Das Spielen brachte er sich selbst bei: Konrad Körner in seiner Schatzkammer im Keller, die voller Musikinstrumente ist. Besonders stolz ist er auf sein uraltes Bandeon.
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Das Spielen brachte er sich selbst bei: Konrad Körner in seiner Schatzkammer im Keller, die voller Musikinstrumente ist. Besonders stolz ist er auf sein uraltes Bandeon.

In einem Estinger Keller

Sein Himmel hängt voller Musikinstrumente

  • Ulrike Osman
    vonUlrike Osman
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Konrad Körner spielt in keiner Kapelle, hat nie eine musikalische Ausbildung genossen und kann keine Noten lesen. Doch er liebt Musik – und Instrumente. Seit fünf Jahren sammelt der Estinger quasi alles, was man anschlagen, blasen oder zupfen kann.

Esting – Vor einer Kellertür in Körners Haus steht ein Tischchen mit winzigen Instrumentenattrappen und einer Porzellanfigur, die eine junge Frau am Spinett darstellt. Das Arrangement ist ein Hinweis auf eine Schatzkammer. Blechblasinstrumente, Akkordeons, Gitarren und selbst gebaute Instrumente stehen auf dem Boden, auf Tischen und in Regalen, hängen an den Wänden und von der Decke. Das Erste, was ins Auge sticht, ist die gold-glänzende Gruppe an Tubas und Trompeten. Als die rund 20 Instrumente in Körners Besitz kamen, sahen sie stumpf und ungepflegt aus – eigentlich reif für den Altmetallcontainer. „Ich hab’ gleich das Polieren angefangen“, erzählt der 82-Jährige.

Die Leidenschaft begann in einer Krise

Um ein Blechblasinstrument in voller Schönheit erstrahlen zu lassen, kommen nacheinander vier Polituren zum Einsatz. Zuletzt die für Gold und Silber. „Mein Herzstück“ nennt der ehemalige Bäcker, Konditor und Mitinhaber eines Estrichgeschäfts eine gewaltige Bass-Tuba, ein altes Posthorn und eine Trompete aus St. Petersburg, komplett mit Koffer und russischer Bedienungsanleitung.

Seine Sammelleidenschaft entdeckte der Estinger in einer Krisenzeit. Nach einer schweren Operation lag er im Krankenhaus und starrte an die Decke. Um die seelische Belastung durch die Krankheit zu verarbeiten, beschloss er, sich ein Hobby zuzulegen. Warum nicht Musikinstrumente sammeln? Ein Akkordeon besaß er schon. Das hatte er für einen seiner beiden Enkel gekauft, der aber kein Interesse daran hatte.

Vier Polituren sind nötig, damit die alten Instrumente wieder in vollem Glanz erstrahlen.

Nach dem Tod einer Nachbarin bekam das Akkordeon Gesellschaft – Körner kaufte ein imposantes mehrchöriges Exemplar aus dem Nachlass. Weitere „Quetschen“ kamen hinzu. Körner probierte sich an den Tasten aus und brachte sich das Spielen bei. Jetzt sitzt er manchmal in seinem Instrumentenzimmer und macht Musik, ganz für sich allein, jedes Mal auf einem anderen Akkordeon.

Immer wieder findeter Raritäten

Mit der Zeit wuchs die Sammlung. Vieles bekam er günstig, manches geschenkt. Immer wieder findet er Raritäten auf dem Flohmarkt. Er besitzt Keyboards, zwei Banjos, drei Zithern, Mundharmonikas in verschiedenen Größen, Maultrommeln und Okarinas, eine Panflöte und ein Waschbrett, das in bester Skiffle-Manier mit dem Schneebesen angeschlagen wird. Zu seiner Gitarrensammlung gehört neben klassischen Exemplaren eine elektrische, die jeder Rockband gut zu Gesicht stehen würde.

Ein Schlagzeug im Miniatur-Format: In Körners Keller gibt es viele Besonderheiten. Dies ist ein Geschenk.

Teufelsgeige bringt Stimmung zum Kochen

Besonders stolz ist der Sammler auf sein Bandoneon. „Das ist bestimmt 100 Jahre alt. Noten waren auch dabei.“ Manche Stücke hat Körner selbst gebaut, darunter eine aus Holzklötzen makellos aussehende Ratschen und eine Teufelsgeige. An einem Stab sind eine Trommel, eine Fahrradklingel, ein Waschbrett und ein Schellenring befestigt. Auf der Spitze thront der Kopf einer Teufels-Handpuppe. „Ich baue so umeinander“, sagt der passionierte Bastler.

Ist stolz auf seine Teufelsgeige: Die hat der passionierte Bastler selbst gebaut.

Im Winter verbringt er jeden Tag mehrere Stunden hier unten. Mit der Teufelsgeige hat er schon in der Wirtschaft für Stimmung gesorgt oder bei Ausflügen. In der Familie teilt niemand seine Leidenschaft, aber man hat Verständnis. Ein Enkel brachte ihm eine thailändische Flöte aus dem Urlaub mit. Seine Tochter schenkte Körner zuletzt ein Mini-Schlagzeug, das man mit den Fingern betätigen kann.

Außerhalb der Familie hat seine Sammlung durchaus schon Begehrlichkeiten geweckt. Viele Leute haben ihn gefragt, ob er etwas verkaufen würde. Aber Körner schüttelt stets den Kopf, seine Schätze will er behalten. „I geb’ nix her.“

Während sich Körner die Zeit mit Instrumenten vertreibt, genießt ein Rehbock in einem Garten in Olching frische Brombeeren. 

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