Julia Lorenz mit ihrer niederländischen Gastmutter.

Mehr als nur Käse und Tulpen

Schülerin geht für ein Jahr in die Niederlande

Während die meisten Schüler ein Auslandsjahr in englischsprachigen Ländern machen, wählte Julia Lorenz aus Olching ein ungewöhnliches Ziel. Sie verbrachte ein Jahr in den Niederlanden.

Olching- Dem gewohnten Alltag den Rücken kehren und in ein fremdes Land ziehen, um dort zur Schule zu gehen und sich im besten Fall ein zweites Zuhause aufzubauen. Ein solches Auslandsjahr macht sich nicht nur gut im Lebenslauf und hilft die Sprachkenntnisse zu verbessern, sondern es ist auch eine einmalige Chance, Erfahrungen zu sammeln. Kein Wunder also, dass Auslandsjahre bei Jugendlichen im Moment so beliebt sind wie nie zuvor. Julia Lorenz (16) aus Olching hat sich diesen Traum erfüllt.

Die Niederlande klangen interessant

Das von der Schülerin ausgewählte Ziel war, im Gegensatz zu den klassischen Destinationen wie Amerika und Australien, eher ungewöhnlich. Denn für Julia ging es ein Jahr lang in die Niederlande. „Eigentlich wollte ich schon immer gerne ein Auslandsjahr machen, nur habe ich das irgendwann ein bisschen aus den Augen verloren“, erzählt die 16-jährige.

Als ihre Lieblings-YouTuberin für ein Jahr ins Ausland ging, flammte die alte Idee wieder auf. „Ich habe mich dann selber informiert und vor allem nach preiswerteren Alternativen gesucht“, erzählt Julia. „Die Niederlande waren für mich eine interessante Idee, ich war vorher noch nie dort und die Sprache war für mich ebenfalls ganz neu.“ Im Januar kam schließlich die Zusage von der Schüleraustausch-Organisation YFU (Youth for Understanding).

Ausblick aufs Tulpenfeld: Julia Lorenz betrachtet von oben das Blumenmeer.

Bereits ab diesem Zeitpunkt begann für die Olchingerin die Vorbereitung für die Zeit im Ausland. Mit einem Online-Sprachkurs erlernte Julia erste Grundkenntnisse in Grammatik und Wortschatz. Außerdem traf sie sich des Öfteren mit einer Niederländerin aus dem Ort, um sich zu unterhalten und Alltagssituationen zu üben. „Das hat ziemlich geholfen schon mal in den Klang der Sprache reinzukommen“, erklärt Julia. Trotzdem ist sie sich sicher, dass sie es auch ohne diese Vorübungen geschafft hätte, die neue Sprache während ihres Aufenthalts zu erlernen.

Julia Lorenz hatte kein Problem mit Heimweh

Im August hieß es dann Abschied nehmen von Freunden und Familie. „Es ist mir nicht direkt schwer gefallen, ich konnte es einfach nicht glauben, dass ich für ein Jahr wo anders leben werde“, erinnert sich Julia.

In ihrer neuen Heimat lebte sie sich jedoch schnell ein, fand Freunde, und auch Heimweh war für Julia nie ein Problem. In der Schule lief es für die 16-jährige ebenfalls gut und auch die Tests bereiteten ihr keine Probleme. „Das lag aber auch daran, dass ich die Klasse in der ich war, zuvor schon in Deutschland gemacht hatte“, verrät sie. Nur die neue Sprache machte der Schülerin anfangs etwas Probleme, doch das Sprechen fiel ihr mit der Zeit immer leichter: „Am Anfang habe ich mich einfach kaum getraut, aber irgendwann vergisst man das“.

Auch in den Niederlanden fahren aufwendig gestaltete Wägen an Fasching durch die Städte.

