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Anstoßen auf eine lange Freundschaft (v.l.): Zbigried Grubel, Maria Korytowska, die Bürgermeister Edmund Kowalski und Ewald Zachmann, Gizela Bruszynski und der damalige Verschwisterungsreferent Manfred Krug.

25 Jahre Olching Tuchola

Künstler trieben die Partnerschaft voran

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Als Olching 1994 eine Partnerschaft mit Tuchola einging, war das etwas Besonderes: In ganz Bayern war es erst die zweite Kommune, die sich mit einem Ort in Polen verband. Auch die Künstlergruppen haben zur Völkerverständigung nach dem Kalten Krieg einen entscheidenden Teil beigetragen.

Olching – Wenn man Gerd Gruber fragt, was er mit Olchings Partnerstadt Tuchola, 120 Kilometer von Danzig entfernt, verbindet, dann hört man eine wahre Lobeshymne. Die Einheimischen seien so nett und gastfreundlich. Keine Spur von Vorurteilen, dabei hat sie die Nazi-Besatzung besonders hart getroffen. „Die Tische biegen sich vor lauter Essen, selbst wenn die Menschen noch so arm sind“, erzählt Gruber. Und diese Landschaft, die Tucheler Heide, die sei überwältigend. „Du meinst, du bist in einem Märchenwald“, schwärmt der 76-Jährige. Er berichtet von riesigen Wäldern, Alleen, Straßen aus Sand und Häusern aus Holz. Eine faszinierende Reise in die Vergangenheit: „Wie bei uns vor 150  Jahren.“ Ein anderes Flair, sogar das Licht beim Malen sei anders.

Große Bandbreite an Stilrichtungen

Gruber, der lange in Olching lebte, bevor er nach Adelshofen zog, ist der Leiter der Olchinger Künstler und hat schon die Anfänge der Städtepartnerschaft vor 25 Jahren miterlebt. Die Künstlergruppen haben einen maßgeblichen Teil dazu beigetragen, dass sich diese Freundschaft derartig entwickelt hat. Regelmäßig trafen sich acht Künstler aus Olching (von der Radierergruppe Sepia und der Künstlergruppe im Förderverein Kultur) und acht aus dem polnischen Tuchola zu so genannten Pleinairs – also Malen an der frischen Luft. Mehrer Tage verbrachte man gemeinsam beim kreativen Schaffen. Die einen experimentierten mit abstrakter Kunst, die anderen malten so deutlich wie bei einer Fotografie. „Es waren ganz unterschiedliche Stilformen“, erinnert sich Gruber. Was bei den Treffen entstand, wurde in Ausstellungen der Öffentlichkeit präsentiert.

Wahrzeichen: Kirche aus dem 14. Jahrhundert in Tuchola.

Ein Künstler hat sich dabei einen besonderen Namen gemacht: Zenon Korytowski, der inzwischen verstorben ist. Er galt als Botschafter der Kultur. „Es bedarf vieler, vieler kleiner Schritte, um zu einer echten Partnerschaft zu kommen“, sagte Olchings Vize-Bürgermeister Siegfried Waibel 1993 bei der Eröffnung einer Ausstellung in der Schule an der Heckenstraße. Korytowski zeigte hier einen Querschnitt seines Schaffens, im Jahr zuvor hatte er bereits den Publikumspreis im Rahmen der Olchinger Umwelttage gewonnen. Sein Bild „Trzy Marie“ („Drei Marien“) im Stile des polnischen Kolorismus begeisterte auch die Gemeinde: Sie erwarb das Werk für 600 Mark.

Schon in den 60er-Jahren gab es Kontakte nach Tuchola

Doch auch Korytowskis Ehefrau Maria trug etwas zur Völkerverständigung bei – wortwörtlich. „Sie war als diplomierte Dolmetscherin immer daran interessiert, die Freundschaft voranzutreiben“, erinnert sich Gruber.

Eine der tragenden Säulen: die Künstler aus Olching und Tuchola, vorne links kniet Gerd Gruber.

Die Künstler waren jedoch nur die eine Seite, es gab da auch noch andere Bande. Die Anfänge der Beziehung zu Tuchola gehen bis in die Sechziger Jahre zurück auf Kontakte der Olchinger Jungsozialisten mit einem polnischen Jugendverband. Seit 1981 existiert auch die Kinderhilfe Polen, die von Olchinger Spenden lebte. Über Jahre hinweg wurden Kleidung und Bedarfsgegenstände nach Bydgoszcz transportiert. Das in Olching lebende Ehepaar Rajmund und Gizela Bruszynski unterstützte die Initiativen von Anfang an. Die beiden halfen auch eifrig dabei, die Beziehungen zu Tuchola zu pflegen.

Seit 2002 gibt es in Olching eine Tucholastraße

Die Gemeinde Olching war damals schon vor der Wende bemüht, Kontakte zu einer Gemeinde jenseits des Eisernen Vorhangs aufzubauen. Mit dem immer offener werdenden Polen klappte es schließlich. Aus den ersten zarten Anfängen wurde am 1. Oktober 1994 ganz offiziell eine Städtepartnerschaft. Es war für die Amperstadt die zweite Verschwisterung nach dem französischen Feurs. Neben den Künstlergruppen tauschen sich seit jeher auch Vertreter der lokalen Politik aus und Vereine. Seit 2002 findet man in Olching eine Tucholastraße.

Über 40 Besucher waren zur Urkundenunterzeichnung aus Tuchola angereist. Vor dem Olchinger Rathaus gab es ein Gruppenfoto.

Am kommenden Freitag kann nun die Stadt ihre Gastfreundschaft unter Beweis stellen. Da ist der große Festakt in der Kulturwerkstatt am Olchinger Mühlbach, zuvor wird ein Kunstwerk am Kreisverkehr enthüllt. Das wird sich auch Künstler Gerd Gruber nicht entgehen lassen. Immerhin wird er dort wieder viele Freunde treffen.

Fakten zu Tuchola

Tuchola (deutsch: Tuchel) ist eine Stadt in Polen, etwa 120 Kilometer südlich von Danzig im Bezirk Bromberg inmitten der „Tucheler Heide“. Die Stadt liegt im ehemaligen Westpreußen und hat etwa 20 400 Einwohner, also um die 8000 weniger als Olching. Es gibt vier Naturreservate mit interessanter Flora und Fauna sowie einen Naturlehrpfad. Die Tucheler Heide ist eine Wald- und Heidelandschaft. Es ist eine der größten zusammenhängenden Waldkomplexe Mitteleuropas. 

Urkundlich geht die Stadt auf das 13. Jahrhundert zurück, 1330 ging Tuchola in den Besitz des Deutschen Ordens über. 1781 wurde sie durch einen Brand fast vollständig zerstört. Doch die Stadt wurde wieder aufgebaut, viele Bewohner hatten Deutsch zur Muttersprache. Wichtige Wirtschaftszweige waren früher die Tuch-, Woll-, und Leinweberei sowie die Strumpfwirkerei. Es gibt auch sehr grausame Kapitel der Vergangenheit: 1939 kam es in der Tucheler Heide zu Massenerschießungen von NS-Gegnern.

Auch mit der zweiten Partnerstadt Feurs verbindet Olching eine lange Freundschaft.

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