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Offenes Treffen

Wegen Containerns vor Gericht: So wollen Caro und Franzi jetzt Lebensmittel in Olching retten

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Immer mehr Menschen drängen in den kleinen Veranstaltungssaal im Kolpingheim. Stühle werden herbeigeschafft, damit die fast 50 Gäste Sitzmöglichkeiten haben, um den Ehrengästen des Abends zu lauschen. 

Olching– Die Studentinnen Caro und Franzi – die wegen Containerns Ende Januar verurteilt wurden – berichten über ihren Fall und darüber, was sie für Olching geplant haben. Sie folgten der Einladung von Grünen-Stadträtin Ingrid Jaschke, die zu einem offenen Treffen mit dem Titel „Lebensmittel – für die Tonne?“ eingeladen hatte.

Einheitliche Zahlen, wie viele Lebensmittel jedes Jahr in Deutschland weggeworfen werden, gibt es nicht. Eine Studie des Bundesamts für Ernährung und Landwirtschaft aus dem Jahr 2012 geht von elf Millionen Tonnen aus – 60 Prozent davon aus Privathaushalten. Der WWF geht von 18 Millionen Tonnen aus. Der Tenor des Abends lautete: Jeder muss sich an die eigene Nase fassen.

Verteiler einrichten

„Wir könnten in Olching einen Verteiler einrichten“, schlug Caro vor. So könnten Menschen nicht verwendete Lebensmittel zu einem öffentlichen Kühlschrank bringen. An diesem Kühlschrank darf sich jeder bedienen. Auch Supermärkte dürften dort ihre nicht mehr verkaufbaren Waren abgeben. Ingrid Jaschke begrüßte die Idee, fügte aber noch hinzu: „So ein Kühlschrank verlangt aber nach persönlichem Engagement.“ Es müssten sich Personen bereit erklären, dort regelmäßig aufzuräumen und zu putzen. Ein Gast schlug vor, dass Jaschke diese Idee in den Stadtrat trägt. Die Stadt könnte dafür jemand einstellen, der sich darum kümmere. Es solle nicht immer alles auf Ehrenamtliche abgeladen werden.

Interessensgemeinschaft Lebensmittel-Retter

Einen weiteren Vorschlag für die Rettung von Lebensmitteln brachte die Emmeringerin Sabine Kemmet vor. Sie ist die Leiterin der Gruppe „Interessensgemeinschaft Lebensmittel-Retter Fürstenfeldbruck“. Hier verteilen Freiwillige Lebensmittel von Supermärkten, die nicht an die Tafeln abgegeben werden können, aber zu schade für die Tonne sind. Kemmet sieht vor allem bei der Vorgehensweise ihrer Initiative, die Supermärkte direkt anzusprechen, einen Vorteil für die Märkte selbst. Diese bekämen kostenlose, gute Publicity. Die Gruppe organisiert sich über Facebook und dort sind auch die Abgabetermine und -orte zu finden.

In Kontakt bleiben

Viele Gäste interessierten sich aber vor allem für die Geschichte von Caro und Franzi. Zwei der Zuhörer gaben sogar zu, häufig containern zu gehen. „Es ist Sünde, dass so etwas unter Strafe steht“, sagte eine ältere Frau. Sie wurde ebenfalls von der Polizei erwischt und musste ihre Kiste mit Lebensmitteln zurück in die Tonne werfen. Zu einer Anzeige kam es aber nicht.

Dass das Problem mit der Verschwendung nicht von Einzelnen gelöst werden kann, war allen Besuchern klar. „Man muss an vielen Ebenen ansetzen, wie in der Landwirtschaft, im Handel und in der Politik“, meinte Caro. Doch um im Kleinen etwas zu erreichen, verständigten sich die Zuhörer darauf, über einen E-Mail-Verteiler in Verbindung zu bleiben. Darüber könnten zudem überschüssige Lebensmittel getauscht werden. „Man könnte auch unter den eigenen Nachbarn eine Tauschkultur etablieren“, schlug ein Besucher vor. Ein weiterer Vorteil davon wäre, so der junge Mann, dass man mal wieder mit seinen Nachbarn in Kontakt tritt. 

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