Was darf der Hund im Wald?

Wildern verhindern

Vortrag nach Olchinger Vorfall: Das darf der Hund in Wald und Flur

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Anfang des Jahres hat ein Jäger in Olching einen Hund erschossen, weil dieser ein Reh attackierte. Das Entsetzen war groß, die Debatte hitzig: Was darf der Wauwau im Wald? Wie verhindere ich, dass er wildert? Klarheit brachte nun ein Vortrag. Jägerin und Hundeführerin Martina Wieland schonte ihre Gäste dabei nicht.

Olching – Eines sei gleich vorweg geschickt: Die Vierbeiner, die mit Herrchen und Frauchen aus allen möglichen Teilen des Landkreises zu der Veranstaltung nach Olching gekommen waren, verhielten sich brav. Sie schliefen unter den Tischen und Stühlen im gut gefüllten Saal von Maier’s Sportsbar. Hin und wieder blitzten Pfoten hervor, sonst bemerkte man die tierischen Gäste quasi nicht. Nicht ein einziges Bellen erklang. Ganz offensichtlich haben die Zweibeiner hier ganze Arbeit bei der Erziehung geleistet. Nur: Funktioniert das in der freien Wildbahn auch so gut?

Das war eine der vielen Fragen, die an diesem Abend im Mittelpunkt standen. Bei der Begrüßung ihrer Gäste sagte Gaby Kühnel von der gleichnamigen Hundeschule, die zu dem Vortrag eingeladen hatte: „Der Anlass ist ein trauriger.“ Sie spielte damit auf den Vorfall mit dem wildernden Hund an, der von einem Olchinger Jäger erschossen wurde. Kein Einzelfall: Immer öfter gebe es in der Gegend Probleme mit jagenden Tieren. „Wir wollen aufklären und eine Einheit der guten Hundehalter bilden.“

Wie das klappen kann, trug die erfahrene Hundeführerin und Jägerin Martina Wieland von der Brucker Kreisgruppe des Bayerischen Jagdverbandes (BJV) vor. Sie nahm kein Blatt vor den Mund: „Ich habe noch keinen Hund gesehen, in dem nicht ein Jagdhund steckt, sogar im Chihuaha.“ Das dürften Herrchen und Frauchen niemals vergessen.

Nach Vorfall in Olching: Schonungslose Bilder

Wieland sagte, dass sie früher selbst eher entspannt war: „Mei, dann jagt er halt einmal einem Kaninchen hinterher.“ Nur hätte sie damals noch nicht gewusst, was für ein Stress das für die Tiere ist und was man dadurch anrichten kann. Zur Verdeutlichung zeigte Wieland schonungslose Bilder und Videos: von Rehen, denen die Kitze aus dem Bauch gerissen wurden, und von einem ebenso blutigen Vorfall auf einer Skipiste. Ein Hund jagte ein Reh und schleift es immer wieder zurück, wenn es sich mühsam endlich über einen Schneehaufen gerettet hatte. Selbst für Hartgesottene ist das brutaler Stoff. Wieland fragte: „Hier stehen so viele Menschen um das Reh herum, wieso tun die nichts?“

Hund attackierte Reh in Olching: Wald ist das Revier des Jägers

Dabei geht es nicht einmal nur um eine moralische Frage. Wenn Hunde wildern, ist das ein Verstoß gegen das bayerische Jagdgesetz. Ein Jäger darf den Hund (ausgenommen sind aufgrund ihres Wertes nur Nutzhunde wie Blinden- und Rettungshunde) mit einem Gewehr stoppen. Und es kann auch richtig teuer werden. In Neumarkt etwa hat ein Vierbeiner ein trächtiges Reh und drei Kitze getötet. Das kostete den Hundehalter 5000 Euro. „Davon kann man viele Hundestunden nehmen“, fügte Jägerin Wieland an. Grundsätzlich gilt: Der Wald ist immer das Revier eines Jägers. Hunde dürfen hier frei herumlaufen, allerdings auf den Wegen – und unter Beachtung gewisser Regeln (siehe Kasten).

