Aufrüttelnde Aktion in Olching

Protest: Tierfreunde kommen mit Hasen ins Rathaus

Auch wegen fehlender Unterstützung durch die öffentliche Hand stehen die Tierfreunde Brucker Land vor dem Aus. Dabei wären Städte und Gemeinden für Fundtiere zuständig, gäbe es die Tierfreunde nicht. Mitglieder des Vereins haben jetzt demonstriert, was ohne sie passieren würde – und haben Fundhasen im Olchinger Rathaus abgegeben.

Olching – Es ist purer Zufall, dass es am Aschermittwoch die Stadt Olching trifft. Es hätte auch jede andere Stadt oder Gemeinde im Kreis sein können. Denn bislang hat sich keine Kommune bereit erklärt, den Tierfreunden Brucker Land mit einer pauschalen Summe (25 bis 50 Cent pro Einwohner und Jahr) unter die Arme zu greifen.

Hintergrund: Der Auffangstation der Tierfreunde in Überacker bei Maisach droht trotz des versprochenen Landkreis-Zuschusses in Höhe von 7200 Euro im Jahr die Schließung, denn die damit finanzierbare Halbtagskraft wäre mit der Aufgabe überfordert. Freiwillige Helfer sind kaum mehr zu finden und die bisherige Tierfreunde-Leiterin Heidi Minderlein muss ihr Ehrenamt aufgeben. Die Tierfreunde haben vor diesem Hintergrund einen Aufnahmestopp verhängt.

Problem allerdings: Am Freitag wurden trotzdem neun Zwergkaninchen in der Station abgegeben, nachdem Unbekannte die Hasen am Wertstoffhof am Olchinger Volksfestplatz entsorgt hatten. Eine aufmerksame Passantin entdeckte die Tierchen und brachte sie natürlich nicht ins Rathaus, sondern nach Überacker in die Tierstation. Deren Mitarbeiter kümmerten sich übers verlängerte Faschingswochenende um die fünf unkastrierten männlichen und vier teils trächtigen weiblichen Langohren. „Tiere werden nicht immer zu Bürozeiten gefunden oder abgegeben“, so Minderlein.

Beim Versuch, die Hasen am Mittwoch wegen des Aufnahmestopps ordnungsgemäß im Fundamt Olching abzugeben, treffen die Tierfreunde auf einen sehr überraschten Ordnungsamtsleiter. „Davon, dass wir ab sofort Fundtiere aufnehmen müssen, habe ich noch nichts gehört“, sagt er in einer spontanen Reaktion. Er verständigt den Geschäftsleiter des Rathauses, Jürgen Koller. Kaninchen in der Amtsstube? Das ist Chefsache. Jürgen Koller leistet amtliche Schützenhilfe und legt den Tierfreunden dringlich ans Herz: „Ich habe vollstes Verständnis für Ihre Aktion, aber nehmen Sie die Tiere bitte wieder mit – bei Ihnen sind sie am besten aufgehoben.“

Beim anschließenden Gespräch gibt sich Koller als Tierfreund zu erkennen. „Ich habe zwei Katzen aus dem Tierschutz und ich bin Mitglied im Vogelliebhaberverein.“ Er verspricht, das Anliegen der Tierschützer an Rathauschef Andreas Magg weiterzuleiten und gibt den Tierfreunden noch einen Tipp: „Kommen Sie zur nächsten Stadtratssitzung am 9. März und nutzen Sie für Ihr Anliegen die aktuelle Viertelstunde.“

Die Verwaltung könne nur vollziehen, was politisch entschieden werde. Er sei durchaus der Meinung, dass in dieser Sache eine vernünftige Diskussion auf Sachebene geführt werden müsse. Koller lässt durchblicken: In einem 50-Millionen-Euro-Haushalt gebe es durchaus Spielraum.

Heidi Minderlein wundert sich in diesem Zusammenhang, dass nach der Bürgermeisterdienstbesprechung, in der die ablehnende Haltung der Rathauschefs deutlich wurde, keine Anweisungen an das Verwaltungspersonal ergingen.

In der betreffenden Versammlung hatten die Bürgermeister argumentiert, dass bei ihnen kaum Fundtiere abgegeben würden und daher kein Handlungsbedarf bestehe. Weiteres Argument der Bürgermeister damals: Hunde oder größere Tiere könnten in Überacker nicht aufgenommen werden, weswegen ohnehin eine Zusammenarbeit mit anderen Tierheimen nötig sei. Freilich hieß es auch, dass eine endgültige Entscheidung noch nicht gefallen sei.

Der Landkreis indes hatte den von ihm erbetenen Zuschuss gewährt, weil er seinerseits durch die Tierfreunde entlastet wird: Denn der Kreis ist für die Unterbringung von Tieren zuständig, die ihren Besitzern wegen nicht artgerechter Haltung weggenommen werden müssen. Der Chef des Veterinäramts im Kreis hatte die Tierfreunde daher sogar als „systemrelevant“ bezeichnet.

System hin oder her: Was passiert nun eigentlich mit den neun Langohren, um sich sich jetzt eigentlich die Stadt Olching kümmern müsste? Natürlich durften die Tierchen am Mittwoch erst einmal zurück in die Auffangstation nach Überacker. Den Tierfreunden geht es schließlich vor allem um eines: Ums Tierwohl. (akk)

Kommentar: Die Bürgermeister machen es sich zu leicht

Wer die Entwicklung in der Debatte um die Tierauffangstation Überacker beobachtet hat, kann kaum umhin, zu folgendem Schluss zu kommen: Die Bürgermeister der Region machen es sich in dieser Sache ein wenig einfach, um nicht zu sagen: Sie machen sich eine schlanke Pfote. 

Vielleicht hilft ja die exemplarische Aktion der Tierfreunde in Olching (siehe Artikel rechts), das Bewusstsein der Verantwortlichen zu schärfen. Fakt ist: Die Bürgermeister wissen ja gar nicht, wie viele Fundtiere in den vergangenen Jahre auf sie zugekommen wären, hätte es die Tierfreunde nicht gegeben. Denn natürlich bringen die meisten Leute Fundtiere nicht ins Rathaus, sondern zum Tierschutzverein (es gibt übrigens noch einen zweiten im Kreis). 

Wir stellen uns kurz einmal vor, wie Verwaltungsmitarbeiter künftig aufgeschreckte (Baby-)Mitzies trösten, ausgesetzte Ratten pflegen oder vereinsamte und hungrige Mümmelmänner zwischen Aktenstapeln betreuen. Vielleicht also wäre es sinnvoll, noch einmal nachzudenken. (st)

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