Volle Konzentration: Im Homeschooling sind Schüler, Lehrer und Eltern gefordert.
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Volle Konzentration: Im Homeschooling sind Schüler, Lehrer und Eltern gefordert.

Corona-Krise

Schulleiter kritisieren Kultusministerium: Viel zu wenig Vorlauf

  • Kathrin Böhmer
    vonKathrin Böhmer
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Während gerade über mögliche Lockerungen in den Schulen beraten wird, kommt aus dem östlichen Landkreis ein Hilferuf.

Olching/Puchheim – Die Graßlfinger Grundschulleiterin und Sprecherin des Kreislehrerverbands, Cathrin Theis, und Christian Römmelt, Rektor der Grundschule Süd in Puchheim, äußern in einer Art Brandbrief an das Tagblatt Kritik an den Hauruck-Anweisungen des Kultusministeriums.

Am Freitagabend gibt es die Infos für die Folgewoche

Cathrin Theis, Rektorin in Graßlfing.

Aktuelles Beispiel: Am vergangenen Freitag, kurz vor 18 Uhr, sei ein Schreiben eingetroffen, das darüber informierte, wann man über die Neuerungen ab 15. Februar informiert werde: drei Tage vorher, am 12. Februar. Diese knapp bemessene Frist sei eher die Regel als die Ausnahme. Weiteres Problem: „Nicht selten erreichte uns Schulleitungen eine Pressemitteilung früher als das offizielle interne Schreiben, nach dem wir uns zu richten haben.“

Das alles führe in ein organisatorisches Dilemma: „Wie soll ein Unterrichtsbetrieb sinnvoll organisiert werden, in einer Woche, in der eigentlich Faschingsferien gewesen wären?“ Sekretärinnen und das Personal im gebundenen Ganztag würden in dieser Woche nicht bezahlt werden. Es stellen sich noch weitere Fragen: „Wie soll im Falle von Präsenzunterricht mit einer Information am Freitag, 12. Februar., gewährleistet werden, dass Ganztagsschüler ab Montag, 15. Februar, ihr Mittagessen auf dem Tisch haben? Wie erreicht man alle anderen Betreuungseinrichtungen am Wochenende?“ Die Antworten auf viele solcher Fragen bleibe das Kultusministerium bisher schuldig, berichten die Rektoren Theis und Römmelt.

Das Limit der Belastbarkeit ist erreicht

Christian Römmelt, Rektor in Puchheim.

Die Schulfamilien hätten das Limit ihrer Belastbarkeit erreicht. Seit März 2020 laufe nichts mehr normal. „Viele Lehrer und Schulleiter an unseren Grund- und Mittelschulen absolvieren derzeit ein Stundenpensum, das weit über die eigentliche Arbeitszeit hinausgeht“, heißt es. Schulleiter würden von Wochen mit 50 bis 60 Stunden und zahllosen durchgearbeiteten Wochenenden berichten. Der Laden müsse ja irgendwie laufen und für die Kinder tue man es gern, erklären Theis und Römmelt.

Aber nicht einmal in den Ferien – wenn sie denn stattfinden – könne man richtig durchschnaufen. Die Erholungszeit sei geschrumpft, weil Notbetreuungsangebote vorgehalten werden und durch den Distanz-Unterricht digitale Kompetenzen bei Fortbildungen geschult werden mussten. „Distanzunterricht ist für alle Seiten sehr belastend. Besonders junge Schüler brauchen jetzt eine Pause“, heißt es.

Immerhin: Hoffnung gibt die Aussicht auf weitere Computer. Gut zwei Drittel der Lehrer sollen mit Laptops oder Tablets ausgestattet werden. Nun müsse sich zeigen, ob es sich dabei um eine einmalige PR-Aktion handle oder um einen ernst gemeinten Versuch, Schulen auf ein hohes Level der Digitalisierung zu befördern.

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