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Saßen plötzlich auf der Straße: Nadine Schneider mit Ehemann Clemens und Sohn Elias vor ihrem unfertigen Haus im Olchinger Schwaigfeld. 

Manche Häuser sind beinahe noch Rohbauten

Baufirma kurz vor der Pleite: Hausbau-Projekt wird für Familien zum Albtraum

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Dutzende Familien erleben gerade einen Albtraum: Sie haben hunderttausende Euro für ein Eigenheim gezahlt und jetzt ist die Baufirma kurz vor der Pleite. Es kommt aber noch dicker.

Olching – Peter Bauer schläft gerade sehr schlecht. „Ich bin so wütend“, sagt er. Eigentlich hat der 36-Jährige eine sorglose Zukunft für sich und seine Familie geplant. Er und seine Frau Claudia haben zwei kleine Kinder, eines ist vier Jahre alt, das andere erst eins. Vor über einem halben Jahr hätten sie bereits in ihr schönes neues Zuhause in Olching ziehen sollen. Schlüsselfertig für 850 000 Euro (mit Grundstück). Die Raten wurden nach Baufortschritt gezahlt, das ist so üblich.

Familie aus Olching: Seit Monaten geht beim Hausbau nichts voran

Doch nun, nach zweieinhalb Jahren, ist ein großer Teil des Geldes weg, und die Sorgen sind riesig: Denn das Haus ist mehr oder weniger noch ein Rohbau, es geht seit Monaten nichts voran. Die Familie brauchte eine Übergangswohnung und nicht nur das: Handwerker klopfen an, um ihr Geld einzufordern, sagt der 36-Jährige, der im Vertrieb arbeitet. Er ist der Verzweiflung nahe.

Hausbau-Albtraum in Olching: Das Verfahren kann sich Monate hinziehen

Die Bauers stehen nicht alleine da mit ihrem Schicksal. 28 Häuser sollten im Neubaugebiet Schwaigfeld entstehen, eine Siedlung wie aus dem Hochglanzprospekt. Doch jetzt steht fest: Die Baufirma aus Regensburg kämpft akut gegen die Pleite an, am vergangenen Donnerstag lief die Frist für den Insolvenzantrag ab. Die Firma hüllt sich dem Tagblatt gegenüber in Schweigen, das Verfahren kann sich Monate hinziehen.

Familie aus Olching: „Es ist ein absoluter Schock“

Für Nadine Schneider und ihre Familie, die das Grundstück neben den Bauers gekauft haben, eine Katastrophe. „Es ist ein absoluter Schock“, sagt die 35-Jährige. Sie und ihr Mann hatten vorher eine Eigentumswohnung, die sie verkauft haben – eigentlich schon mit zeitlichem Puffer. Nur ist der bereits im März abgelaufen. „Plötzlich saßen wir mit Kind und Katze auf der Straße“, sagte Schneider. Die Wohnungssuche war ein Albtraum: „So wie es immer in der Zeitung steht, war es auch.“ Nun zahlt die Familie 1800 Euro Miete für hundert Quadratmeter im Nachbarort – und muss zusätzlich die Raten für das Darlehen berappen. Die Kaufsumme ist ähnlich hoch wie bei den Bauers.

Die beiden Familien hat es mit am schlimmsten getroffen. Es gibt auch Häuser, bei denen etwa nur noch der Rollrasen fehlt. Bei Peter Bauer steht deutlich mehr an. „Wir müssen schätzungsweise noch um die 70 000 Euro zusätzlich in die Hand nehmen, wenn wir unter Eigenregie fertigstellen.“ Das will er aber nicht einfach hinnehmen.

Baufirma kurz vor der Pleite: Hausbau-Projekt wird für Familien zum Albtraum

Immerhin sitzt bei dem Projekt neben der Baufirma noch ein Partner im Boot: das Immobilienzentrum Regensburg (IZ). Das ist zumindest nach außen hin finanziell solide aufgestellt. Allerdings weist die Firma jegliche gesellschaftsrechtliche Verbindung zu der Baufirma von sich. Ebenso zum Immobilienzentrum Fürstenfeldbruck, das auf der Bautafel als Bauherr ausgewiesen wurde – und laut Internet zum IZ-Netzwerk gehört, mit Regensburger Adresse.

Für Peter Bauer ist das unverständlich. Die Reservierungsvereinbarung sei über das IZ gelaufen, den Vertrag habe man in Regensburg unterzeichnet und nun soll das alles nichts miteinander zu tun haben? Ganz abgesehen davon, seien die Unternehmen personell miteinander verwoben gewesen. Ein Gesellschafter der Baufirma ist jedoch mittlerweile aus dem IZ-Vorstand ausgeschieden.

Besonders pikant: In Regensburg sitzen gerade ebenfalls Dutzende Bauherren auf heißen Kohlen, ebenfalls in einem Neubaugebiet, ebenfalls mit allen Beteiligten. Und hier gab es gegenüber der Lokalpresse von der IZ die Zusicherung, dass man die Kunden unabhängig von Vertragsbeziehungen nicht im Regen stehen lassen werde.

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Blick nach Fürstenfeldbruck: Die einst beliebten Neubürgerempfänge der Stadt stoßen kaum noch auf Resonanz. Die Ursachen scheinen hausgemacht.

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