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An Marktsonntagen ist die Innenstadt bereits gesperrt.

in Olching

Testlauf für autofreie Samstage im Zentrum

  • Kathrin Böhmer
    vonKathrin Böhmer
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Die Olchinger Innenstadt bietet viele Einkaufsmöglichkeiten, allerdings auch jede Menge Verkehr. Jetzt will man unter Umständen autofreie Samstage nachdenken. Doch so einfach ist das nicht.

Olching – Den Stein ins Rollen brachte Michael Kircher – jetzt Stadtrat der Grünen, zuvor Vorsitzender des Behindertenbeirats. Vor allem ältere Menschen, die eine Behinderung haben und auf Rollatoren angewiesen sind, seien auf ihn zugekommen. „Sie haben mir berichtet, dass das Queren der Hauptstraße für sie aufgrund des Verkehrs nicht möglich ist.“ Die dafür vorgesehenen Stellen liegen für mobil eingeschränkte Menschen weit auseinander. „Die Hauptstraße ist ja schon seit 20 Jahren ein Problem. Ich würde gerne eine Zone schaffen, wo sich alle Menschen begegnen können.“ 

Einen Versuch für den autofreien Samstag in Olching starten

Kircher hatte deshalb die Idee, jeden ersten Samstag im Monat Autos aus der Innenstadt zu verbannen. „Da hat mir meine Fraktion aber gleich gesagt, dass sich das nie durchsetzen ließe.“ Der Kompromiss: Erst einmal ein Testlauf am ersten Samstag im August und im September. Ein erster Antrag im vergangenen Advent stieß im Rathaus auf Sympathie, allerdings hielt man die Sommermonate für geeigneter. Nicht zuletzt, weil das Vorweihnachtsgeschäft für die Läden so wichtig sei. 

Kircher blieb dran und legte sein Anliegen nun erneut vor. Am Donnerstagabend beschäftigte sich der Hauptausschuss damit. Eigentlich wäre dies auch eine Angelegenheit für den Stadtentwicklungsausschuss, wie zwei Stadtratsmitglieder monierten. Doch Bürgermeister Andreas Magg (SPD) und die Verwaltung sahen den Fokus auf dem wirtschaftlichen Bereich. 

Bürgermeister findet Idee des autofreien Samstags gut

Magg gehört zu den Befürwortern der Idee. „Wir haben einen starken Einzelhandel, sind im Umland sogar bekannt dafür.“ Gerade in der Corona-Krise habe sich gezeigt, wie stark die Online-Konkurrenz sei. Maggs Credo: Die Innenstadt muss attraktiv sein, die Aufenthaltsqualität hoch, damit die Läden überleben. Den Verkehr langfristig aus der Hauptstraße zu verbannen, um zum Beispiel eine Fußgängerzone einzurichten, sei in Olching aber nicht möglich. Ein Tempo-30-Versuch sei am Landratsamt gescheitert. „Irgendwie geht im Landkreis Fürstenfeldbruck nicht, was an anderen Orten in Oberbayern durchaus möglich ist.“ 

Magg hält es für richtig, nicht nur an den Marktsonntagen, sondern auch an einem regulären Tag einmal auszuprobieren, wie es mit der autofreien Zone funktioniere. Und zu sehen, welche Auswirkungen das auf den Handel habe. Weiterer Knackpunkt: Wohin fließt der Verkehr, wenn er nicht mehr durch die Hauptstraße kann? Laut Magg handelt es sich vor allem um Olchinger, die die Straße nutzen – weniger um Durchgangsverkehr von außen. 

Auch Kritik an der Idee des autofreien Samstags in Olching

Dennoch fürchtet zum Beispiel CSU-Vize-Bürgermeister Maximilian Gigl einen „Verkehrskollaps“. „Man kann ja schon an den Marktsonntagen sehen, wie es an der kleinen Unterführung zugeht.“ Auch sein Fraktionskollege Robert Meier sieht die Sache skeptisch. „Am Samstagvormittag ist die Hauptstraße am stärksten frequentiert.“ Da arbeite man daran, die umliegenden Straßen wie die Feldstraße vom Verkehr zu befreien, und dann bewirke man mit so etwas das Gegenteil. Auch Ewald Zachmann (FWO) äußerte Kritik: „Der Sinn erschließt sich mir nicht. Wir haben doch die autofreien Marktsonntage.“ 

Mehrheit für die Prüfung des autofreien Samstags in Olching

Die Mehrheit des Hauptausschusses (8:3) stimmte allerdings dafür, dass die Verwaltung die Durchführbarkeit prüft. „In vielen Kommunen ist das ein ganz großes Thema“, erklärte Dritte Bürgermeisterin Ingrid Jaschke von den Grünen. Gerade in Corona-Zeiten, wo man den Menschen mehr Raum geben muss. Auch die SPD-Fraktion äußerte sich positiv: „Was war das damals für ein Aufschrei, als die Sendlinger Straße in München zur Fußgängerzone werden sollte. Und jetzt kann man ja sehen, wie gut das klappt“, so Fritz Botzenhardt. 

Auch Tomas Bauer (CSU) hält die Idee für „bestechend“. Die Vertreter der Geschäftswelt haben ebenfalls nichts gegen einen Testlauf und eine tageweise Verbannung des Verkehrs in den Sommermonaten. „Eine dauerhafte Einführung einer autofreien Zone erachten wir jedoch als problematisch“, wie Nadine Klinder vom Stadtmarketing mitteilt. Die Erfahrung zeige, dass die Parkplätze vor den Geschäften von den Kunden begrüßt werden und somit Umsatz bringen. Und gerade Menschen, die körperlich eingeschränkt sind, seien darauf angewiesen, direkt vor Ärztehäuser und Gesundheitsbetriebe fahren zu können.

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