant

Mehr zum Thema

Meistgelesene Artikel

Brucker Gemeindereferentin erklärt in Videos den christlichen Glauben
Filme statt persönlichem Kontakt. In der Corona-Krise nutzt der Brucker Pfarrverband ganz neue Wege, seine Glaubensinhalte zu vermitteln: Videos auf Youtube.
Brucker Gemeindereferentin erklärt in Videos den christlichen Glauben
CSU will trotz Krise weiter investieren
Tempo bei der Digitalisierung und greifbare Resultate bei der Verkehrsentwicklungsplanung – das sind die beiden Hauptforderungen, mit denen die Brucker CSU aus ihrer …
CSU will trotz Krise weiter investieren
Mobilfunkmast abgelehnt
Ein Telekommunikationsunternehmen hatte geplant, einen 30 Meter hohen Mobilfunkmasten in Esting zu errichten. Das hat der Ferienausschuss nun einstimmig abgelehnt und …
Mobilfunkmast abgelehnt

Kommentare