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Liebt ihren Job als Geschäftsführerin der Olchinger VHS: Anke Velasquez. 

Olching

In der Krise auf den Chefsessel

  • Ulrike Osman
    vonUlrike Osman
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Es sollte eine ruhige Einarbeitungszeit werden. Stattdessen brach die Corona-Krise los, kaum dass Anke Velasquez die Leitung der Volkshochschule (VHS) Olching übernommen hatte. Was sie seitdem erlebt, bezeichnet die 49-Jährige als „Tauchgang und Feuertaufe in einem“.

Olching – Trotzdem ist Anke Velasquez glücklich, denn sie fühlt sich angekommen in der Erwachsenenbildung. „Ich bin da, wo ich immer hinwollte.“

Sie ist schon viel herumgekommen, beruflich und geographisch. Geboren 1971 in Templin in der Uckermark – dem Ort, an dem Angela Merkel aufwuchs – , machte Velasquez kurz vor der Wende in Dresden Abitur und ging dann zum Studieren nach Bayern. Als Lehrerin für Deutsch, Geschichte und Spanisch unterrichtete sie an verschiedenen Gymnasien in Freising und München.

Problem dabei: Sie bekam immer nur befristete Verträge. „Das hieß elf Monate arbeiten und einen Monat betteln beim Arbeitsamt.“ Zwischendurch gab es eine Episode in Peru, dem Heimatland ihres Mannes. Das Ehepaar wollte ein Schulzentrum aufbauen, entschied sich jedoch nach einem Jahr zur Rückkehr nach Deutschland.

Anke Velasquez war damals hochschwanger mit ihrem vierten Kind und abgeschreckt von den hygienischen Verhältnissen in den Krankenhäusern. Rückblickend erinnert sie sich an Peru als „sehr nationalistisch“ und „sehr verschult“ mit straffen, anspruchsvollen Lehrplänen. „Meine Kinder haben dort in einem Jahr mehr gelernt als hier in ihrem halben Schulleben.“ Trotzdem sind die Velasquez’ heute mehr als froh, wieder hier zu sein, denn aus Peru kommen viele schlechte Nachrichten von Corona-Todesfällen im Verwandten- und Bekanntenkreis. Dabei sei der Lockdown dort strenger gewesen als hier und vom Militär kontrolliert worden, erzählt die 49-Jährige.

Unterlagen aufgehoben

Zurück in Deutschland, kehrte sie 2012 dem Lehrberuf endgültig den Rücken und wechselte zu einer Konzertagentur, wo sie hochkarätige klassische Konzerte und Radioproduktionen organisierte. Zwischendurch ergab sich immer mal wieder die Chance auf einen Posten bei der VHS, mal in München, mal in Murnau, doch nie passte es so richtig. Auch in Olching hatte sich Velasquez schon vor einigen Jahren um die Leitung beworben.

Dort machte sie offensichtlich so großen Eindruck, dass man ihre Unterlagen aufhob und ihr jetzt den Job anbot. Die Mischung aus Bildungsthemen und Öffentlichkeitsarbeit liegt der ehemaligen Lehrerin, und die VHS als öffentliche Einrichtung schien ein sicherer Hafen zu sein. Doch davon kann im Moment keine Rede sein – stattdessen ringen Velasquez und ihr vierköpfiges Team mit den Folgen der monatelangen Schließung.

Das bedeutet: Sommerkurse aus dem Boden stampfen, Werbung machen, darum kämpfen, nicht zu viele Kursteilnehmer zu verlieren. Die einen haben noch Angst, zu Präsenzveranstaltungen zu kommen, die anderen können mit Online-Angeboten nichts anfangen. „Das sind zwei verschiedene Probleme, aber sie laufen auf das Gleiche hinaus.“

Dass die Olchinger VHS sich zu rund drei Vierteln selbst finanziert, zeichnet sie normalerweise aus – bedeutet aber jetzt, dass sie weniger finanziellen Rückhalt von Stadt und Staat hat als andere Volkshochschulen. Da hilft nur Optimismus. „Wir planen jetzt das Wintersemester so, als wären die Umstände ganz normal, fragen die Dozenten aber, ob sie im Notfall online weitermachen könnten.“ Velasquez jedenfalls hat den Schreibtisch voll und sitzt bereitwillig auch an Feiertagen im Büro. „Man kann seine Arbeit so lieben, dass man gar nicht auf die Stunden schaut.“

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