Eine wichtige Rolle spielte während der zwölf Monate Julias Gastmutter. Ganz anders als in Deutschland lebte sie dort bei einer Alleinstehenden, 70-jährigen Dame. Für die Schülerin hätte es allerdings keine bessere Gastfamilie geben können: „Dadurch, dass wir nur zu zweit waren, ist eine sehr enge Bindung entstanden“. Der Kontakt zu ihrer niederländischen Gastmutter besteht bis heute, erzählt Julia. In den vergangenen Sommerferien war sie bei ihr zu Besuch zusammen mit ihrer Oma, dem Bruder und der Mutter.

Julia Lorenz: „Ich habe so viel gelernt.“

Besonders die zweite Hälfte der Zeit verging für Julia wie im Flug. Schneller als ihr lieb war, war die 16-Jährige bereits wieder auf dem Weg nach Deutschland. „Natürlich habe ich mich gefreut, meine Freunde und Familie wieder zu sehen, aber es war wieder total surreal für mich“, erzählt die 16 jährige. „Das alles ist dort nun mal mein Alltag geworden und dann gibt man das einfach wieder auf.“

Ganz besonders in Erinnerung geblieben ist ihr während ihrer Zeit in den Niederlanden die Klassenfahrt nach Frankreich oder die vielen Nachmittage auf dem Boot mit ihren Freunden. Auch ein neues Hobby entstand während der Zeit im Ausland. Ihre vorherige Leidenschaft, das Bogenschießen, war in den Niederlanden schwer zu realisieren. „Ich wollte schon immer gerne Reiten und da hat es sich dann angeboten“, erzählt die Olchingerin. Auch wenn sie zuhause in Deutschland nicht regelmäßig einen Reitstall besucht, hofft sie trotzdem, ab und zu mal wieder aufs Pferd zu kommen.

Bereut hat Julia ihre Zeit in den Niederlanden nie, eher im Gegenteil. „Ich habe so viel gelernt und so viele schöne Erinnerungen an die Zeit“, freut sich die 16-Jährige. „Ich würde es wirklich jedem empfehlen.“ Die Schülerin hat auch einen Tipp, wie das Auslandsjahr zu einem vollen Erfolg wird. „Man muss sich wirklich trauen, auf Leute zuzugehen und zu sprechen, niemand wird einen dort auslachen.“

von Nathalie Hradecky

Weitere Nachrichten aus Olching: Seit 25 Jahren besteht die Städtepartnerschaft zwischen Olching und dem polnischen Tuchola. Zur Erinnerung steht jetzt eine Bank in der Stadtmitte. Und auch bei der VHS schaut man über die Landesgrenzen hinaus nach ganz Europa. 

Auch interessant

Mehr zum Thema

Meistgelesene Artikel

Zwei Tonnen Bücher im Sonderangebot
Im Herbst mit Büchern eindecken, vielleicht ein kleines Geschenk für Weihnachten entdecken – seit über 20 Jahren ist der Bücher-Flohmarkt der Stadtbibliothek eine gute …
Zwei Tonnen Bücher im Sonderangebot
Mehr Mobilität mit Leihrädern und E-Autos
Die Stadt beteiligt sich am landkreisweiten Projekt der Mobilitätsstationen. Schon 2021 sollen die ersten sechs Standorte errichtet werden, an denen in der Nähe von …
Mehr Mobilität mit Leihrädern und E-Autos
Wie ein großes Feuerwehr-Puzzle
Im Internet schießen die verrückten Aufgaben wie Pilze aus dem Boden. Zur Zeit ist die „Tetris-Challenge“ sehr beliebt und auch die Olchinger Feuerwehr springt auf den …
Wie ein großes Feuerwehr-Puzzle
Blaulicht-Ticker: Während des Gassi gehens - Auto angefahren
Rund um die Uhr sind Polizei und Feuerwehr im Landkreis Fürstenfeldbruck einsatzbereit. Wohin sie unterwegs sind und warum, erfahren Sie im Blaulicht-Ticker.
Blaulicht-Ticker: Während des Gassi gehens - Auto angefahren

Kommentare