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Radler protestieren erneut und fordern mehr Platz im Straßenverkehr

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Sie kommen in Frieden: 30 Teilnehmer radelten am Samstag bei der zweiten Critical Mass durch Olching. MIt-Initiatorin ist Ingrid Jaschke don den Grünen (r.). „Man redet immer über Dieselverbote und emissionsfreie Mobilität, aber Fahrradfahren ist kostengünstiger als ein Verbot dieser Art.“Josef Simon, Teilnehmer der Veranstaltung © Weber

Sie wollen den Platz auf der Straße einfordern, der ihnen zusteht: Bereits zum zweiten Mal radelte eine Gruppe im Rahmen einer „Critical Mass“-Veranstaltung durch Olching.

Olching –  Bei der Premiere hagelte es teilweise heftige Kritik. Es war auch von Provokation die Rede. Diesmal gab es vorab ein Gespräch mit Polizei und Landratsamt. 

Die Route war zunächst geheim. Erst als die Radler am Treffpunkt an der Straße „Am Vogelherd“ eintrudelten, wurde sie festgelegt. Die Tour, zu der die Grünen eingeladen hatten, ging über den Nöscherplatz, die Schulstraße entlang, durch Geiselbullach und zurück nach Olching. 80 000 Teilnehmer wie bei der größten Veranstaltung dieser Art 2008 in Budapest waren es zwar nicht. Aber immerhin schwangen sich 30 Menschen bei mittelmäßigen Wetteraussichten am vergangenen Samstag auf den Drahtesel. Im Verbund demonstrierten sie für ihre Rechte – wobei von einer Demonstration ausdrücklich nicht die Rede ist.

Radler wollen den ihnen zustehenden Platz einfordern

„Ziel ist es, mit einem konzentrierten Auftreten von Fahrradfahrern zu zeigen, dass Radfahrer den Verkehr nicht stören, sondern ein Teil davon sind“, erklärt Grünen- Stadträtin Ingrid Jaschke. Auf keinen Fall gehe es darum, andere zu provozieren oder Stress zu erzeugen. „Wir wollen den uns gemäß der Straßenverkehrsordnung zustehenden Platz einfordern.“

Auch die „Critical Mass“-Veranstaltung bewege sich im Rahmen der Verordnungen. „Gewisse Dinge müssen eingehalten werden, die sind in Paragraf 27 niedergeschrieben“, betont Jaschke. Demnach darf man zu zweit nebeneinander auf der Fahrbahn fahren, wenn ein Sicherheitsabstand ohne große Lücken eingehalten wird. Ab 16 Mitfahrern ist der Radwegebenutzungszwang aufgehoben.

Bei Rot über die Ampel ist erlaubt

Der der Verband darf zudem Kreuzungen und Ampeln geschlossen durchfahren, auch wenn die Ampel in der Mitte der Gruppe auf Rot wechselt. Hier darf aber keine Konfrontation mit anderen – nicht wissenden – Verkehrsteilnehmern entstehen. Bei der Premiere der Olchinger Critical Mass im April kam unter anderem die Frage auf, ob es sich nicht um eine Demonstration handle, die wiederum einer Anmeldung beim Landratsamt bedürfe.

„Wir haben uns letzte Woche mit dem Landratsamt und der Polizeiinspektion Olching zusammengesetzt und das Ganze durchgesprochen“, sagt Jaschke. Dabei kam heraus, dass sie keine Demonstration anmelden müssen, da es sich nicht um eine Versammlung handle. 

Innerorts weniger Beschwerden

Teilnehmer Joachim Niehoff, 63 Jahre alt, ist bereits zum zweiten Mal dabei. Bei der ersten Tour hätten viele Autofahrer lautstark gehupt und riskante Überholmanöver hingelegt. Seine Erfahrung ist bisher: „Vor allem außerorts, bei höheren Geschwindigkeiten, wurden die Überholmanöver gefährlicher und auch die Beschwerden der Autofahrer mehr.“ Innerorts hätte es weit weniger Probleme gegeben.

Laut Grünen-Stadträtin Jaschke sei ab 16 Mitradlern ein Radfahrerverband gleichzuschalten mit einem Lastkraftwagen. „Da beschwert sich außerorts ja auch niemand, wenn ein Lkw den Verkehr behindert.“ Sie stelle sich die Frage, wieso gerade die Fahrradfahrer so stören würden.

Mehr politischer Mut

Ein weiterer Mitstreiter in der Sache ist der 50-jährige Energieanlagenelektroniker Josef Simon. Er wünscht sich mehr politischen Mut. „Man redet immer über Dieselverbote und emmissionsfreie Mobilität, aber Fahrradfahren ist kostengünstiger als ein Verbot dieser Art.“ Er sehe gerade bei Baustellen ein großes Ungleichgewicht. „Oft gibt es dann zwei Autospuren und einen Gehweg, aber keinen Fahrradweg.“ So müssen Radler auf den Gehweg ausweichen, was eigentlich verboten sei. Mit den Protest-Radltouren soll auf Diskriminierung und Probleme hingewiesen werden.

Die 52-jährige Petra Balzereit radelt ebenfalls bei der Critical Mass mit. Sie findet: „Mehr Radwege fördern die Sicherheit aller Verkehrsteilnehmer.“ Aber sie verstehe auch ein Problem vieler Autofahrer. „Im Sommer nutzen viele Rennradfahrer die Straße, obwohl ein paar Meter daneben oft ein gut erhaltener Radweg ist.“ Dies sei ein Punkt der viele Autofahrer stören, unnötigen Stress und Gefahren entstehen ließe. Doch die Gemeinden und Städte im Landkreis könnten etwas dagegen unternehmen, glaubt sie.

Vorbild Niederlande

Große und breite Gehwege könne man auch zu Geh- und Radwegen umfunktionieren. Eine weitere Lösung könnten die Niederlande bieten, so der Vorschlag von Radler Joachim Niehoff. Er war schon des Öfteren bei unseren Nachbarn zu Besuch und weiß: „Seit den Siebziger Jahren wird hier Wert auf eine Kultur des Miteinanders im Verkehr gelegt, dies fehlt uns.“

Tatsächlich gibt es in Amsterdam mehr Fahrradfahrer auf der Straße als Autofahrer. Der Hauptbahnhof der Stadt bietet sogar Platz für bis zu 3000 Fahrräder. Hiervon ist der Landkreis Fürstenfeldbruck jedoch noch weit entfernt. (Matthias Gschwind)

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