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„Umgehung bauen!!!“ heißt es auf den Schildern, die entlang der Fürstenfeldbrucker und Roggensteiner Straße an fast jedem Zaun hängen.

Anwohner sind vom Verkehr genervt

Umfahrung: Das steckt hinter der Plakat-Flut

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Seit vergangener Woche sind zwei Straßen in Olching gespickt voll mit weiß-roten Plakaten. Darauf fordern vom Verkehr genervte Anwohner den Bau der Südwest-Umfahrung.

Olching – Die schlichten Plakate ragen schon allein wegen ihrer großen Anzahl aus dem Wahlkampf-Schilderwald heraus. An fast jedem Zaun in der Fürstenfeldbrucker und Roggensteiner Straße ist seit Ende vergangener Woche in roten Lettern zu lesen „Umgehung bauen!!!“. Im Internet und bei den Umfahrungs-Gegnern fand ein großes Rätselraten statt, wer dahinterstecken könnte.

Der Verdacht fällt schnell auf Maria Hartl (CSU). Olchings Vize-Bürgermeisterin ist eine jahrzehntelange Verfechterin der Ortsumfahrung und selbst Anwohnerin der Fürstenfeldbrucker Straße. Doch Hartl wiegelt ab: „Ich war nur beratend tätig – zum Beispiel bei der Frage, was auf den Schildern stehen soll.“ Der Anstoß für die Aktion ging von den Anwohnern selbst aus, betont Hartl.

Plakat der Grünen erregt die Gemüter

Einer davon ist Klaus Ruttloff. Der 76-Jährige wohnt in der Roggensteiner Straße und ist seit Jahren Mitglied bei der „Interessensgemeinschaft Ortsumgehung Olching“. Besonders auf die Palme brachte ihn jetzt ein aktuelles Plakat der Grünen, auf dem ein Informationsabend mit Umfahrungsgegner Martin Runge (Grüne) und Gert Schlenker (Bürgerinitiative Ortsentwicklung Olching, BIOO) beworben wurde. Auf dem Plakat war zu lesen: „Ja zum Schutz von Natur und Anwohnern. Nein zur SWU.“

Dabei waren die Anwohner des von der Umfahrung betroffenen Olchinger Südwestens gemeint und nicht die der zwei Straßen, wie BIOO-Sprecher Gert Schlenker erklärt. Für Ruttloff eine Frechheit: „Ich gönne denen ihr lärmbereinigtes Wohngebiet, aber wir fühlen uns hier wie Menschen dritter Klasse.“ Deshalb habe er die etwa 150 Euro für den Druck der Plakate in die Hand genommen und ist mit anderen Unterstützern von Haus zu Haus gegangen. „Wir haben jeden Anwohner gefragt, ob wir die Schilder aufhängen dürfen.“

Laut Gutachten bringt die Umfahrung keine Entlastung

Umfahrungsgegner Schlenker hält die Plakate für ungeeignet: „Die Schilder sagen ja nichts aus.“ Der Protest der Straßenanwohner sei aber gerechtfertigt, so Schlenker weiter. Die Umfahrung werde jedoch keine wirkliche Entlastung bringen. Das zeige das amtliche Gutachten. Die Umfahrung locke nur noch mehr Verkehr an. Und Lkw, die nach Gröbenzell müssen, würden ohnehin über die südliche Roggensteiner Straße wieder nach Olching einfahren. „Die Anwohner haben dann noch eine Mehrbelastung“, sagt Schlenker.

Grünen-Stadträtin Heide Kuckelkorn hat selbst schon versucht, mit den betroffenen Bürgern über Alternativen zur Umfahrung zu reden, wie sie sagt. Die Fronten seien jedoch verhärtet. „Das ist schade, weil wir doch alle dasselbe wollen – weniger Verkehr.“ Der werde in den kommenden Jahrzehnten ohnehin abnehmen, meint Kuckelkorn. Da wäre so ein veraltetes Straßenbauprojekt ein falsches Zeichen. „Das Geld für die Umfahrung könnte man lieber in sinnvollere Projekte wie die Sanierung der beiden Straßen stecken“, sagt Kuckelkorn.

Anwohner wären dankbar über jedes Auto weniger vor der Haustür

Klaus Ruttloff bleibt jedoch bei seiner Meinung: „Ich wäre für jedes Auto weniger vor meiner Haustür dankbar.“ Die Schilder will er noch mindestens bis zur Kommunalwahl im März hängen lassen. Für die Stadt Olching kein Problem, sagt Ordnungsamtsleiter Christian Richter. Da die Plakate nicht auf öffentlichem Grund hängen oder den Verkehr beeinträchtigen, bestehe für die Stadt kein Handlungsbedarf.

Die Südwest-Umfahrung ist schon seit Jahrzehnten Wahlkampfthema in Olching. Die Befürworter erhoffen sich eine merkliche Verkehrsentlastung vor der Haustür. Die Gegner bezweifeln den Nutzen des Projekts und argumentieren mit Umwelt- und Hochwasserschutz.

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