„Das hat der noch nie gemacht“

Diese präsentierte Wieland ihrem Publikum auf kurzweilige Weise. So scherzte sie etwa: „Einer meiner Lieblingssätze von Hundehaltern ist: Das hat der noch nie gemacht.“ Allerdings sind es nicht nur Herrchen und Frauchen, die ihren Teil zum Frieden in der Natur, die eben allen gehört, beitragen müssen. Die Jägerin aus Baindlkirch sprach ebenso an, dass Jäger Verständnis gegenüber Spaziergängern aufbringen und sich nicht wie die Axt im Walde verhalten sollten. Bei notorischen Wilderern sollten die Eigentümer ermittelt werden, und der Grundsatz der Verhältnismäßigkeit muss immer gewahrt bleiben. Das Benutzen der Waffe muss die allerletzte Option sein.

Zum Schluss kam noch ein brisantes Thema auf: Der Eintrittspreis von 18 Euro hatte für Diskussionen in den sozialen Netzwerken gesorgt. Wieland betonte: „Dafür habe ich kein Verständnis.“ Die Hundeschule hätte die Sache organisieren müssen, das koste eben. Allerdings: Am morgigen Freitag findet um 17.30 Uhr im Restaurant zur Sonne, Jahnweg 11, in Mammendorf ein weiterer Vortrag statt, diesmal mit Fokus auf den rechtlichen Aspekt. Der Eintritt kostet hier nur fünf Euro – und wird laut Wieland gespendet. Wichtig zu wissen: Hier müssen die Hunde leider draußen bleiben.

Was Hundehalter beim Gassigehen in freier Wildbahn beachten sollten

Jägerin Martina Wieland hat bei ihrem Vortrag Regeln präsentiert, die das Zusammenleben in der Natur erleichtern. 

1. Der Hund muss sich in Sichtweite befinden. Wenn nicht, ist das bereits eine Ordnungswidrigkeit. Hunde brauchen nicht über das ganze Feld zu jagen, nur um jeden Artgenossen zu begrüßen.

 2. Hunde müssen auf Forstwegen bleiben, aber nicht an der Leine. Voraussetzung ist, dass sie richtig erzogen sind. Der Hundehalter muss sein Tier in jeder Situation zurückrufen können. 

3. Der Hund darf im Gehölz und in der Flur nicht stöbern. Dickungen und Jungbestände sollten gemieden werden. Dackel/Terrier dürfen nicht in den Fuchs-/Dachsbau. 

4. Der Hundehalter muss sein Tier lesen können, zum Beispiel die Körperhaltung erkennen, wenn es Witterung aufnimmt.

5. Die Nachtzeit sollte gewahrt werden. Diese gilt in der Zeit von einer Stunde nach Sonnenuntergang bis einer Stunde vor Sonnenaufgang. 6. Schwammerlsucher sollten ihre Vierbeiner an die Leine nehmen. 

7. Die Brut- und Setzzeiten des Wildes sollten gewahrt werden.

8. Das Tier während des Spaziergangs beschäftigen: Jägerin Martina Wieland gibt ihren Vierbeinern Aufgaben, wie zum Beispiel „Ramadama“. Die Hunde apportieren Müll wie Glasflaschen bis zum Auto – und kommen gar nicht erst auf dumme Gedanken.

9. Jagderfolge des Hundes sollten unbedingt vermieden werden. Man sollte das Tier so früh wie möglich bremsen.

10. Neben der Vermeidung von Wilderei gibt es noch einen weiteren Grund zur Vorsicht: ansteckende Wildkrankheiten wie zum Beispiel Räude oder die Hasenpest. 

11. Durch Hundekot kann so genanntes Wirtschaftsvieh (Kühe) geschädigt werden. Das gilt es an Weiden zu berücksichtigen. 

12. Die Felder sind gedüngt, der Hund sollte nicht aus Pfützenwasser trinken.

13. Nachfragen: Jäger freuen sich, wenn Hundehalter mit ihnen Kontakt aufnehmen – um des lieben Friedens willen. Wer für ein Revier zuständig ist, wissen in der Regel der Jagdverband oder die Kommune

In Unterhaching ist ein Hund unvermittelt auf einen Polizisten zugelaufen, der Beamte griff zur Waffe und setzte einen Schuss ab. Für einen Polizeieinsatz sorgte derweil ein Hund auf der A7 - die Autobahn musste sogar gesperrt werden.

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