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Imker Matthias Pichler bei einem seiner verbliebenen Stöcke. Er w ill neue Völker kaufen und trotz Diebstahl nicht aufgeben.

Immer häufiger werden ganze Völker gestohlen

Wenn Bienen zur Beute werden

Bienen werden immer seltener – und damit zum Objekt der Begierde. Das müssen auch die Imker im Landkreis feststellen. Immer wieder verschwinden ganze Völker spurlos. Im Verdacht haben die Bienenzüchter ihre Kollegen.

Landkreis – Von einem Tag auf den anderen war alles weg. Kästen, Waben und natürlich die Bienen. Zwei komplette Völker mit mehr als 40 000 Tieren – alle verschwunden. „Ich war fassungslos“, sagt Matthias Pichler. Natürlich hatte der Hobby-Imker schon davon gehört, dass immer wieder ganze Bienenvölker gestohlen werden. Doch dieser Kelch würde an ihm selbst vorübergehen, dachte er – er hatte sich geirrt.

Pichler ist sich sicher: Der Dieb war vom Fach. Es muss einer seiner Kollegen gewesen sein. „Man braucht schon Fachkenntnis, um zwei ganze Völker zu klauen.“ Sonst bekomme man die Wehrhaftigkeit der Insekten schnell am eigenen Leib zu spüren. Und der 41-Jährige vermutet, dass sich der Dieb in der Gegend um Olching gut auskennen muss. Denn seine Bienenkästen standen gut versteckt hinter einer Baumgruppe.

Für den Fahrlehrer und Hobbyimker war es doppeltes Pech. Denn eigentlich hätten die Kästen längst an einem sicheren Ort stehen sollen. Nur aufgrund des warmen Oktobers und der vielen von Bauern gepflanzten Ölsaaten – eine wichtige Nahrungsquelle für die Bienen – habe er sie noch stehen lassen.

Ob die Diebe viel Freude mit ihrer Bienenbeute haben, darf angezweifelt werden. Denn besonders jetzt bei den niedrigen Temperaturen bedeute der Diebstahl womöglich großen Stress für die Tiere. Um den Stock und die Königin konstant warm zu halten, bildeten die Bienen eine Kugel. Seien die Diebe zu unachtsam mit ihrer Beute umgegangen, könnte sich der überlebenswichtige Verband aufgelöst haben.

Matthias Pichlers Verlust ist kein Einzelfall. „Das passiert in den letzten Jahren leider immer öfter“, sagt Walter Dürl, Vorsitzender des Imkervereins Fürstenfeldbruck und Umgebung. Auch er ist sicher, dass andere Imker hinter den Diebstählen stecken. Imkern liege im Trend. Doch nicht alle selbst ernannten Honigproduzenten machen sich die Arbeit, sich die nötigen Fachkenntnisse anzueignen. Gut in Erinnerung hat Dürl den Fall eines „Kollegen“ im westlichen Landkreis. Auch dieser habe mehrere Völker gestohlen und sei dumm genug gewesen, sich im Internet auf Facebook mit seiner Imkerkunst zu brüsten. So konnte er am Ende auch überführt werden.

Teilweise seien aber auch organisierte Verbrecher am Werk. In einer beispiellosen Diebstahlserie wurden etwa entlang des Lechs vergangenes Jahr rund 200 Völker gestohlen. „Das zeugt schon von hoher krimineller Energie“, sagt Dürl.

Um den Dieben das Leben schwer zu machen, rät der Vereinsvorstand Imkern, ihre Kästen individuell zu kennzeichnen. Dann müssten Langfinger, um nicht aufzufliegen, die Boxen erneuern. Vielen sei das aber zu viel Arbeit. Außerdem sei es sinnvoll, mit Anwohnern und Landwirten zu sprechen. So wüssten diese, wem die Bienen gehören. Machen sich dann Fremde an den Stöcken zu schaffen, könne man gleich die Polizei rufen. Das sehen die Beamten auch als einzige Chance, der Bienendiebe habhaft zu werden. „Wenn man sie nicht auf frischer Tat ertappt, wird es schwierig“, erklärt Herbert Kanz von der Olchinger Polizei, die auch Matthias Pichlers Fall aufgenommen hat.

Der bestohlene 41-jährige Imker hat sich mittlerweile mit seinem Schicksal abgefunden. Er will weitermachen, sich neue Bienenvölker kaufen. „Allzu oft sollte das aber nicht mehr passieren.“

von Tobias Gehre

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