Der Kabarettist erscheint zum Kurs mit Laptop und Lederhosn. Und Musik gibt’s auch – kurz: Gerade trocken geht es im Crashkurs nicht zu.
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Der Kabarettist erscheint zum Kurs mit Laptop und Lederhosn. Und Musik gibt’s auch – kurz: Gerade trocken geht es im Crashkurs nicht zu.

Bayerisch Kurs bei der vhs

Oans, zwoa, droa – oder wia sogt ma?

  • Ulrike Osman
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Wie muss man sich einen Volkshochschulkurs Bairische Sprache vorstellen? Sitzen dort lauter zugewanderte Hanseaten, die sich an Wörtern wie Oachkatzlschwoaf die Zunge brechen? Lernt man das „R“ zu rollen wie Carolin Reiber? Und kennt man dann endlich alle Bedeutungen des Wörtchens „fei“? Tagblatt-Reporterin Ulrike Osman machte die Probe aufs Exempel – sie ist selbst keine gebürtige Bayerin.

Olching –Der niederbayerische Musik-Kabarettist Thomas Mayer alias Vogelmayer tourt seit Beginn des Wintersemesters mit seinem Kurs „Bairisch in dreieinhalb Stunden“ durch die Lande. Er verspricht einen humorvollen Einblick in Sprache, Kultur und Mentalität der Bayern. Doch das Ganze hat einen ernsten Hintergrund. Die Bairische Sprache – die sich in drei Mundarten, acht Dialekte und unzählige regionale Ausprägungen unterteilen lässt – ist auf dem Rückzug.

Es wird immer weniger Dialekt gesprochen

Die Zahl der Dialekt-Sprecher nimmt nicht nur in München ab, sondern aufgrund des großstädtischen Zuzugs auch auf dem Land. 2009 listete die Unesco das Bairische im Atlas der gefährdeten Sprachen auf. Alarmstufe weiß-blau also.

Selbstversuch in Sachen Dialekt: Thomas Mayer alias Vogelmayer weiht Reporterin Ulrike Osman, die ursprünglich aus Niedersachsen stammt, in die Feinheiten des Bairischen ein.

Die acht Teilnehmer am Olchinger VHS-Kurs sind aus ganz unterschiedlichen Motivationen heraus gekommen. Die gebürtige Münchnerin Verena – das „Du“ ist obligatorisch im Dialekt-Kurs – bedauert, dass sie „immer Hochdeutsch erzogen wurde“. Klaus spricht zwar Bairisch, erhofft sich aber Anregungen für Vorträge, die er im Bekanntenkreis hält. Gertraud, Boris und Alexander haben lange im Ausland gelebt und sind einfach sprachinteressiert.

Wie zählt man richtig auf bayerisch?

Vogelmayer, stilecht mit Laptop und Lederhose erschienen, hat sich in das Thema richtig hineingekniet und eine umfangreiche Power-Point-Präsentation mitgebracht. Das Bairische, so erfährt man, ist nicht nur deutlich älter als das Hochdeutsche. Es verfügt auch über eine größere klangliche Vielfalt mit seinen acht Vokalen und zehn Zwielauten. Dazu gehören die typischen Klänge von Liab (Liebe), Doud (Tod) und schnöi (schnell) – genau das also, womit mancher Zuagroaste seine liebe Not hat.

Vogelmayer lüftet Geheimnisse an diesem Vormittag. Warum sagt man „oans“ und „zwoa“, aber „drei“ und nicht „droa“? „Im mittelalterlichen Bairisch hieß die Zahl ‘dri’, und aus dem ‘i’ wurde später ein ‘ei’.“ Und warum schreibt man Bayern mit „y“, die Sprache Bairisch aber mit „i“? Diese Besonderheit, so Vogelmayer, verdanke das Land seinem früheren König Ludwig I., einem erklärten Griechenland-Liebhaber. Der verfügte im Jahr 1825, dass der Landesname künftig mit „y’ zu schreiben sei. Lediglich für die Sprache galt weiter die Schreibweise mit „i“.

Und was bedeutet das bayerische Wort „Preiss“

Und – dies ist besonders spannend für alle Norddeutschen, pardon, Preußen – was ist der Unterschied zwischen Preiß und Saupreiß? „Der Preiß fährt nach dem Urlaub wieder heim.“ Um den Vortrag etwas aufzulockern, greift der Musik-Kabarettist zwischendurch zur Gitarre und singt ein Lied aus seinem Bühnenprogramm. Das Konzept funktioniert, die Teilnehmer haben Spaß. Es habe schon oft Versuche solcher mundartlichen Sprachkurse gegeben, erzählt Vogelmayer in der Pause. Alle schliefen schnell wieder ein. „Dieser Ansatz ist der erste, der kommerziell einigermaßen erfolgreich ist.“

Es kommen zwischen acht und 25 Teilnehmer, immerhin. Natürlich lernt niemand von ihnen wirklich Bairisch in den paar Stunden. Eigentlich, das sagt auch der 38-jährige Niederbayer, kann man einen Dialekt sowieso nur als Kind verinnerlichen. „Mit 15 Jahren ist es vorbei.“ Wer es trotzdem als Erwachsener noch probieren will, dem empfiehlt er „furchtloses Sprechen“ und ganz viel Umgang mit „Urwaidlern“. „Und nicht vergessen: Auch der größte Bayer kennt nicht jeden Ausdruck und jedes Wort.“

Weitere interessante Geschichten aus dem Landkreis: Zuhause bei den ältesten Tieren im Landkreis. Auf dem Olchinger Volksfest gibt es heuer wieder ein Riesenrad.

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