War im Jahr 1910 unglaublich fortschrittlich: Die Saug- und Druckspritze auf der Pferdekutsche. Sie konnte 350 Liter Wasser pro Minute verspritzen. 	Fotos: feuerwehr Olching
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War im Jahr 1910 unglaublich fortschrittlich: Die Saug- und Druckspritze auf der Pferdekutsche. Sie konnte 350 Liter Wasser pro Minute verspritzen.

Olching

Eine Zeitreise mit der Feuerwehrflotte

  • Andreas Schwarzbauer
    vonAndreas Schwarzbauer
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Als die Olchinger Feuerwehr vor 125 Jahren gegründet wurde, bestand der Ort noch aus 50 Bauernhöfen. Seitdem ist so einiges passiert. Für die Entwicklung der Wehr ist die Fahrzeugflotte sinnbildlich. Und ein Problem ist auch schon fast historisch.

VON ANDREAS SCHWARZBAUER

Olching – Rund 300 Einwohner galt es damals zu beschützen, als die Feuerwehr am 13. Oktober 1895 ins Leben gerufen wurde. Zu den ersten Fahrzeugen gehörte eine Kutsche, auf der die Saug- und Druckspritze transportiert wurde, die die Feuerwehr 1905 gekauft hatte. Diese war für damalige Verhältnisse äußerst fortschrittlich. Immerhin konnte sie 350 Liter Wasser pro Minute verspritzen und hatte eine Reichweite von 36 Metern. Sie stellte einen Quantensprung für die Wehr dar.

Untergestellt waren sämtliche Geräte im Spritzenhaus an der Hauptstraße neben dem ehemaligen Bäcker Endres. Heute befindet sich dort die Rosen-Apotheke. 1910 zogen die Kameraden in ein neu gebautes Gerätehaus an der Nöscherstraße.

Immer vorne mit dabei bei der Ausrüstung

Wird gerade wieder fahrtüchtig gemacht: das 1961 in Betrieb genommene Tanklöschfahrzeug.

Bei der Ausrüstung war die Olchinger Feuerwehr immer vorne mit dabei. So erhielt sie 1927 die erste motorbetriebene Feuerlöschspritze im Landkreis. Nach dem Zweiten Weltkrieg mussten die Kameraden allerdings mit einem Löschgruppenfahrzeug aus zweiter Hand vorlieb nehmen. Aus den Beständen der Feuerlöschpolizei am Brucker Fliegerhorst erhielten die Olchinger das Löschgruppenfahrzeug LF 15. Aufgrund des vorherigen Besitzers war es allerdings nicht feuerwehrrot, sondern tannengrün. Das brachte ihm den Spitznamen „Mooskuah“ ein.

1961 stockten die Olchinger ihre Fahrzeugflotte mit dem modernsten Feuerwehrauto seiner Zeit – dem Tanklöschfahrzeug TFL 16 – auf. Es ist heute noch in Besitz des Feuerwehrvereins und wird derzeit von einem Mitglied wieder fahrtüchtig gemacht.

In den folgenden Jahren wuchs der Fuhrpark immer weiter. Derzeit umfasst er sieben Fahrzeuge mit mehreren Anhängern, ein Rettungsboot und einen Gabelstapler. Neueste Anschaffung ist ein Rüstwagen mit Kran, der im Herbst 2019 in Betrieb ging und eigentlich bei der 125-Jahr-Feier geweiht werden sollte. Hier hätten die Besucher auch Gelegenheit gehabt, die alten Fahrzeuge zu besichtigen. Die Feierlichkeiten fielen aber der Corona-Pandemie zum Opfer. Wenn es die Situation zulässt, will die Olchinger Wehr alles im kommenden Jahr nachholen.

Das neueste Fahrzeug der Feuerwehr Olching: Es wurde vor etwa einem Jahr in Betrieb genommen. 

Zurück zur Vergangenheit: Als eine der ersten Feuerwehren erhielt die Wehr 1977 einen Rettungsspreizer, der bei Verkehrsunfällen zum Einsatz kam. Seit 1973 ist Olching aufgrund seiner Atemschutzfüllstation landkreisweit ein wichtiger Standort für die Ausbildung an Atemschutzgeräten.

Das ewige Problem mit dem Platzmangel

Die steigende Zahl an Fahrzeugen und die wachsende Ausrüstung führte allerdings immer wieder zu Platzproblemen. Bereits 1968 bezogen die Olchinger Kameraden ihr drittes Gerätehaus am heutigen Standort an der Ordenslandstraße.

200 Mal pro Jahr im Einsatz

1993 wurde das bestehende Gebäude um eine Fahrzeughalle und mehrere Räume erweitert. „Immer neue Anforderungen, Erweiterungen von Aufgaben, Gerätschaften und Fahrzeuge forderten mehr Platz, um das Sicherheitsniveau unverändert hochzuhalten“, teilt Feuerwehr-Sprecher Hans Beyer mit. Dieselben Probleme gebe es nun – 30 Jahre später – erneut. „In den verhangenen Jahren hat die Feuerwehr teils in Eigenleistung zwei Garagen hinzugebaut. Dennoch hoffen wir auf einen baldigen Neubau des Gerätehauses an einem geeigneten Standort.“

Heute besteht die Olchinger Truppe – wie bereits zu ihren Gründungszeiten vor 125 Jahren – aus ungefähr 70 aktiven Mitgliedern. Diese sind jedes Jahr in etwa 200 Mal im Einsatz.

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