Acht Menschen sollen hier in drei Zimmern gelebt haben, zumindest zeitweise. 	Foto: weber
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Acht Menschen sollen hier in drei Zimmern gelebt haben, zumindest zeitweise.

Olching

„Vermietung mit unzumutbaren Bedingungen“: Kolpingsfamilie wirft Pächter raus

  • Andreas Schwarzbauer
    vonAndreas Schwarzbauer
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Die Kolpingsfamilie Olching liegt im Clinch mit ihrem Pächter: Dieser soll Betriebswohnungen illegal und zu unzumutbaren Bedingungen vermietet haben. Es läuft eine Räumungsklage. Der Pächter wiederum wehrt sich und erhebt Rassismus-Vorwürfe gegen den Verein.

Olching – Der Pächter des Kolpinghauses soll die dortigen Betriebswohnungen monatelang vertragswidrig untervermietet haben. Das wirft ihm die Kolpingsfamilie vor, die ihm deshalb fristlos gekündigt hat. Die Untermieter könnten aber so lange bleiben, bis sie neue Wohnungen gefunden haben. „Wir respektieren die Mietverhältnisse, denn sie können nichts dafür. Uns liegt nichts daran, dass es die Mieter jetzt ausbaden müssen“, sagt der Vorsitzende der Kolpingsfamilie Olching, Maximilian Gigl.

Nur für Betriebsangehörige

Mitte vergangenen Jahres habe der Verein erstmals mitbekommen, dass die Wohnungen an der Wolfstraße vertragswidrig untervermietet waren. „Es gingen Leute aus und ein, die noch nie in der Küche oder im Service gesehen wurden“, sagt Gigl. Die Wohnungen dürften aber nur an Betriebsangehörige vermietet werden. Zeitweise sollen bis zu acht Personen in drei Zimmern gelebt haben.

Der Pächter erhielt eine Abmahnung und die Aufforderung, die Untermieter zu kündigen. „Damit war der Fall für uns eigentlich erledigt“, sagt Gigl. Ende des Jahres habe die Kolpingsfamilie aber erfahren, dass dort weiterhin Menschen wohnten, die nicht in der Gaststätte arbeiteten. Es folgte eine zweite Abmahnung. Als das Einwohnermeldeamt mitgeteilt habe, dass nach der ersten Abmahnung sogar noch neue Leute eingezogen waren, kündigte der Kolpingverein dem Pächter fristlos.

Vermietung an Dunkelhäutige

Dieser kann das Vorgehen nicht nachvollziehen. Er vermiete die Wohnungen seit Juli 2018 unter. „Zwei Jahre hat sich daran niemand gestört“, sagt er. Erst seit er im Mai 2020 an dunkelhäutige Menschen vermietet habe, gebe es Probleme. Nach der ersten Abmahnung habe er zudem die Mieter geringfügig in der Gaststätte beschäftigt. „Damit war das Illegale eigentlich aufgehoben“, sagt der Gastronom.

Diesen Vorwurf will Gigl nicht stehenlassen: „Es hat nichts mit deren Hautfarbe zu tun, sondern dass die Mieter ausgenutzt wurden bis zum Gehtnichtmehr.“ Sie hätten neben der Miete von 400 Euro für ein Zimmer 200 Euro Nebenkosten gezahlt. Zudem hätten die Untermieter für jede Nutzung der Waschmaschine fünf Euro bezahlen müssen, hat Gigl erfahren. „Wie sie behandelt wurden, geht nicht mit unserem Verständnis als Verein einher.“ Der Pächter entgegnet, dass er eine ortsübliche Miete verlange.

Räumungsklage

Die Kolpingsfamilie hat inzwischen sogar eine Räumungsklage gegen ihn eingeleitet. Er habe einen Übergabetermin Mitte Februar platzen lassen. „Ich wäre schon lange draußen, wenn Corona nicht wäre. Aber mit den Kontaktbeschränkungen ist ein Auszug ein bisschen schwierig“, entgegnet der Pächter.

Zwei der Untermieter haben sich inzwischen bei der Stadt Olching gemeldet. Einer sei in einer Obdachlosenunterkunft untergebracht worden. „Dem zweiten wurden Kontaktdaten gegeben, an welche Stelle er sich selbst wenden kann, um eine Wohnung zu finden, da er ein relativ gutes Einkommen hatte“, teilt Sprecherin Martina Sohn mit. Einem weiteren Bewohner hat das Evangelische Hilfswerk München eine Unterkunft vermittelt.

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