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Der Breitband-Ausbau war bei der Bürgerversammlung ein großes Thema. (Symbolbild)

Mittagsbetreuung und Breitband-Ausbau

Eltern nehmen Bürgermeister in die Mangel

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Olchings Bürgermeister Andreas Magg wurde kräftig eingeheizt auf der Bürgerversammlung in Graßlfing und Geiselbullach. Breitband-Ausbau und Mittagsbetreuung waren die Top-Themen. 

Graßlfing/Geiselbullach – Wenn ein Mensch die Haupt-anliegen dieser Bürgerversammlung vereinte, dann war das Markus Lippl. „Ich habe zwei Kinder, neun Jahre alt, und keine Mittagsbetreuung. Ich kann aber auch kein Homeoffice machen, weil die Internetverbindung zu schlecht ist“, sagte er zu Bürgermeister Andreas Magg (SPD). Und: „Viele Leute, die hier hergezogen sind, haben eben keine Großeltern.“ Wer soll sich also um die Kinder kümmern, wenn beide Eltern arbeiten müssen?

Zum Amüsement der Zuhörer in der gut besuchten Turnhalle der Grundschule Graßlfing entwarf Lippl, der in der Interessensgemeinschaft Graßlfinger Moos (IG) aktiv ist, quasi ein Entwicklungsland-Szenario. 2004, als er hergezogen sei, gab es nicht einmal Wasser. „Wenn man das jemanden erzählt, dann fragt er: Wo wohnst du?“ Die Antwort sei nicht, irgendwo in Niederbayern, mitten in der Pampa. Nein. In Graßlfing, nur wenige Kilometer von der Landeshauptstadt München entfernt.

Keine Betreuung für Viertklässler

Auch Christian Glöckner, Elternbeiratsmitglied der Grundschule Graßlfing, machte seinem Frust Luft. „Die Kinderbetreuung ist für uns Eltern nicht planbar.“ Immer wieder habe man die Stadt darauf hingewiesen, dass der Bedarf wächst und die Plätze schwinden. Man habe Räume beschafft, nur das Personal hätte man nicht rekrutieren können. Dann heuer die böse Überraschung: „Am 1. Juli hieß es: Für Viertklässler gibt es keine Betreuung und auch kein Mittagessen. Alle Eltern stehen im Regen.“

Christian Glöckner, Elternbeiratsmitglied

Hinzu komme noch ein Problem: Die Schule biete dankenswerter Weise AGs am Nachmittag an. Die beginnen aber erst um 14/15 Uhr. Das heißt, die Kinder müssten um 13 Uhr nach Hause und wieder zurück. Das sei noch schwerer zu organisieren. „Man schließt die Kinder also auch von den AGs aus.“

Es gibt keinen Rechtsanspruch auf Mittagsbetreuung

Glöckner räumte allerdings ein: „Ich will hier nicht damit hinter dem Berg halten, dass Eltern auch Eigenverantwortung haben.“ (Auch dafür gab es Applaus.) Trotzdem hätte die Stadt längst handeln müssen. Immerhin: Die berufstätigen Eltern tragen ebenso zur hohen Steuerkraft bei. „Manchmal ist es auch eine Frage des Engagements, ob man eine Lösung findet.“

Diese Kritik wies der Bürgermeister klar von sich: „Keiner nimmt das auf die leichte Schulter.“ Vor ein paar Jahren sei der Bedarf einer Mittagsbetreuung für Viertklässler (für die es keinen Rechtsanspruch gibt) in diesem Maße nicht absehbar gewesen. Die Maxime des Stadtrates war immer, die Klassen 1 bis einschließlich 3 mit Plätzen zu versorgen. Der Sozialdienst als Träger kämpfe zudem mit Personalproblemen.

Die erste Idee für den Übergang, nämlich ein Mittagessen im benachbarten Vereinsheim „Volvere“ anzubieten, sei geplatzt. Nun soll es im November einen Runden Tisch geben. „Wir suchen nach Lösungen“, betonte Magg. „Sonst würden wir keine Ganztagesschule für 20 Millionen Euro in Graßlfing bauen.“ Die Fertigstellung ist erst für das Schuljahr 2021/22 geplant. Das nützt uns nichts mehr, warf eine Mutter im Publikum ein.

Die Angebote für einen Breitband-Ausbau sind noch zu hoch

Eine schnelle Lösung wird es auch beim Breitband-Ausbau nicht geben. Alfred Burkhart, ebenfalls in der IG, hat sich hier zum Einzelkämpfer entwickelt – ist an diesem Abend aber längst nicht der Einzige, der das Problem anspricht. Burkhart wollte Magg auf eine Aussage festnageln, ob die Stadt der Telekom den Auftrag erteilen wird – oder nicht.

Magg wiederholte, dass er hoffe, dass das Unternehmen noch runtergehe mit seinem Angebot. Derzeit sind es 1,5 Millionen Euro für 115 Anschlüsse – also 13 000 Euro pro Anschluss, was als unwirtschaftlich erachtet wird. Die Stadt bringt abzüglich Förderung einen Eigenanteil von 536 000 Euro auf. Burkhart insistierte: „Entweder wollen wir das oder nicht. Die Schule kostet uns auch 20 Millionen Euro.“

Tempo-Messanlage gewünscht

Neben den genannten Themen kamen auch schwer befahrbare Straßen und die Verkehrssituation allgemein zur Sprache. Thomas Bartosch, Elternbeiratsmitglied der „Denk mit“-Kita im Schwaigfeld, wünscht sich die Tempo-Messanlage zurück, um Raser abzuschrecken. Ein weiterer Vater beantragte, dass die Stadt ein Smiley-Gerät aufstelle. Dies zeige nachweislich Wirkung.

Bürgermeister Magg sprach zwar den Gewöhnungseffekt bei dauerhaft installierten Geräten an, wollte das aber dennoch prüfen. Das Thema scheint bei den anderen Parteien ebenso Anklang gefunden zu haben: Auch CSU und Freie Wähler Olching unterstützen die Forderungen nach mehr Tempomessern.

Das war los auf der Bürgerversammlung in der Stadt Olching.

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