Sport und Bewegung mit Gleichgesinnten sind nicht möglich und Menschen mit Behinderung leiden darunter. Normalerweise bietet der EbK eine ganze Palette an Sportprogrammen – wie etwa rhythmische Sportgymnastik.
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Sport und Bewegung mit Gleichgesinnten sind nicht möglich und Menschen mit Behinderung leiden darunter. Normalerweise bietet der EbK eine ganze Palette an Sportprogrammen – wie etwa rhythmische Sportgymnastik.

Eine Helferin berichtet

Menschen mit Behinderung: Davor haben sie in der Corona-Krise besonders Angst

  • Ulrike Osman
    vonUlrike Osman
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Für Menschen mit Behinderungen, die auf Struktur und intensive Betreuung angewiesen sind, ist der Lockdown besonders schlimm, wie eine engagierte Helferin aus Olching berichtet. Es droht die Vereinsamung.

Olching – Sie dürfen nicht zum Sport, keine Freunde treffen, nichts unternehmen. Menschen mit geistiger Behinderung sind durch die Kontaktbeschränkungen mindestens ebenso beeinträchtigt wie alle anderen. Viele sitzen in ihren Wohngruppen fest und haben kaum noch Verbindung nach draußen. Online-Kontakte sind oft schwierig oder gar nicht möglich. Die Betroffenen leiden darunter – und ziehen sich zurück.

Pandemie macht Erfolge zunichte

„Gut eingeführte Tagesabläufe brechen weg, sinnvolle Beschäftigungen sind teilweise nicht möglich“, bedauert Manuela Brehmer, Vorsitzende des Kreises Eltern behinderter Kinder (EbK) in Olching. Wieviel gute Entwicklungen durch die Pandemie bereits erstickt wurden, will sie sich gar nicht vorstellen. „Wie sehr leidet die Psyche, wie sehr ziehen sich manche in ihre Behinderung zurück? Es ist eine herausfordernde Zeit für diese besondere Personengruppe.“

Der EbK bietet in normalen Zeiten ein breites Programm für Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene mit geistiger Behinderung oder psychischer Beeinträchtigung an. Es gibt eine ganze Palette an Sportgruppen – Fußball, Boccia, Schwimmen, rhythmische Sportgymnastik – gemeinsames Kart-Fahren, eine Ausgehgruppe für Jugendliche, Gesprächskreise für Eltern und eine Geschwistergruppe. All das lag während des Lockdowns im Frühjahr natürlich brach.

Alternativen zu Ausflügen gesucht

Als nach und nach die Lockerungen kamen, nahm der Verein seine Aktivitäten wieder auf – behutsam zunächst, in kleinen Gruppen, ausschließlich im Freien und unter strengen Abstands- und Hygieneregeln. „Wir haben uns viele Gedanken gemacht“, sagt Manuela Brehmer. Schließlich sind auch etliche Vorerkrankte unter denen, die das EbK-Angebot nutzen.

Umso erfreuter war man, dass die Aktivitäten auch unter Coronavorzeichen hervorragend funktionierten. Jeder verstand, dass es um den Schutz vor einer schweren Krankheit ging. „Die jungen Leute mit Behinderung hielten sich an alle hygienischen Vorgaben, erinnerten sich gegenseitig an die Einhaltung der Regeln und hatten Spaß an Bewegung und Begegnungen, auch mit Abstand und ohne Umarmungen“, so Brehmer. Die Augen strahlten wieder, die Freude war mit Händen zu greifen.

Schlüsselerlebnis in Sporthalle

Der Verein bekam viel positive Rückmeldung. Den erhöhten Aufwand – Hygienekonzepte schreiben und deren Einhaltung beachten, Hygienematerial besorgen und ständig Kontaktflächen desinfizieren – nahmen die ehrenamtlichen Helfer gerne auf sich. Im Sommer war das gesamte Sportangebot wieder hochgefahren. Auch die inklusive Kinderbetreuung an einem Samstag im Monat und die Ausgehgruppe waren wieder aktiv. Statt Ausflügen und Festen gab es Rätselrunden und Spieleabende in kleinerem Rahmen.

Doch bereits zwei Wochen vor dem neuerlichen Teil-Lockdown stellte der Verein aufgrund der steigenden Infektionszahlen alle Aktivitäten wieder ein. Brehmer berichtet von einem Schlüsselerlebnis, das sie in der Entscheidung bestärkte.

Manuela Brehmer, Vorsitzende des EbK Olching

Sie war mit einer Gruppe Kinder in einer Sporthalle, in der parallel auch Aktivitäten für nichtbehinderte Kinder stattfanden. Alle Eltern waren gebeten worden, beim Abholen draußen zu warten, um Begegnungen im Foyer zu vermeiden. „Die Eltern meiner Kinder haben sich daran gehalten“, erzählt Brehmer. Andere zeigten weniger Einsicht. „Das Foyer war voller Menschen.“

Die EbK-Vorsitzende will keinesfalls die Coronaregeln kritisieren. „Ich verstehe vollkommen, dass es die Maßnahmen geben muss.“ Aber dass viele sich nicht daran hielten, und sei es nur aus Gedankenlosigkeit, und dass alle deswegen jetzt wieder zurückstecken müssen – „das nervt mich maßlos“.

Es gab auch Corona-Fälle

Auch unter den Schützlingen des Olchinger Kreises von Eltern behinderter Kinder gab es Infektionen, glücklicherweise aber keine schweren Verläufe. Nun ist das ganze Programm bis Jahresende abgesagt. Nicht mal eine Adventsfeier im Freien wird es geben. Der Verein hofft, im nächsten Jahr wieder Aktivitäten anbieten zu können, und sei es nur in kleinen Grüppchen. „Es fehlt uns“, sagt Manuela Brehmer. Das gilt für Teilnehmer und Helfer gleichermaßen.

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