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Der Schweinehund-Bezwinger

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Robert Schramm, 52, ist Extrem-Sportler. Unter anderem läuft er mit Anfang 50 die längsten Treppen der Welt nach oben. Wie er das macht? Reine Kopfsache. Über ein Mentalitätsmonster.

Olching – Robert Schramm sprintet die Treppe des Brucker Krankenhaus nach oben – ach was soll die Untertreibung: Er prügelt sich die 120 Stufen hoch. Zwölf-, Dreizehnmal vom Keller bis in den obersten Stock und wieder runter, solange eben bis ihm die Kondition ausgeht. Ihm! Und dann noch einmal.

Drei Jahre ist das jetzt her. Robert Schramm, 52, Extremsportler aus Olching, trainierte damals im Krankenhaus für den Niesenlauf in der Schweiz. Die Teilnehmer laufen die längste Treppe der Welt nach oben. 1800 Höhenmeter, 11 674 Stufen. Schramm erinnert sich heute an diesen Tag und seinen bislang krassesten Wettkampf. Etwa bei der Hälfte will er damals aufgeben. „Ich will nicht mehr“, denkt er. Heute sagt er: „Aber was hätte ich meiner Frau sagen sollen?“

Robert Schramm sprintet von Extrem zu Extrem. Immer mit dabei: Sein größter Feind, der verdammte Innere Schweinehund. Er lief den Marathon in München, Paris und New York. Er bezwang mehrmals den Olympiaturm (1230 Stufen), die Europatreppe (4000 Stufen, 700 Höhenmeter) und die längste Treppe der Welt (1800 Höhenmeter, 11674 Stufen). Er überlegt, den Starnberger See zu umrunden – zweimal. In Motorrad-Magazinen stöbert er nach möglichen Fahrradstrecken. Sein Traum: Der Badwater Ultramarathon in Amerika. 135 Milen (217 Kilometer). Startpunkt: Death Valley.

Der zweifache Papa wohnt mit seiner Frau in einem Mehrfamilienhaus. Seine Wohnung befindet sich in einem der oberen Stockwerke. Kein Aufzug. Wenn Schramm die Treppe nach oben geht, nimmt er zwei Stufen auf einmal. Nun sitzt er am Küchentisch. Er trägt ein orangefarbenes Sport-Shirt. „Ich muss mich wie jeder andere auch quälen“, sagt er. Er sei nicht süchtig nach diesem berühmten „Glücksgefühl“ oder „Runners-High“. „Ich suche etwas, das nicht normal ist.“

Schramm ist gebürtiger Olchinger. In seiner Familie ist er der vierte von fünf Söhnen. Er sei seinen Brüdern stets hinterhergelaufen. „Immer haben alle gesagt: Der ist zu klein.“ Das hat seinen Willen gestärkt. Mit Zwölf wandert er zum ersten Mal um den Starnberger See. Das sind etwa 50 Kilometer. Er lernt Karate. Als Jugendlicher verfolgt er den New York City-Marathon im Fernsehen – ein für ihn einschneidendes Erlebnis. Er sieht die Begeisterung in den Gesichtern der Läufer und der Zuschauer. Nun hat er einen Traum. Diesen erfüllt er sich im Jahr 1999. Da ist er 35. Für die 42 Kilometer von Staten Island zum Central Park braucht er drei Stunden, 40 Minuten und neun Sekunden. Fortan startet er bei mehreren Marathons und Treppen-Läufen. Zig Wettkämpfe hat er inzwischen im In- und Ausland bestritten. Und nach jedem Mal denkt er sich: „Nie wieder.“ Von wegen.

Vor drei Jahren beschenkt sich Schramm selbst zu seinem 50. Geburtstag. Er nimmt am Niesenlauf teil. Er will die längste Treppe der Welt bezwingen. Zwar hat sich Schramm schon tausendmal mit dem Innerern Schweinehund duelliert. Aber an diesem Tag, auf dieser Treppe ist letzterer klar im Vorteil. „Das Schlimmste ist das Mentale“, sagt Schramm rückblickend.

Drei Monate hat er sich vorbereitet. Jetzt steht er am Niesenberg in der Schweiz bei Höhenmeter 693. Vor ihm tut sich der Gipfel in all seiner Naturgewalt auf. Es gibt eine Standseilbahn, die Ausflügler auf die Gipfelplattform auf 2362 Meter bringt. Daneben schlängelt sich eine Treppe aus Natursteinen und Gitterroststufen steil nach oben. Sie führt anfangs durch den Wald, weiter oben durch eine wunderschöne Gebirgswelt.

Er läuft los, Stufe für Stufe, Meter für Meter. Es ist hart. Je näher er dem Himmel kommt, desto mehr flucht er. Als er eine Zwischenstation passiert und bereits 1200 Höhenmeter und geschätzt 7000 Stufen gelaufen ist, will er abbrechen. Schramm fragt sich: „Was mach ich hier eigentlich?“ Doch dann denkt er daran, wie er das Scheitern seiner Frau erklären soll. Und auch der sportliche Ehrgeiz und der Wille, „nach oben ins Ziel zu kommen“, schütteln ihn einmal kräftig durch. Schramm läuft weiter. Er schafft es bis ganz nach oben. Schramm 1. Schweinehund 0.

Und wie war es? „Ich hatte nicht einmal Muskelkater“, sagt Schramm. Er erwähnt das nicht um anzugeben. Eher will er damit ausdrücken: Alles nur eine Frage des Trainings und des Kopfes.

Welchen Extrem-Wettkampf er als nächstes plant, will man wissen. Schramm kramt in seiner Küche eine Motorrad-Zeitschrift hervor. Darin geht es um das Timmelsjoch, ein Grenzpass zwischen Österreich und Italien, 2474 Meter hoch. Eine Steigung zwischen 14 und 16 Prozent. Bei Motorrad-Fahrern ist das Timmelsjoch berühmt berüchtigt, weil es so kurvig und steil bergauf geht. Schramm sagt, er will den Pass mit dem Radl hochfahren. Er stellt sich das so vor: „Nur Motorrad-Fahrer und ich, ganz oben.“

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