Vor zehn Jahren wurde Olching zur Stadt erhoben.
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Vor zehn Jahren wurde Olching zur Stadt erhoben.

10 Jahre „Stadt Olching“

Wegen Corona-Pandemie: CSU boykottiert Jubiläumsfeier

  • Kathrin Böhmer
    vonKathrin Böhmer
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Die Stadt Olching feiert ihr zehnjähriges Bestehen mit einem offiziellen Festakt. Die Stadtratsfraktion der CSU hält dies für ein falsches Signal inmitten der Corona-Pandemie.

Olching – Vor einigen Tagen ging die Einladung des Rathauses heraus: Für den 19. Juni ist ein offizieller Festakt zum zehnjährigen Bestehen der Stadt geplant, nachmittags im Freien, in kleinem Rahmen, mit Stadträten, hochrangigen Amtsträgern und Landrat. Grußworte kommen von Bürgermeister Andreas Magg (SPD) und Innenminister Joachim Herrmann (CSU). Die beiden schneiden eine Torte an, eine Blaskapelle spielt, falls es die Pandemie zulässt, das war’s. Für die Olchinger Christsozialen ist das aber bereits zu viel.

Wie deren Sprecher Tomas Bauer mitteilt, wird die Stadtratsfraktion nicht dabei sein. Diese Erklärung ging bereits am vergangenen Freitag heraus, bevor die Staatsregierung die weiteren, großflächigeren Lockerungen verkündet hat, die auch im Privaten wieder Feiern zulässt.

Olching: 10 Jahre Ernennung zur Stadt - CSU-Fraktion findet offiziellen Festakt unpassend

Dennoch bleibt die CSU dabei, wie Vize-Fraktionsvorsitzende Maria Hartl am Montag bestätigt: „Wir haben nach wie vor Corona.“ Bis zum 19. Juni sei die Inzidenz wohl noch nicht bei Null. Was, wenn das Wetter schlecht ist und alle ins Kulturzentrum müssen, fragt sich die CSU-Stadträtin.

Die Feier zur Stadterhebung sei außerdem nur intern, unter Ausschluss der Öffentlichkeit und somit für die CSU absolut verzichtbar. Bislang habe nämlich die Devise gegolten, Kontakte zu anderen Menschen auf ein nötiges Minimum zu reduzieren und den Personenkreis konstant zu halten. Für einen rein offiziellen Akt sollte man dies nicht außer Kraft setzen. „Von einer Feier zum Stadtjubiläum sollten außerdem auch die Bürger etwas haben“, so Hartl.

Jubiläumsfeier der Stadt Olching: CSU-Mitglieder boykottieren Veranstaltung wegen Corona-Pandemie

In der Pressemitteilung der CSU heißt es zudem: „Wir Stadträte wollen aber in einer Zeit, in der die Bürger zum 50. oder gar 100. Geburtstag mit maximal zehn Teilnehmern aus drei Haushalten feiern dürfen, kein schlechtes Beispiel geben.“ Hartl verweist außerdem auf die Menschen, die ihre 80. und 90. Geburtstage in dieser Zeit gar nicht feiern konnten. Auch wenn es jetzt Lockerungen gibt: Man sollte weiter mit gutem Vorbild vorangehen.

Erlaubnis zu offiziellem Festakt in Olching: Mit dem Innenminister abgestimmt

Die Stadt erklärt ihrerseits mit einer Pressemitteilung, dass der Festakt mit dem Landratsamt und dem Büro des Innenministers abgestimmt ist. Er findet unter strenger Einhaltung der gängigen Hygieneregeln im Freien statt. Die Blaskapelle spielt in reduzierter Besetzung ein Ständchen, ebenfalls coronakonform. Die Infektionslage entwickele sich zum Positiven und die Menschen wollen Öffnungen, was sich auch an der Entscheidung der Staatsregierung ablesen lasse, heißt es. Der Jahrestag soll deshalb nicht einfach verstreichen, nachdem ihn vor zehn Jahren Tausende Bürger im Festzelt gefeiert haben.

Und auch die Olchinger sollen etwas vom Jubiläumswochenende haben: In der Innenstadt werden Wimpelketten aufgehängt, und entlang der Hauptstraße werden Flaggen aufgezogen wie beim Volksfest. Außerdem wird ein Geburtstagskuchen an die Bewohner der beiden Seniorenheime verteilt. Auch die kleinen Bürger dürfen sich freuen: Es gibt 2011 kostenlose Kugeln Eis, die sie sich in den Eisdielen Dolomiti, Gelatissimo, Mr. Eis und bei der Villa Romantica abholen können.

Kommentar Pro

In der allgemeinen und ja auch verständlichen Lockerungseuphorie wird allzu gerne vergessen, dass die Pandemie noch nicht vorbei ist. Noch nicht einmal die Hälfte der Bevölkerung hat eine erste Impfung erhalten, noch nicht einmal 30 Prozent die zweite. Natürlich sinkt das Infektionsrisiko auch dank der wärmeren Temperaturen – mit all den Lockerungen aber steigt auch die Gefahr weiterer Ansteckungen.

So betrachtet ist der auf den ersten Blick eher unverständlich wirkende Beschluss der Olchinger CSU, dem Stadterhebungsfest fernzubleiben, durchaus nachvollziehbar, wenn nicht sogar zu begrüßen. Die Feier, ja ohnehin nicht für die breite Bevölkerung gedacht, muss als verzichtbar betrachtet werden, gerade in Zeiten wie diesen.

Jedes vermiedene Risiko ist ein Schritt hin zu einer stabilen Inzidenz unter 50 und zur Vermeidung weiterer Erkrankungen. Übrigens, ohne Maggs und Herrmanns Redetalent schmälern zu wollen: Besonders prickelnd dürfte der nicht gerade eine echte Party versprechende Nachmittag sowieso nicht werden. (Thomas Steinhardt)

Kommentar Kontra

Der für sein Corona-Management gefeierte CSU-Ministerpräsident tritt auf Lockerungs-Vollgas, die Olchinger CSU bleibt auf der Bremse. Das kommt schräg daher, selbst wenn die Gründe noch so ehrenwert sind.

Denn völlig egal, wie die Antwort auf die Frage, ob es das Brimborium zur Stadterhebung wirklich braucht, ausfällt: Wenn zur gleichen Zeit bis zu 14 000 Menschen in der Allianz-Arena die EM feiern, dann scheint der Festakt mit einigen Gästen an der frischen Luft absolut im Bereich des derzeit offiziell Vertretbaren. Selbst wenn es regnet: Auch drinnen sind Feiern mit 50 Gästen wieder zugelassen – für alle, Hochzeiten und runde Geburtstage. Keine Sonderbehandlung also. Und bei einer offiziellen Veranstaltung ist die Gefahr zumindest gering, dass man sich am Ende volltrunken in den Armen liegt – anders als bei privaten Feiern.

Es geht doch letztendlich um ein Signal: Das Leben kehrt zurück zur Normalität, die Inzidenz lässt es zu, natürlich weiter mit viel Vernunft – aber auch endlich wieder mit ordentlich Optimismus. (Kathrin Böhmer)

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