Olchings Bürgermeister Andreas Magg.

Appell an Eigentümer

Olching sucht händeringend nach Wohnungen

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Die Stadt Olching richtet einen dringenden Appell an ihre Bürger: Wer kann, soll freien Wohnraum zur Verfügung stellen. 48 Menschen benötigen Obdach, darunter vor allem Familien mit Kindern.

Bürgermeister Andreas Magg (SPD) schildert die Lage im Interview.

Ihr Aufruf wirkt sehr alarmierend. Sind denn viele Olchinger von Obdachlosigkeit bedroht?

Die Tendenz ist leider wieder steigend. Bis 2016 umfasste der betroffene Personenkreis relativ konstant um die zehn Menschen, seit etwas über einem Jahr steigen die Fallzahlen. Momentan benötigen 48 Mitbürger Obdach, darunter vor allem Familien mit Kindern, was die Situation natürlich verschärft. Hinzu kommen über 100 sogenannte Fehlbeleger (anerkannte Asylbewerber, die allerdings noch keine Wohnung finden, Anm. d. Red.), die aktuell in Asylunterkünften untergebracht sind, aber mittelfristig ausziehen können sollen.

Wie kam es dazu, dass die Menschen in eine soziale Notlage geraten sind?

Mitbürger verlieren aus den unterschiedlichsten Gründen, häufig ohne ihr eigenes Zutun, ihr Dach über dem Kopf. In vielen Fällen ist das lediglich der letzte Schritt in einer Reihe von unglückseligen Vorkommnissen, zum Beispiel Jobverlust, Verlust des Ehepartners oder Krankheit. Wir sind verpflichtet, diesen Menschen zu helfen.

Der Appell richtet sich an alle Olchinger, die leerstehende Wohnungen und Appartements besitzen. Denken Sie denn, dass viele Eigentümer sich gerade Mieteinnahmen entgehen lassen?

Ich bin mir sicher, dass in Olching zahlreiche Einliegerwohnungen leer stehen, weil die Eigentümer auf das Geld nicht angewiesen sind und keine Lust haben, sich den Stress mit möglicherweise unzuverlässigen Mietern anzutun. Tatsächlich stellen diese Wohnungen aber eine wichtige Ressource in unserer Stadt dar. Ich hoffe, dass wir die Eigentümer mit der Sicherheit der Stadt Olching als Mieter zur Vermietung bewegen können. Dieses Modell funktioniert anderswo bereits mit gutem Erfolg.

Das heißt die Stadt bürgt für die Mieter.

Der Vermieter schließt einen Vertrag mit der Stadt ab, die auch die Mietzahlungen übernimmt. Der Vermieter kann sich sicher sein, dass er seine Mieteinnahmen ohne Umschweife pünktlich erhält. Langfristig soll es natürlich das Ziel sein, dass Vermieter und Bewohner ein Vertrauensverhältnis aufbauen und möglicherweise ein Mietverhältnis direkt zwischen Vermieter und Bewohner geschlossen werden kann.

Ist auch angedacht, dass die Stadt das Privateigentum erwirbt?

In den häufigsten Fällen wird es vermutlich zu einem Mietverhältnis kommen. Aber auch Ankäufe sind denkbar.

Wie viele Wohnungen besitzt die Stadt zur Zeit – und was ist für die Zukunft geplant?

Die Stadt hat derzeit rund 250 Wohnungen mit kostengünstiger Miete im eigenen Bestand. In den kommenden Jahren werden rund 30 neu dazu kommen. Außerdem sind derzeit zwei Projekte durch Private im Rahmen des geförderten Wohnungsbaus in Planung, die wir unterstützen. Hier erwarten wir bis zu 60 solcher Wohnungen.

Wie beurteilen Sie den Wohnungsmarkt in Olching gerade?

Der Wohnungsmarkt ist, wie überall im Münchner Umland, extrem angespannt. Insbesondere für Geringverdiener ist es schwierig, da sich Vermieter ihre Mieter praktisch aussuchen können.

FDP-Vertreter: Staat mischt sich zu sehr ein

Andreas Teichmann (FDP). 

Die Vertreter der Stadtrats-Fraktionen nutzten wie üblich die Gelegenheit, vor Verabschiedung des Haushalts bei der Sitzung am Donnerstag eine Rede zu halten. Eines der dominierenden Themen war der soziale Wohnungsbau. Bürgermeister Andreas Magg (SPD) sagte, dass man hier „massiv“ investiere, subventioniert von der Regierung. CSU, SPD, Freie Wähler und Grüne waren sich zumindest einig darin, dass die dringende Notwendigkeit bestehe, sozialen Wohnungsbau voranzutreiben. FDP-Stadtrat Andreas Teichmann durchbrach die Harmonie: Er rezitierte minutenlang eine Passage aus „Also sprach Zarathustra“ vom Philosophen Friedrich Nietzsche. 

In dem entsprechenden Kapitel geht es um den „neuen Götzen“, eine bissige Kritik an der Übermacht des Staates („Ich, der Staat, bin das Volk“). Im Anschluss formulierte Teichmann seinen Unmut in eigenen Worten: „Energie, Wohnen, alles soll der Staat übernehmen.“ Die Kommune solle sich auf das konzentrieren, für was sie da ist, so Teichmann. Er werde dem Haushaltsplan nicht zustimmen. Heftigen Gegenwind bekam Teichmann von Alfred Münch (SPD): „Diese soziale Eiseskälte lässt mich erschauern. Es gibt Menschen, die nicht wie wir dafür sorgen können, dass es ihnen saugut geht.“ 

Bürgermeister Magg teilte auch in Richtung FDP aus: „Ihre Partei weist ständig daraufhin, was der Staat tun soll, etwa beim Breitbandausbau.“ Der Haushalt mit einem Gesamtvolumen von rund 70 Millionen Euro wurde letztendlich mit vier Gegenstimmen durchgewunken – Teichmann und drei Mitglieder der Grünen, letztere allerdings aus völlig konträren Gründen. Fraktionsvorsitzende Ingrid Jaschke hätte sich unter anderem ein genossenschaftliches Wohnmodell für das Projekt „Großer Berg“ gewünscht.

Kommentar

Man muss dem FDP-Stadtrat Andreas Teichmann zugute halten, dass er für die liberalen Grundwerte seiner Partei eintritt. Völlig daneben ist aber die Art und Weise. Man will ihm den Nietzsche – ausgerechnet – aus der Hand reißen und ihm den Gehaltszettel eines Durchschnittsverdieners mitsamt dem Mietspiegel auf den Tisch knallen. Denn während Teichmann über Staatstheorie sinniert, hat der freie Markt in Ballungsräumen wie Olching längst Fakten geschaffen: Wohnen ist Luxus, nicht nur für Menschen in sozialen Notlagen. Auch Bäcker, Sprechstundenhilfen und Kindergärtnerinnen wissen nicht, wie sie neben Miete noch Altersvorsorge bezahlen und die Familie versorgen sollen. Oder: Wie sie überhaupt Miete zahlen sollen. Das ist keine philosophische Frage mehr. Die Stadt muss handeln. Kathrin Garbe

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