Sie wollte sich von anderen Eierkünstler abheben: Die Olchingerin Mariele Berngeher fabriziert „Bandel-Eier“, wie sie in der Biedermeierzeit in Mode waren.
+
Sie wollte sich von anderen Eierkünstler abheben: Die Olchingerin Mariele Berngeher fabriziert „Bandel-Eier“, wie sie in der Biedermeierzeit in Mode waren.

Olching

Sie erzählt mit Eiern ganze Geschichten

  • Ulrike Osman
    vonUlrike Osman
    schließen

Jetzt vor Ostern sind sie wieder omnipräsent: Eier in allen Varianten. Die Olchinger Künstlerin Mariele Berngeher bietet eine besondere Spezialität an: „Bandel-Eier“ oder „Kurbel-Eier“. In jedem von diesen steckt ein bemaltes Seidenband, das herausgezogen und mit Hilfe einer kleinen Kurbel wieder eingerollt werden kann. So können ganze Geschichten erzählt werden.

Olching – Weil es so viele Maler und so viele bemalte Eier gibt, wollte Mariele Berngeher sich abheben und etwas Besonderes machen. So kam sie auf die Bandel-Eier, die in der Biedermeierzeit Mode waren. Damals schrieb man Liebesschwüre oder Gebete auf die Papierbänder.

Mariele Berngeher verwendet aufgrund der Reißfestigkeit lieber Seidenbänder, die auf spezielle Art präpariert werden. Wie, ist ein Betriebsgeheimnis. Nur so viel verrät die Künstlerin: „Ich habe lange herumprobiert.“

Auf das Ei malt die 68-Jährige eine Szene, die auf dem Band weitergesponnen wird. Da tummeln sich Menschen in der Sauna oder leicht bekleidete Tänzerinnen auf einer Theaterbühne. Die muntere Künstlerin hat nichts gegen Freizügigkeit in ihren Werken, im Gegenteil. „Spitzbübische Szenen“ nennt sie die in naivem Stil perfekt ausgeführten Darstellungen. Es gibt aber auch Bandel-Eier, die einfach nur ländliches Leben oder Brauchtum zeigen.

Am besten zu bemalen sind laut Berngeher Gänse- oder Schwaneneier. Enteneier dagegen seien so glatt, „dass man mit dem Pinsel fast ausrutscht“. Bis zu 20 Stunden Arbeit stecken in einem Bandel-Ei. Das Komplizierteste ist es, das bemalte Band durch einen gefrästen Schlitz ins Ei hineinzubekommen und innen blind auf die mit Klebstoff versehene Kurbel aufzurollen, die von unten durch ein Loch eingeschoben wird. Damit die künstlerische Schlüsselloch-Chirurgie klappt, ist höchste Konzentration erforderlich. „Ich muss gut drauf sein und es darf nicht das Radio laufen“, erzählt die zweifache Mutter und dreifache Großmutter.

Ihr kreatives Talent wurde früh entdeckt, aber nicht gefördert. Berngeher stammt von einem Bauernhof in einem 400-Einwohner-Dorf in der Holledau. Als ein Lehrer vorschlug, das begabte Mädchen eine grafische Ausbildung in München machen zu lassen, war das für die Eltern unvorstellbar. Sie schickten ihre Tochter lieber auf die Hauswirtschaftsschule. Später landete sie dann doch in München, allerdings als Erzieherin.

Der Wunsch, sich künstlerisch auszudrücken, habe immer in ihr gebrannt, sagt Berngeher. Irgendwann wurde er so groß, dass sie ihren Job im Kindergarten aufgab, um Zeit zum Malen zu haben. „Das hat sein müssen. Lieber bin ich weniger in Urlaub gefahren.“ Ihr Mann trug die Entscheidung mit. Die Töchter freuten sich, wenn die Mama beim Hausaufgaben machen daneben saß und malte.

Seitdem hat Mariele Berngeher ein umfangreiches Werk geschaffen. Es umfasst neben Gemälden und Eiern vieles, was man sonst noch bemalen kann – Tassen, Taschen und Tabletts, Uhren, Spieluhren und Postkarten. Die Olchingerin hat bundesweit ausgestellt, war auf vielen Märkten vertreten und hat für ihre Bandel-Eier schon zweimal einen Kunstpreis bekommen.

Manchmal, wenn ihr der Sinn nach etwas anderem steht, verwandelt sie Eier in wilde Hennen – mit Gipsmasse, echten Federn, Schnäbeln aus Papier und winzigen Brillen aus Draht. Dass sie dieser Tage mangels anderer Ausstellungsmöglichkeiten ihre Werke im Schaufenster eines Olchinger Optikers präsentiert, ist da nur natürlich.

Auch interessant

Mehr zum Thema

Kommentare