In Olching

Vogelpark: Rauswurf aus Verein nach fast 50 Jahren

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Andreas Wenger (79) ist enttäuscht und sauer: Heuer wäre er seit 50 Jahren Mitglied im Vogelliebhaberverein Olching gewesen, doch kurz zuvor wurde er aus dem Verein ausgeschlossen. Der Grund dafür ist ein Leserbrief, in dem er den Vorstand kritisiert.

Olching/Eichenau– Die Mitgliedskarte, die Wenger in der Hand hält, ist etwas vergilbt. Kein Wunder, schließlich hat sie der 79-Jährige bereits seit 1. April 1968. An diesem Tag ist er in den Vogelliebhaberverein Olching und Umgebung eingetreten. Der 79-Jährige hat den Verein mit aus der Taufe gehoben, war Ehrenmitglied und von 1982 bis 1986 Vorsitzender. „Ich habe den Vogelpark mitaufgebaut“, sagt er. Genau so wie seine Frau Rosina. Sie ist seit 1977 dabei.

Der „Rausschmiss“, wie Wenger es ausdrückt, passierte bei der Hauptversammlung im März diesen Jahres. Zur Begründung heißt es in einem Schreiben vom 4. Februar, das Wenger vorab erhalten hatte: „Mit Ihrem Leserbrief vom November 2015 haben Sie dem Ansehen des Vereins erheblichen Schaden zugefügt. Darüber hinaus haben Sie auch den 1. Vorstand, Herrn Dr. Dieter Ernst, persönlich angegriffen.“ Dies stelle ein vereinsschädigendes Verhalten dar.

„Das ist doch kein Grund für einen Rausschmiss“, sagt Wenger. Er habe Ernst zwar als Napoleon des Vogelparks bezeichnet, aber lediglich geschrieben, dass man sich mit den Behörden arrangieren müsse. Unter anderem steht in dem Brief: „Herr Dr. Ernst täte gut daran, seine Zeit und die Mittel des Vereins nicht für aussichtslose Klagen zu verschwenden.“ Hierbei bezieht sich Wenger auf den Streit zwischen Vogelpark und Landratsamt, bei dem es unter anderem um tierschutzrechtliche Belange ging.

Auch früher habe es schon Ärger mit den Behörden gegeben, sagt der 79-jährige Eichenauer. Auch damals habe der Verein Auflagen erfüllen müssen. Doch man habe stets versucht, sich gütlich zu einigen und sei nicht vor Gericht gezogen.

„Wir haben es bedauert, dass wir zu dieser Maßnahme greifen mussten“, sagt Ernst, der von 2008 bis 2017 Vorsitzender des Vogelliebhabervereins war. Der Leserbrief habe zu großen Irritationen geführt und dem Verein in der damaligen – emotional sehr aufgeladenen – Situation sehr geschadet. „Er war wie ein Schlag ins Genick“, so Ernst. Und Manfred Kuchenbaur, der seit März Vorsitzender ist, sag über Wenger: „So etwas hat er sich nicht anzumaßen.“

Ernst kreidet dem Eichenauer vor allem an, dass er nicht im Vorfeld versucht habe, Kontakt mit dem Vorstand aufzunehmen. Zudem seien die Vorwürfe schlichtweg falsch gewesen, wie sich gezeigt habe. Ernst spricht davon, dass der Verein schließlich alle Prozesse gewonnen habe. „Ein Wort des Bedauerns, dass er falsch gelegen ist, dann wäre es nicht zu dem Ausschluss gekommen“, sagt Ernst.

Wenger wiederum kritisiert, dass der Vorstand nicht mit ihm das Gespräch gesucht habe. Das bestreitet Kuchenbaur. Er habe ihn gebeten, solche Aussagen nicht mehr zu tätigen. Der 79-Jährige sei auch schon seit mindestens 20 Jahren nicht mehr im Verein aktiv, führt er an.

Zudem hätte sich Wenger bezüglich des Ausschlusses vor der Mitgliederversammlung äußern können. Doch das habe er nicht gemacht. Dazu sagt der 79-Jährige: „Da kennt mich ja fast keiner mehr“. Die langjährigen Mitglieder hätten nach und nach alle den Verein verlassen. Die Versammlung habe, so Ernst, den Ausschluss mehrheitlich beschlossen.

Auf Nachfrage sagt Ernst, dass er mittlerweile über der Angelegenheit stehen könnte – vorausgesetzt Wenger entschuldige sich. „Wenn er einen erneuten Mitgliedsantrag stellen würde, dann würde ich mich nicht quer stellen“, so Ernst. Entscheiden darüber würde aber die Mitgliederversammlung.

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