Fachtagung im KOM: Professor Roland Richter (l.) informierte 80 Führungskräfte aus Pflegeeinrichtungen über das neue Pflegestärkungsgesetz. Foto: Kiener

Punkte- statt Zeiterfassung:

Pflege-Experte erklärt neues Gesetz

Olching – Seit Jahren wird eine Überarbeitung des Pflegestärkungsgesetzes diskutiert. Bald ist es soweit: Anfang 2017 tritt das neue Pflegestärkungsgesetz (PSG) II und III in Kraft. Was das bedeutet:

Für die Heim- und Pflegedienstleitungen in den Seniorenheimen bedeutet dies: „Wir müssen viel Aufklärungsarbeit leisten und sowohl unsere Mitarbeiter wie auch unsere Bewohner und deren Angehörige frühzeitig über Änderungen informieren“, sagt Diakonie-Geschäftsführer Thomas Behr.

Die Diakonie Fürstenfeldbruck lud aus diesem Anlass rund 80 Führungskräfte zu einer Fachtagung ins KOM. Referent Ronald Richter informierte über Änderungen und gab ihnen zahlreiche Anregungen und nützliche Tipps mit auf den Weg. „Sie müssen auf alle Fälle vermeiden, dass Ihre Bewohner, deren Angehörige oder Ihre Mitarbeiter aus der Apotheken-Umschau von den Gesetzesneuerungen erfahren. Werden Sie noch im letzten Quartal dieses Jahres aktiv und informieren Sie selbst, was an Veränderungen durch das neue Gesetz ansteht“, forderte Richter seine Zuhörer auf.

Seiner Meinung nach wird das Pflegestärkungsgesetz seinem Namen gerecht. „Endlich wird der Pflegeaufwand nicht mehr nur auf 15 Verrichtungen und zeitlich erfasst und bewertet, sondern es fließen auch kognitive Defizite der Patienten in die Beurteilung mit ein“, sagt Richter. Aus einem bisher reinen Zeiterfassungssystem wird ein Punktesystem. Und: Mit der Reform des Gesetzes werden aus bisher drei Pflegestufen fünf – eine genauere Differenzierung der Pflegefälle sei dadurch gegeben. Auch die Bedürfnisse dementer Menschen finden in der Novelle Berücksichtigung.

Die häusliche und ambulante Pflege im gewohnten Umfeld soll mit dem Gesetz gestärkt werden. Sprich: Die zu pflegenden Menschen sollen so lange wie möglich daheim von den Angehörigen gepflegt werden. Das ist zwar heute schon gängige Praxis, aber nicht immer möglich. Auch die Pflegeheime der Diakonie – das Laurentiushaus in Olching und das Haus Elisabeth in Puchheim – haben darauf bereits entsprechend reagiert. „Wir bieten seit 1. Oktober einen ambulanten Pflegedienst in Olching, Eichenau und Puchheim an“, sagt Diakoniechef Thomas Behr.

Er ist seit zehn Jahren Mitglied in der Expertenkommission für Gesundheitsdienste und Wohlfahrtspflege. Mit Roland Richter holte der Brucker Diakonieleiter einen Experten als Referent in den Brucker Landkreis. Dessen Buch „Die neue soziale Pflegeversicherung PSG II“ dient den Führungskräften im Pflegebereich quasi als Grundlage. Zur Fachtagung in Olching kamen denn auch Führungskräfte aus ganz Bayern, sowie Mitarbeiter aus Sozialämtern, um Informationen aus erster Hand zu erhalten. „Jetzt geht es darum, dieses Wissen, das das neue Gesetz mit sich bringt, den Mitarbeitern zu vermitteln“, sagt Behr. Denn an der täglichen Arbeit am Menschen – ob in den Pflegeeinrichtungen oder bei der Pflege daheim – ändert das Gesetz nichts.

von Angi Kiener

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