Halsbrecherisch waren früher die Einlagen des heutzutage etwas in Vergessenheit geratenen Eisspeedway.

Serie: Helden des Lokalsports – heute: Leonhard Oswald

Ossi, der Glatteis-Husar: Im Winter war er der PS-König

Seine ersten Runden im Olchinger Speedway-Stadion drehte Leonhard Oswald noch mehr oder weniger illegal. Doch schon bald ging er erfolgreich für den MSC an den Start und entwickelte sich vor allem in der Folgezeit zu einem der besten deutschen Speedwayfahrer auf Eis.

Olching– Für 2000 D-Mark hat sich Leonhard „Ossi“ Oswald sein ersten richtiges Speedwaymotorrad, eine 500er-ESO aus Tschechien, damals als Jugendlicher gekauft. Freilich ohne das Wissen der Mutter. „Mit Hans Neumaier und Robert Hareiner habe ich dann auf der Speedway-Strecke in Olching trainiert“, erzählt Oswald. Doch erlaubt sei das damals offiziell nicht gewesen. Daher habe das Trio die Kette am Eingangstor aufgezwickt und immer das fehlende Glied mit einem Stück Draht ersetzt.

Leonhard Oswald war eine Größe seiner Zunft. 

Schon von Kindesbeinen an hat sich Leonhard Oswald für den Speedwaysport interessiert. „Mit dem Papa war ich schon bei Rennen dabei“, so der 64-Jährige. Im Alter von zehn Jahren kaufte er sich für zehn D-Mark sein erstes Moped. „In einer Kiesgrube haben wir dann erste Duelle ausgetragen.“ Bevor er dann für einen Verein an den Start ging, hat sich Oswald mit Gleichaltrigen auf freien Feldern gemessen.

Am Fronleichnamstag 1972 bestritt der Kaminkehrerlehrling schließlich sein erstes Rennen und belegte bei der Tageswertung prompt den zweiten Platz hinter Hans Neumaier. Eine Platzierung, die Oswald im Verlauf seiner Karriere noch öfter belegen sollte, unter anderem auch auf internationaler Bühne. Wie etwa beim Rennen im italienischen Bergantino, das zu den größten Erfolgen auf der Sandbahn zählt. Ehe er zwei Jahre lang für Kempten an den Start ging, fuhr Oswald 1973 für seinen Olchinger Heimatverein in der neu gegründeten Bundesliga.

Lange Dornen an den Reifen sorgen für etwas Halt.

Zum absoluten Spitzenfahrer avancierte Oswald dann in der Saison 1975/76 auf einem anderen Untergrund: auf dem Eis. „Das habe ich Otto Weiss zu verdanken“, sagt der 64-Jährige. Der in der Tuning-Szene überaus bekannte Weiss hatte einen überschüssigen Motor und überzeugte den damals 21-Jährigen Oswald, sich im Eisspeedway zu probieren. Oswald machte sich auf den Spikes erstaunlich gut. „Mir hat das auch gleich großen Spaß gemacht.“ Das erste Eisspeedway-Rennen von Oswald war dann 1976 kein geringeres als der Viertelfinallauf der Einzel-WM 1976 in Grenoble. Oswald trumpfte groß auf und stand vor dem Einzug ins Halbfinale. Doch dann der Schock: Er stieß mit einem Konkurrenten zusammen und raste ungebremst in einen gefrorenen Strohballen. Mit dem Gesicht schlug Oswald in die Gabel ein. Es folgte eine 14-stündige Operation. Doch auch dieser Unfall brachte den heute 64-Jährigen nicht aus der Erfolgsspur. Bei der Team-WM 1979 in Kalinin in der ehemaligen Sowjetunion düpierte er sogar die Lokalmatadoren und hatte einen erheblichen Anteil daran, dass sich Team Deutschland die Bronzemedaille sichern konnte.

Ein Jahr nach diesem sensationellen Erfolg verlor Oswald den Spaß am Speedway und legte eine vierjährige Rennpause ein. Doch 1985 meldete er sich mit drei Siegen aus den ersten vier Rennen eindrucksvoll zurück. Bei der WM im niederländischen Eindhoven dann die zweite schwere Verletzung nach einer Kollision: „Meine linke Körperseite wurde durch die Spikes aufgerissen und ich verlor einen Finger“, so Oswald, der seine Laufbahn 1989 beendet hat.

Mittlerweile hat der Olchinger mit dem Seifenkistensport eine neue Leidenschaft gefunden. Zunächst baute er für Enkel Nico einen selbstkonstruierten „Rennwagen“. Inzwischen nimmt die einstige Speedway-Größe selbst an Seifenkistenrennen teil. Oswald: „Es ist eine nette, kleine Szene.“ Sebastian Öl

Die größten Erfolge

1973 wurde Leonhard Oswald Bundesliga-Vizemeister mit dem MSC Olching. Insgesamt vier Weltfinalteilnahmen bei der Einzel-WM im Eisspeedway stehen zu Buche. Darüber hinaus konnte Oswald drei WM-Bronzemedaillen mit dem Team gewinnen (1979, 1986 und 1987).

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