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Noch rollen die Kugeln, aber nur noch bis Ende des Jahres. Dann muss der Billard-Stadl, der für viele Stammgäste aus Olching und Umgebung zum zweiten Wohnzimmer geworden ist, schließen. Für Betreiberin Christina Schäfer ist das bitter. „Der Laden ist mein Leben“, sagt sie.

Gebäude wurde verkauft

Nach 25 Jahren: Billard-Stadl macht dicht

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„Die rote Drei ins Eckloch.“ In fast einem Vierteljahrhundert dürfte dieser Satz im Billard-Stadl in Olching so einige Male gefallen sein. Doch am 31. Dezember wird an den Billardtischen dort die letzte Kugel versenkt. Die Traditionskneipe muss schließen. Im kommenden Jahr hätte der Billard-Stadl am Ilzweg sein 25-jähriges Bestehen feiern können.

Olching Billard, Dart, eine kleine Spielothek oder einfach nur zusammensitzen und ratschen: Die Kneipe bot viele Möglichkeiten, welche die Besucher rege nutzten. 17 Jahre lang führte Christina Schäfer die Geschäfte – in den vergangenen rund zweieinhalb Jahren gemeinsam mit Angelika von Varendorff (50). „Der Laden ist mein Leben“, sagt Schäfer. Doch Ende des Jahres ist Schluss für die 45-Jährige und ihre Geschäftspartnerin, allerdings unfreiwillig. Ein neuer Eigentümer will in dem Gebäude eine reine Spielhalle einrichten.

Der Olchinger Billard-Stadl ist Christina Schäfers Lebenswerk

„Das Haus wurde verkauft“, erzählt Schäfer. Zunächst gab es noch Gespräche über den Verbleib des Billard-Stadls. „Der neue Eigentümer wollte das Gebäude erst noch umbauen, damit wir drin bleiben können.“ Doch dann habe er es sich anders überlegt. „Wir müssen das Feld räumen.“ Für die Germeringerin ist das bitter, schließlich ist Olching mit dem Billard-Stadl für sie zu einer zweiten Heimat geworden. „Ich dachte mal, dass ich das machen könnte, bis ich in Rente gehe“, erzählt Schäfer wehmütig.

Dass sie in der Gastronomie wieder einen Job findet, bezweifelt sie nicht. In einem anderen Lokal zu arbeiten, sei aber nicht das Gleiche. „Schließlich ist der Billard-Stadl mein Lebenswerk.“ Deshalb hat sie auch darüber nachgedacht, mit dem Lokal umzuziehen. „Aber bezahlbare Räume in der nötigen Größe sind nicht zu finden.“

Besonders ärgerlich für Schäfer: „Der Billard-Stadl läuft nach wie vor gut.“ Die zahlreichen Gäste – rund 80 Prozent gehören zur Stammkundschaft – waren alle entsetzt und traurig, als sie vom Ende ihrer Traditionskneipe hörten. Einige ihrer Gäste kennt Schäfer schon, seit diese gerade 16 Jahre alt geworden waren und in den Billard-Stadl gehen durften. „Jetzt haben die selbst schon Kinder“, sagt sie. Für viele Gäste sei das Olchinger Lokal ein zweites Wohnzimmer geworden.

Nach dem Ende der Traditionskneipe will Schäfer eine Bar aufmachen

Das Ende trifft aber auch drei Vereine hart. Neben den beiden Dartgruppen „Silberpfeile“ und „Lost Boys“ hatte auch der BSV Olching seine Heimat in dem Lokal. Der Billardclub ist mit seinen beiden Mannschaften gerade erst in die Landes- beziehungsweise Bezirksliga aufgestiegen und stand plötzlich ohne Spielstätte da. Mittlerweile hat die Stadt den Verein vorübergehend in der alten Schule einquartiert, sodass das Fortbestehen zumindest gesichert ist.

Ähnlich machtlos wie der BSV steht auch Schäfer dem Ende ihres Lebenswerks gegenüber. „Der Pachtvertrag wurde immer nur für ein Jahr verlängert.“ Dass ihr nun gekündigt wurde, „dagegen kann man einfach nichts machen“.

Wie es nun für sie weitergeht, ist noch offen. Am liebsten würde Schäfer eine eigene kleine Bar aufmachen. Schließlich ist sie mit Leib und Seele Gastronomin. „Und mit einer Bar könnte ich mir diese Seele ein klein wenig erhalten.“

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