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Endlich wieder entspannen vor dem geliebten Wohnwagen: Das Ehepaar Gunnar und Angela Genett aus München.

Nach der Corona-Pause

Die kleine Freiheit zwischen den Wohnwagen

  • vonHans Kürzl
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Nach vielen Wochen dürfen auch die Campingplätze ihren Betrieb wieder aufnehmen. Doch wie entspannt kann es in Corona-Zeiten im Wohnwagen-Paradies eigentlich zugehen?

Olching – Das Münchner Ehepaar Angela und Gunnar Gennett empfindet es als Erleichterung, endlich auf seinen geliebten Campingplatz zurückkehren zu dürfen. „Beim ersten Mal war das wie tiefes Luft holen und durchatmen“, erzählt Angela Gennett. Seit zwei Jahren sind sie und ihr Ehemann Gäste des Ampersees im Olchinger Stadtteil Graßlfing. Umso mehr freuten sie sich, dass die Corona-Einschränkungen gelockert wurden und sie am Pfingstwochenende sonnige Stunden im Liegestuhl genießen konnten. Noch wichtiger war aber: Jetzt durften sie wieder Zeit mit ihrer zehnjährigen Enkelin verbringen – und das auf dem Campingplatz.

Überraschung für die Betreiber

Ausreichend Platz zwischen den Parzellen.

Seit dem 30. Mai ist dieser nun wieder geöffnet. Für die Betreiber kam diese Lockerung der Corona-Beschränkungen einigermaßen überraschend. „Wir haben es aus den Medien erfahren“, erklärt Thomas Conradi. Dabei habe der 43-Jährige extra das Landratsamt angeschrieben. „Um zu wissen, wie ich mich verhalten soll.“ Die Antwort fiel allerdings nicht zufriedenstellend aus. Es würden Bescheide folgen, hieß es. Auch die Nachfrage beim Bundesverband der Campingwirtschaft in Deutschland (BVCD) oder dem ADAC führte nicht wesentlich weiter.

Maßnahmen in Eigeninitiative

Das Betreiber-Ehepaar Susanne und Thomas Conradi recherchierte in eigener Initiative. „Wir haben es so umgesetzt, wie wir denken, dass es passen könnte und in Ordnung ist. Obwohl uns keiner offiziell erklärt hat, wie’s geht“, moniert Thomas Conradi. Es gibt Tafeln, die auf die obligatorische Mund-Nase-Bedeckung und das Einhalten des Mindestabstands hinweisen. Sie sind über das Gelände verstreut. Die Sanitäranlagen werden regelmäßig desinfiziert. Am Empfang steht eine Box mit Kugelschreibern. „Damit jeder Gast einen neuen bekommt, wenn er ein Formular ausfüllt.“

Was die Betreiber zudem herausfanden: „Jeder Landkreis macht sein eigenes Ding und andere Regeln.“ Immerhin eine Konstante gibt es: Die Dauercamper durften bereits vor der allgemeinen Öffnung gastieren und sich draußen aufhalten.

Ein guter Ersatz für den Stammtisch

Zu den rund 70 Stammgästen gehören Erika Obermeier und ihr Ehemann Werner Wöhl. Die beiden Oberschleißheimer haben seit langem ihren Platz am Ampersee: sie seit 20 Jahren, er sogar schon seit 43 Jahren. „Es ist ein Stück Freiheit“, sagt Wöhl. Daheim habe er während der Corona-Krise auf seinen geliebten Stammtisch verzichten müssen. Draußen – auf dem Campingplatz –könne er das ein wenig nachholen. „Man kann auch mit ausgestrecktem Arm anstoßen und sich auf zwei Metern Distanz gut unterhalten.“ Gemütliches Beisammensein und Corona-Regeln würden sich nicht ausschließen.

Abstand halten fällt nicht schwer

Und so schaut Andreas Schulz mit seiner brasilianischen Frau Lucia vom benachbarten Campingwagen immer wieder einmal vorbei, einfach zum Ratschen. „Es ist ein Stück Urlaub hier“, sagt Schulz. Und die Parzellen würden sowieso recht weit auseinander liegen – was das Abstand halten nicht allzu schwer mache.

Dauergäste halten Laden am Laufen

Die rund 70 Dauergäste sind für die Betreiber eine gute Basis zum wirtschaftlichen Überleben. Dass man heuer erst Ende Mai für alle Urlauber öffnen konnte, sei so besser zu verkraften. „Wenn der Sommer einigermaßen normal läuft, kommen wir hin.“ Einbußen habe man, aber es sei nicht existenzbedrohend, erklärt Thomas Conradi.

Erst kürzlich hat er viel Geld investiert. 30 000 Euro für Wlan und ein Leitungsnetz. Dass er den Kontakt zur Telekom als ähnlich zäh empfunden habe wie den zum Landratsamt, erwähnt er eher beiläufig. Immerhin: „Wir haben es für die Gäste gemacht.“

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