Nichts geht mehr: Sozialdienst-Geschäftsführerin Bettina Schulz (r.) und ihre Stellvertreterin Melanie Höft können nicht mehr auf ihre Daten zugreifen.
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Nichts geht mehr: Sozialdienst-Geschäftsführerin Bettina Schulz (r.) und ihre Stellvertreterin Melanie Höft können nicht mehr auf ihre Daten zugreifen.

Olching

Cyber-Attacke auf Sozialdienst: Hacker sperren Daten und fordern Lösegeld - Auswirkungen dramatisch

  • Tobias Gehre
    VonTobias Gehre
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Cyber-Angriffe nehmen weltweit zu. Hacker haben schon den Bundestag attackiert oder das iranische Atomprogramm sabotiert. Jetzt hat es den Olchinger Sozialdienst erwischt.

Olching – Plötzlich geht nichts mehr. Zugriff verweigert. Alles verschlüsselt. Bettina Schulz steht vor einem Rätsel. Die Geschäftsführerin des Olchinger Sozialdienstes ruft ihre IT-Leute. Die Computer-Experten durchsuchen den Server der Sozialdienst-Verwaltung. Dort finden sie eine Forderung, verfasst in englischer Sprache: Um ihre Daten wieder nutzen zu können, soll die Einrichtung 10 000 Dollar in der Cyber-Währung Bitcoin bezahlen. Bettina Schulz und ihre Kollegen sind geschockt. „Als sozialer Verein geben wir jeden Tag unser Bestes für die Gemeinschaft – dass ausgerechnet wir gehackt wurden, ist unfassbar“, sagt die Chefin.  

Cyber-Attacke auf Sozialdienst: Auswirkungen in Olching dramatisch

Die Auswirkungen auf die Arbeit des Sozialdienstes sind dramatisch. Der Verein betreut rund 150 Pflegebedürftige ambulant. Alle Informationen über die Patienten sind jetzt weg – Termine, Medikamente, Tourenpläne der Pfleger, Erreichbarkeiten von Angehörigen. „Wir sind komplett digital in der Pflege“, sagt Schulz. Für die Mitarbeiter der Verwaltung beginnt ein Marathon. Sie müssen sämtliche Informationen über die Patienten händisch zusammentragen. Schließlich haben die Pflegebedürftigen alle individuelle Bedürfnisse. Dank des Kraftakts kann die Pflege der 150 zu pflegenden Kunden aufrecht erhalten werden.

Betroffen ist auch der Bereich Kinderbetreuung. Der Sozialdienst betreibt Einrichtungen in Olching, Esting und Graßlfing. Weil auch die Telefonanlage lahm gelegt ist, ist der Sozialdienst für Eltern nicht erreichbar. Gerade zu Beginn des Schuljahres, wo oft noch vieles zu klären ist, ein Fiasko. „Es ist ein denkbar schlechter Zeitpunkt“, sagt Bettina Schulz.

Cyber-Attacke in Olching: Sozialdienst will Lösegeld nicht bezahlen

Das Lösegeld wird der Sozialdienst dennoch nicht bezahlen. Zum einen will sich der Verein nicht erpressen lassen. Zum anderen ist längst nicht klar, ob die Daten nach der Zahlung wirklich wieder hergestellt werden.

Auch die Kriminalpolizei rät davon ab, auf die Forderungen von Kriminellen einzugehen. Ein Sprecher des zuständigen Präsidiums in Ingolstadt rät: „Auf keinen Fall zahlen und Anzeige erstatten.“ Allerdings gibt der Sprecher auch zu, dass die Spurenlage in solchen Fällen meist sehr dürftig sei. Oft seien hochprofessionelle Täter am Werk. In der Regel operieren sie vom Ausland aus. Davon gehen beim aktuellen Fall sowohl die Kripo als auch das vom Sozialdienst beauftragte IT-Unternehmen aus.

Nach Hackerangriff auf Sozialdienst: Experten versuchen Daten wieder herzustellen

Der Polizeisprecher rät, unbekannte Dateien nicht zu öffnen, die Anti-Virensoftware auf aktuellem Stand zu halten, komplexe Passwörter verwenden und Sicherheitskopien auf externen Servern zu speichern.

Beim Sozialdienst arbeitet jetzt eine Spezialfirma daran, den Hacker-Angriff aufzuklären. Die Experten versuchen herauszufinden, wie die Verbrecher in das Computer-System eindringen konnten. Außerdem sollen möglichst viele Daten, wenn möglich, wieder hergestellt werden. Und nicht zuletzt will Bettina Schulz die IT-Sicherheit für die Zukunft erhöhen. „Denn so etwas brauche ich kein zweites Mal.“

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