Die zwei Türme: Der Entwurf mit den beiden Eingangsgebäuden hat grünes Licht bekommen – aber noch geht es nur um bauliche Rahmenbedingungen.

Olching

Neues Bahnhofsviertel: Jetzt sind die Bürger wieder gefragt

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 Die Pläne für die Olchinger Bahnhofsmitte stoßen auf reges Interesse bei der Bevölkerung.

Olching – Die Zuschauer auf der Empore im Rathaus bewiesen ordentlich Sitzfleisch: Bis die Entscheidung des Stadtrates am Donnerstag fiel, vergingen Stunden – zuvor war nämlich auch noch der Haushalt dran. Am Ende stimmte eine deutliche Mehrheit dafür, den Bebauungsplanentwurf in die öffentliche Beteiligung zu schicken. Jetzt sind also wieder die Bürger gefragt.

Neuer Supermarkt

Noch steht allerdings nicht fest, wer genau das Bahnhofsviertel bauen wird und wie es dann ganz konkret aussieht. Sicher ist aber: Es handelt sich um ein urbanes Gebiet, auf dem Wohnungen, Geschäfte und Gaststätten zugelassen sind. Auf jeden Fall soll ein Supermarkt im Erdgeschoss eines der Hauptgebäude einziehen. Denkbar sind laut Stadtverwaltung außerdem ein Bürgerbüro oder ein Kino. Das Investitionsvolumen beträgt 100 Millionen Euro. Nicht nur deshalb gilt die Paulusgrube als ein Jahrhundertprojekt.

Lärmschutz

Nach neun Jahren Planung und Beteiligung von Bürgern, Experten und Behörden wie der ÖPNV-Stelle des Landratsamtes beschäftigten die Fraktionen nun die Details. CSU- Bürgermeisterkandidat Maximilian Gigl forderte eine schallschluckende Oberfläche für die Nordseite der Gebäude. „Die Anwohner der gegenüberliegenden Straßen, also etwa Lilien- und Blütenstraße, sollen vor der Lärm-Reflexion geschützt werden“, erklärt Gigl auf Tagblatt-Nachfrage. Ein ähnliches Problem habe es schon bei einem Projekt in Esting gegeben. Laut Bauamtsleiter Markus Brunnhuber sei der Wert mit unter einem Dezibel jedoch quasi nicht wahrnehmbar. Dennoch folgte das Gremium Gigls Anregung.

Parkplätze

Eine weitere Forderung der CSU: Die zentrale Tiefgarage nahe des Bahnhofs soll zweistöckig gebaut werden. Vize-Bürgermeisterin Maria Hartl präzisierte das noch: An der Bahnhofstraße würden 109 Parkplätze wegfallen, in der Tiefgarage kämen nur 150 dazu. Hartl wünschte sich mindestens 300 Parkplätze. „Die Leute drängen ja jetzt schon in die Seitenstraßen, da gibt es immer wieder Beschwerden.“

Bürgermeister Andreas Magg (SPD) erklärte, dass die neuen P&R-Plätze (an der Nordseite gibt es jetzt bereits 300) auf der gegenüberliegenden Seite an der alten Bahnmeisterei vorgesehen seien. Die Tiefgarage am Bahnhof sei nur für Kunden der Geschäfte gedacht – und für Fahrgäste der Bahn, die schnell von jemandem abgeliefert oder geholt werden (Kiss & Ride). Die Bahn ist mittlerweile mit im Boot und will ein eigenes Bahnhofsgebäude errichten.

Architektur

Die CSU hat zumindest für die stadteigenen Flächen optisch konkrete Vorstellungen: „Wir erwarten eine herausragende architektonische Gestaltung.“ Sollte das Projekt an einen Investor gehen, was als wahrscheinlich gilt, sollte dieser nicht in klassischer „Schuhkarton-Weise“ bauen dürfen. Marina Freudenstein (SPD) konnte damit wenig anfangen. „Ich möchte mit niemanden darüber diskutieren, was eine herausragende Gestaltung ist. Da werden wir uns nie einig.“ Freudenstein mahnte außerdem: „Jedes weitere Stockwerk in der Tiefgarage zieht mehr Verkehr an.“ Und das sei nicht im Verkehrsgutachten berücksichtigt worden.

Kritische Stimmen

Innerhalb der Fraktion der Grünen wurde unterschiedlich abgestimmt. Sprecherin Ingrid Jaschke stimmte für den Entwurf, um das Verfahren voranzubringen – allerdings unter Vorbehalt. Sie stellte erfolgreich den Antrag, die Stadt möge einen so genannten Vorhaben- und Erschließungsplan (VEP) heranziehen. Damit wird im Prinzip der Spielraum für zukünftige Investoren festgezurrt.

Jaschke sagte außerdem, dass sie der Verdoppelung der Tiefgarage nicht zustimmen werde. „Wir ersticken im Blech.“ Der Individualverkehr müsse eingedämmt werden. Mit diesem Kompromiss konnte sie aber leben: Zwischen 250 und 300 Parkplätze sollen geschaffen werden, im Prinzip, wie Nutzung und Stellplatzverordnung es schon jetzt vorgeben.

Ihre Fraktionskolleginnen Christina Claus und Heide Kuckelkorn stimmten gegen das Vorhaben. Claus fürchtet ein absolutes Verkehrschaos und hätte sich mehr Bäume und Grünfläche gewünscht. Kuckelkorn kritisierte außerdem die unübersichtliche Verkehrssituation für Radfahrer.

Die Freien Wähler Olching (FWO) hatten sich bereits im Vorfeld gegen die „verfehlte Planung“ ausgesprochen. Ewald Zachman sagte: „Stoppen Sie das.“ Man sollte den Entwurf nun nicht schnell vor der Kommunalwahl durchdrücken, sondern alles noch einmal genau überprüfen. Dafür gab es sogar Applaus von der Empore.

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