Prächtige Gebilde am Nachthimmel: So ein Feuerwerk zauberte die Estinger Firma etwa bei Volksfesten in den Himmel.
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Prächtige Gebilde am Nachthimmel: So ein Feuerwerk zauberte die Estinger Firma etwa bei Volksfesten in den Himmel.

Nach 18 Jahren

Aus für Familienunternehmen: Corona gibt Feuerwerksfirma den Rest

  • Andreas Daschner
    vonAndreas Daschner
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Feuerwerke waren sein Leben: 18 Jahre lang zündete der Estinger Pyrotechniker Andreas Groß bei Familienfeiern oder Volksfesten bunte Raketen. Doch in der Corona-Krise ist die Zündschnur erloschen.

  • Der Estinger Pyrotechniker Andreas Groß musste sein Gewerbe abmelden.
  • Die Corona-Pandemie war der finale Faktor.
  • Allerdings hatte das Unternehmen schon länger mit dem schlechter werdenden Image von Feuerwerken zu kämpfen.

Esting – An den bitteren Moment kann sich Andreas Groß auf die Minute genau erinnern. „Am 1. September um 15.06 Uhr war’s vorbei mit meiner Firma“, sagt der Estinger. Da hatte er seine Firma Pyrotec Andreas Groß im Olchinger Rathaus abgemeldet. Der Grund? „Alles auf Corona zu schieben wäre billig“, sagt Groß. Der finale Faktor war die Pandemie letztlich aber schon.

Die Branche war zuletzt ohnehin immer schwieriger geworden. Feuerwerke gerieten zunehmend in Verruf, immer mehr Initiativen setzen sich inzwischen für alternative Methoden wie Lasershows ein, die an Silvester oder bei Feiern den Himmel in bunte Bilder tauchen sollen. „Früher war es die Kirche mit ,Brot statt Böller’, dann kam Greta Thunberg“, sagt Groß.

Auch in Olching gab es schon eine Alternativ-Veranstaltung an Silvester.

Als dann auch noch Corona kam und die Hauptveranstaltungsmonate von Mai bis Dezember brach lagen, war das das Ende für die Firma des Estingers. Knackpunkt waren gar nicht mal so sehr die fehlenden Einnahmen. Groß ist beruflich durch ein zweites Standbein abgesichert, finanzielle Probleme hat er keine.

Plötzlich hat die Versicherungsgesellschaft doch auf eine Weiterzahlung bestanden.

Andreas Groß

Was seiner Firma letztlich das Genick brach, waren die Versicherungsbeiträge. „Eigentlich hatte ich mich mit der Versicherung schon geeinigt, dass wir die Beiträge aussetzen, solange keine Veranstaltungen stattfinden können“, berichtet Groß. Es schien also alles in Ordnung. Dann kam wieder eine Abbuchung. „Plötzlich hat die Versicherungsgesellschaft doch auf eine Weiterzahlung bestanden.“

Feuerwerk als Familienunternehmen: die Estinger Andreas (l.) und Michael Groß.

Die Firma einfach nur ruhen zu lassen, sei auch nicht möglich gewesen. „Mir wurde gesagt, dass die einzige Möglichkeit eine Abmeldung des Gewerbes wäre.“ Im Prinzip zeigt Groß sogar „irgendwo Verständnis für die Versicherungen“. Würde jeder seine Beiträge aussetzen, würden die Gesellschaften auch irgendwann finanzielle Probleme bekommen. Was den Estinger stört, ist der Ablauf: „Erst eine Zusage geben, diese dann aber wieder zurückzuziehen – das ist nicht besonders lustig.“

Sollte die Firma kein Draufzahlgeschäft werden, blieb Groß also nichts anderes mehr übrig, als der schwere Gang zum Gewerbeamt. „Das tut freilich weh, aber es ist eben so“, sagt er. Die Firma ist ein reines Familienunternehmen.

Das Positive: „Meine Familie steht komplett hinter mir“, sagt Groß. Auch Sohn Michael teilt die Begeisterung für Pyrotechnik und sollte die Firma eigentlich mal übernehmen. Angestellte hat Groß jedoch keine. „Das ist das einzig Positive, dass niemand auf der Straße steht.“

Jetzt will der Estinger erst einmal abschalten und zur Ruhe kommen. „Das habe ich 18 Jahre nicht in dieser Form gekannt“, sagt er. Schließlich sei man mit dem Kopf immer irgendwo bei der Firma.

Mit der ganzen Kurzarbeit und den Insolvenzen werden Feuerwerke wohl das Erste sein, bei denen die Menschen bei Feiern wie Hochzeiten sparen werden.

Andreas Groß

Ganz aufgeben will Groß seinen Nebenberuf aber nicht. „Dieses Jahr hat sich natürlich erledigt“, sagt er. Doch im kommenden Jahr will er Augen und Ohren aufhalten, ob sich die Pandemie-Lage beruhigt und doch wieder Interesse an professionellen Feuerwerken aus seiner Hand aufkommt.

Die Hoffnung ist zwar nicht groß. „Mit der ganzen Kurzarbeit und den Insolvenzen werden Feuerwerke wohl das Erste sein, bei denen die Menschen bei Feiern wie Hochzeiten sparen werden“, vermutet Groß. Aber aufgeben will er trotzdem noch nicht ganz. Zeichnet sich jedoch etwas anderes ab, „bin ich wahrscheinlich der Erste, der auf dem Gewerbeamt seine Firma wieder anmeldet.“ Denn eines ist für Andreas Groß klar: Die Ausbildung zum Pyrotechniker kann ihm keiner mehr nehmen. Darum kündigt der Estinger jetzt schon an: „Wenn alles wieder normal ist, bin ich wieder da.“

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