Dieser Entwurf ist das Ergebnis neunjähriger Planung.

Olching

Paulusgrube: Wutrede gegen Pläne für Bahnhofsquartier

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Im Herzen von Olching soll ein neues Viertel entstehen – ein Jahrhundertprojekt. Seit neun Jahren läuft die Planung für Geschäfte, Wohngebäude und Verkehr bereits, nun ist die Zielgerade in Sicht. Der Stadtrat könnte am Donnerstag Grünes Licht geben. Nur die Freien Wähler Olching protestieren.

Olching – Die FWO-Vertreter Bernhard Nickel und Alt-Bürgermeister Ewald Zachmann haben als einzige in den Vorberatungen dagegen gestimmt. Sie blieben ihrer Linie treu. Es ging um die Änderung des Bebauungsplanentwurfs „Paulusgrube“, also die baulichen Rahmenbedingungen. Die Entscheidung über das Vorhaben, das auf 100 Millionen Euro beziffert wird, trifft am Donnerstag der Stadtrat. Damit würde es einen entscheidenden Schritt vorangehen, nachdem auch die Bahn im Boot ist. Bis die Bagger anrollen, dauert es aber noch.

Angst vor Investor

Doch offenbar geht bei einer Fraktion schon jetzt die panische Angst vor dem urbanen Einheitsbrei um. FWO-Stadtrat Zachmann monierte, dass das Planungsprinzip auf dem Motto beruhe: „Wer bietet am meisten? Der bekommt es“. Bewusst hätte man die Rahmenbedingungen so offen wie möglich gehalten, um ja keinen Investor abzuschrecken. „Es geht nicht um die Bedürfnisse der Stadt, sondern wie das Projekt auf dem Markt ankommt.“ Die neue Stadtmitte funktioniere aber nur mit einem Nutzungsmix aus öffentlichen Einrichtungen und anderen. Zachmann empörte sich: „Eine Stadt wie Olching mit 28 000 Einwohnern hat kein Bürgerhaus.“

Der Alt-Bürgermeister hatte bereits in der Vergangenheit immer wieder den Wunsch geäußert, ein neues Rathaus auf dem Areal anzusiedeln. Bürgermeister Andreas Magg (SPD) hatte immer wieder betont, dass dies kein solcher Frequenzbringer für die Innenstadt sei wie ein Lebensmittelladen. Zachmann hatte sich auch immer wieder gegen einen Investor ausgesprochen. Magg wurde da in den vergangenen Monaten recht deutlich: Ein Projekt mit einem derartigen Volumen könne die Stadt, die die Grundstücke rund um den Bahnhof (der der Bahn gehört) besitzt, nicht stemmen. Was passiere, wenn man so etwas in fremde Hände gibt, sei deutlich am Geiselbullacher Gewerbegebiet an der B 471 zu sehen, so Zachmann. „Da hieß es auch, dass nie ein McDonald’s hinkommt.“

Bürgermeister Magg entgegnete: „Sie vergleichen Äpfel mit Birnen.“ Auf dem Geiselbullacher Areal habe im Gegensatz zur Bahnhofsmitte der Stadt kein Grundstück gehört. Nun hätte man Einflussmöglichkeiten, etwa durch einen Vertrag.

Sorge wegen Lärm

Dass die Grundstücke unter Wert verkauft werden könnten, fürchtete FWO-Stadtrat Nickel. Er äußerte sich skeptisch gegenüber dem Investitionsvolumen von 100 Millionen Euro, das immerhin entscheidend dafür sei, dass man das Projekt aus der Hand gibt. Laut Bauamtsleiter Markus Brunnhuber handelt es sich um eine Expertenschätzung.

Zachmann führte außerdem an, dass noch etliche Fragen zu klären seien. Die gesamte Lärmsituation sei nicht bewältigt. „Grenzwerte werden dort erheblich überschritten, insbesondere nachts.“ Es sei nicht untersucht worden, wie sich die Bebauung auf die Hauptstraße auswirke, auf Gastronomie und Gewerbe. „Diese Planung ist meines Erachtens völlig verfehlt.“

Bürgermeister Magg antwortete darauf ähnlich scharf. „Ich habe in meinen 18 Jahren selten erlebt, wie man so viele Nebelkerzen zünden kann.“ So hätte es zum Beispiel ein Einzelhandelsgutachten gegeben, das einen Vollsortimenter an der Stelle forderte. Magg spielte zudem auf die Entscheidungen an, die Zachmann selbst als Bürgermeister getroffen hat: „Haben Sie beim Schwaigfeld-Bebauungsplan gewusst, was das entsteht? Dass da ein Edeka reinkommt?“ Die Stadt hätte noch alles in der Hand – mit dem Bebauungsplan müssten erst einmal die wesentlichen Fragen geklärt werden.

Mehrheit ist dafür

Die anderen Fraktionen stimmten für den Plan. Ingrid Jaschke (Grüne) stellte jedoch fest: „Das mit dem Lärm ist mir auch aufgefallen.“ Sie forderte deutlich mehr Radlparkplätze als die bisher geplanten 900. Der CSU-Bürgermeisterkandidat Maximilian Gigl nannte die Entwürfe „charmant“. Es sei Zeit, endlich vorwärts zukommen. „Sonst sind noch fünf Stadtratsgenerationen damit beschäftigt.“ Seine Fraktionskollegin Maria Hartl erinnerte daran, die Möglichkeit zu nutzen, mehr Parkplätze zu schaffen. Aus der SPD-Fraktion betonte Fritz Botzenhardt: „Wir bleiben Herr des Verfahrens, das ist wichtig für mich.“

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