Die Südwestumgehung wird auf dem Navi angezeigt - dabei gibt es sie noch gar nicht.

Kurioser Fall in Olching

Navi leitet Autofahrer über Straße, die es nicht gibt - der Grund dafür liegt in der Vergangenheit

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Ortsunkundige Autofahrer könnten derzeit in Olching in eine fiese Falle tappen: Ein Navigationssystem leitet sie über eine Straße, die es gar nicht gibt.

  • Ein Autofahrer in Olching staunte kürzlich nicht schlecht.
  • Sein Navi wollte ihn über eine Straße leiten, die es nicht gibt.
  • Der Mann hatte schnell einen Verdacht.

Olching – Stefan Lochner war ziemlich erstaunt, als er vor etwa zwei Wochen auf sein Navigationsgerät schaute: Dort wurde ihm eine Straße angezeigt, die er niemals zuvor gesehen hatte. Eine Umfahrung, die am südwestlichen Stadtrand entlangführt und zwei Staatsstraßen verbindet. „Ich dachte, das gibt es doch nicht“, erinnert sich der 45-Jährige. Er kennt sich aus, wohnt in Olching und war sich sicher: Über Nacht wurde hier sicherlich keine neue Straße gebaut.

Das Navigationssystem des bekannten Herstellers TomTom war da aber anderer Meinung. Lochner, der als Soldat im Fliegerhorst arbeitet, war auf dem Heimweg und stand wie so oft im Berufsverkehr kurz vor Olching im Stau. „Das Navi hat mir vorgeschlagen, diesen über die nicht vorhandene Umgehung zu umfahren.“ Lochner wurde sogar ein Kreisverkehr angezeigt, den es nicht gibt. Noch nicht zumindest.

Olching: Südwestumfahrung wird seit Jahrzehnten diskutiert

Stefan Lochner kam schnell ein Verdacht: Was er auf dem Bildschirm in seinem Auto sah, ist das wohl komplizierteste Straßenbauprojekt im Landkreis, die so genannte Olchinger Südwestumfahrung. Diese wird bereits seit Jahrzehnten geplant, doch noch wurde kein einziger Fleck gepflastert.

Nur Bäume wurden gerodet. Naturschutz, Proteste, Gerichtsverfahren, Baurecht, Grundstückserwerb, Hochwasserschutz – es sind so einige Faktoren, die immer wieder dazu führten, dass der Zeitplan nicht eingehalten werden konnte. Zuständig für den Bau ist der Freistaat.

Navi will Fahrer über Straße leiten, die es nicht gibt: Fertigstellung war wohl für 2020 geplant

Und die Planer hatten ganz offenbar einmal angepeilt, dass das Prestigeprojekt der damaligen CSU-Regierung Anfang 2020 fertiggestellt und für den Verkehr freigegeben werden sollte. Denn Katasterämter und Baubehörden senden Bauprojekte per E-Mail an TomTom, wie eine Nachfrage beim Hersteller ergab. Es gibt sogar eine eigene Adresse dafür. Ist in dieser Mitteilung ein Zeitstempel angegeben, wird das registriert. „Wenn dieses Datum dann erreicht wird, wird die Straße sichtbar“, erklärt ein Unternehmenssprecher. So einfach kann das sein.

Dabei sei nicht relevant, wann genau die jeweilige Information verschickt wurde. Vor drei Jahren oder erst vor Kurzem – alles sei denkbar. Den Olchinger Fall müsse man beim Anbieter TomTom erst noch konkret nachvollziehen. Dass es aber kein Einzelfall ist, steht jetzt schon fest. So etwas komme in der Praxis der Navi-Nutzung leider immer wieder einmal vor.

Navi will Mann über Straße leiten, die es nicht gibt - kein Einzelfall

Ein neuer Autobahnzubringer im Münchner Osten wurde zum Beispiel bereits drei Monate vor Fertigstellung angezeigt. „Gerade bei großen Bauprojekten passiert das“, erklärt der Pressesprecher.

Ob die Olchinger Südwestumfahrung tatsächlich bald realisiert wird, wie zumindest die geplagten Anwohner der innerstädtischen Staatsstraßen hoffen und auch die Mehrheit im Olchinger Stadtrat, steht dennoch in den Sternen. Im Navi könnte die Trasse übrigens schnell wieder verschwinden.

Die Maschine checkt die Informationen nämlich noch einmal gegen, indem sie anonymisierte GPS-Daten von Autos aufgreift. Und, so erklärt der TomTom-Sprecher: „Wenn nie jemand auf dieser vermeintlich wunderschönen neu gebauten Straße fährt, wird sie dann auch wieder aus den Karten der Navigationssysteme gelöscht.“

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