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So geht’s: Landwirt Alfred Wagner zeigt den Kindern, wie früher per Hand Getreide gesät wurde

Aktion von Brucker Land

Sie säen Hafer wie anno dazumal

Momentan sieht man sie wieder im Landkreis: Die riesigen Maschinen, mit denen die Bauern heutzutage ihre Felder bestellen. Früher war das ganz anders. Da wurde noch per Hand gesät. Die Solidargemeinschaft Brucker Land hat auf einem Acker in Neu-Esting gezeigt, wie das geht.

Olching – Der zuständige Landwirt Alfred Wagner kam zwar mit dem Schlepper angefahren. Doch den stellte er am Feldrand ab – und dort blieb der Bulldog auch. Der Ackerbauer und Mutterkuhhalter aus Gernlinden hatte die Aktion angeregt und sich für das Hafer-Saat-Projekt auf einem Acker in Neu-Esting mit der Solidargemeinschaft Brucker Land zusammengeschlossen.

Es zeigte sich: Per Hand Saatgut ausstreuen will gelernt sein. Denn neben dem schwungvollen Werfen gilt es, zügig und gleichmäßig schnell ü

ber den Acker zu schreiten. Das mussten die neugierigen Kinder, die gekommen waren, erst lernen. Besonders über die Aktion freute sich auch die 67-jährige Hildegard Wimmer aus Olching. „Ich bin auf einem Dorf aufgewachsen und habe das Säen per Hand als Kind noch gesehen – heute hat mich die Neugier hergetrieben.“ Aufmerksam beobachtete Wimmer auch, wie Rita Multerer, Vizevorsitzende von Brucker Land, das Naturland-Saatgut auspackte. „Es ist ungebeizte, naturbelassene Hafersaat“, erklärte sie. Denn bei der Solidargemeinschaft legt man viel Wert darauf, dass Saatgut ein „Erbe der Menschheit“ ist. Ziel der Aktion war es deshalb auch, den Blick auf das Korn an sich zu lenken. „Wir wollen auch auf die Wertigkeit von natürlich erzeugten Nahrungsmitteln hinweisen“, hieß es von Seiten der Veranstalter.

Denn die Haferähren sind nicht nur schön anzusehen. Das Korn ist auch sehr gesund, wie Rita Multerer versicherte. Man könnte es sehr gut zum Brotbacken verwenden. Doch momentan werden die Körner meist zu Haferflocken fürs Frühstücks-Müsli weiterverarbeitet.

Allgemein fristet der Hafer derzeit im Landkreis eher ein Schattendasein. Selbst Bauer Alfred Wagner hat schon seit Jahren keinen mehr angebaut – schon gar nicht per Hand. „Wenn wir Landwirte heute per Hand aussäen, dann nur bei einer Nachsaat auf Flächen, die bereits bestellt sind oder wenn Klee eingesät wird.“

Früher gab es in der Region noch viele Felder, auf denen die Getreidesorte wuchs. Denn damals diente der Hafer als Kraftnahrung für die Arbeitspferde, die den Pflug durch die Äcker zogen. Heute dagegen wird er kaum noch an die Tiere verfüttert. Der Grund: Er macht die Pferde zu temperamentvoll. „Zudem ist der Hafer auf dem Getreidemarkt momentan schwer zu verkaufen“, erzählte der Landwirt.

Die Ernte der Saat-Aktion bringt Alfred Wagner aber sicherlich an den Mann. Denn das Korn nimmt ihm die Solidargemeinschaft Brucker Land ab. Daraus sollen Haferflocken gemacht werden.

Das Stroh könnte man nach der Ernte einem besonderen Zweck zuführen. Denn mittlerweile wird es unter anderem für Bäder verwendet. Dafür werden die Halme erst mit heißem Wasser übergossen. Anschließend wird das Stroh abgesiebt und der Auszug in die Badewanne gegeben. Hafer-Stroh und -Kraut sind nämlich reich an entzündungshemmenden Substanzen und werden beispielsweise bei Neurodermitis eingesetzt. Nicht zuletzt deshalb ist der Saathafer auch zur Arzneipflanze des Jahres 2017 ernannt worden.

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